Imke Rüße aus der Jugendfrei-Redaktion erzählt von ihrer Zeit beim Radio
Und wir sind auf Sendung...

Als es Anfang des Jahres mit immer größeren Schritten auf mein Abitur zuging, stellte sich mal wieder die lästige Frage: „Was kommt danach?“ Direkt mit einem Studium anfangen, hatte ich ziemlich schnell verworfen, aber die Idee, mich im Feld Medien und Journalismus weiter auszuprobieren, existierte weiter. Um es eben auch ein Stück weit den Leuten zu zeigen, die immer gerne behaupten, Medien seien doch nichts Konkretes, hier meine Antwort, wie „konkret“ und wie „vielseitig“ es aussehen kann.

Donnerstag, 03.09.2020, 16:32 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 18:46 Uhr
Imke Rüße kommt aus Steinfurt und ist seit drei Jahren bei der WN für die Jugendseite tätig. Für die letzten paar Monate war sie in Aschaffenburg beim Radio Klangbrett und berichtet von einer etwas anderen Art des Journalismus.
Imke Rüße kommt aus Steinfurt und ist seit drei Jahren bei der WN für die Jugendseite tätig. Für die letzten paar Monate war sie in Aschaffenburg beim Radio Klangbrett und berichtet von einer etwas anderen Art des Journalismus. Foto: Imke Rüße

 

Wie kam ich damals überhaupt zum Journalismus? 2016 stand im neunten Schuljahr ein Praktikum an und obwohl ich schon spät dran war, ergatterte ich einen Platz in der Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten in Borghorst. Ich hatte schon immer eine Liebe zum Schreiben, aber dass ich das mal als Berufswunsch erwägen könnte, kam mir da erst als Gedanke. Neben dem Schreiben von Artikeln lernte ich durch viele Außentermine meine Region neu kennen. Nach dem Praktikum war dann vorerst Pause – bis ich mich dann wieder in der Redaktion meldete und zu „Jugendfrei“ kam. Ziemlich schnell war ich dann beim ersten Treffen und bin als freie Mitarbeiterin nun schon mehr als drei Jahre dabei.

Printjournalismus hatte es mir also angetan, weshalb ich in der Oberstufe ergänzend ein Praktikum bei der Landeszeitung „Thüringer Allgemeine“ machte. Nach bestandenen Prüfungen und erhaltenem Abiturzeugnis hieß es für mich wie für viele andere Erfahrungen sammeln – meine waren bei Radio Klangbrett. Radio Klangbrett ist ein Jugendradio aus Aschaffenburg. Wie ich dorthin kam, wenn mir der Ort vorher nicht mal was sagte, war eher zufällig. Auf einer Seite für Freiwilligendienste im kulturellen Bereich stand die besagte Stelle. Ein Jahr war mir aber dann zu lang, da ich bereits einen Plan für die Zeit ab Oktober hatte. Trotzdem kam ich schnell mit der Leitung Kerstin Günther in Kontakt und fragte nach, ob bei ihnen nicht auch ein Praktikum möglich wäre. Und ehe ich nochmal drüber nachdenken konnte, fand ich mich für zwei Monate im Norden von Bayern, in Unterfranken, wieder.

Ähnlich zu meinen vorherigen Praktika, wurde ich direkt in das redaktionelle Arbeiten eingeführt und durfte loslegen. In unseren gemeinsamen Besprechungen am Montag wurden die zwei Sendungen für Dienstag und Donnerstag geplant. Als kleines Radio durften wir an diesen Tagen ein Studio im Aschaffenburger Funkhaus belegen. Die Oberthemen reichten von unverfänglichen Urlaubstipps bis zu Kommentaren und Reaktionen auf politische Ereignisse.

So unterschiedlich wie unser Team zusammengesetzt war – schließlich waren die Montagstreffen offen und jeder konnte kommen – war eben auch unser Programm. In der Regel waren wir zu dritt in der Redaktion, denn die Anderen waren ehrenamtliche Mitwirkende und konnten gehen und kommen wie sie wollten. Für eine Woche übernahm ich dann sogar schon die stellvertretend Leitung von Klangbrett, da meine Kolleginnen im Urlaub waren. Zu Beginn hätte ich mir das sicherlich nicht zugetraut und vorstellen können, aber mit der Hilfe aus dem Team verging die Woche wie im Flug.

In den acht Wochen traute ich mich als Technik-Nullkennerin an Schneideprogramme heran und konnte in ein paar Sendungen bereits die Technik im Studio, zwar immer noch angeleitet und mit Unterstützung, fahren.

Wenn man diese Praxis scheut, ist es beim Hörfunk wirklich wesentlich schwerer dieser auszuweichen, gerade wenn man in einer kleineren Redaktion tätig ist und dort jeder mal einspringt und aushilft.

Auch im Moderieren durfte ich mich in drei Sendungen ausprobieren. Dabei lernte ich auch den bedeutendsten Unterschied zum Printjournalismus kennen: Kurz, knapp und langsam sein. Für mich bereits eine Herausforderung beim Schreiben. Beim Zuhören kann niemand mal zurückblättern, um meinen verschachtelten Satzbau zu entziffern. In meinen gebauten Beiträgen für die Sendungen lernte ich aber definitiv, wie sinnvoll gesetzte Pausen sind.

Wohl einer der wenigen positiven Nebeneffekte durch die Corona-Pandemie: Wir durften frei von den sonstigen thematischen Bestimmungen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien unsere Sendungen ausgestalten. Die einzige Vorschrift – ähnlich zu meiner Arbeit für die WN - regionale Bezüge müssen vorhanden sein. Im Radio durch das Spielen von regionalen Künstlern und bei uns bei „Jugendfrei“ durch das Behandeln von jugendlichen Belangen vor Ort oder durch Interviews und dem Sammeln von Zitaten.

Wie geht es jetzt weiter? Muss man sich jetzt für eine Seite entscheiden? Ich denke eher nicht. Durch ihre Unterschiedlichkeit war es für mich eher von Vorteil, beides nun kennengelernt zu haben. Meine Liebe zum Schreiben, das Vorschlagen neuer Themen und das Engagieren für Bereiche, die Jugendliche interessieren, bleibt mir bei beidem und das sind sicherlich auch die Gründe, warum ich mich in den zwei Feldern jetzt sehen könnte. Langsam bin ich mehr als gespannt, was sich in der Zukunft noch an Möglichkeiten ergeben wird. Vielleicht wird es dann für manche „konkreter“ oder es bleiben einfach kleine Entscheidungen, die ich nebeneinander ausführe und die nur die Vielseitigkeit dieses Berufsfelds unterstreichen.

Imke Rüße

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