Wirtschaftsforum Steinfurt:
Atempause oder Atemstillstand?

Steinfurt -

Im April vor einem Jahr hieß es nach einem dreistimmigen und euphorischen Ja: noch zwei, drei Sitzungen, danach eine Gründungsversammlung und schon steht das Wirtschaftsforum Steinfurt – und die beiden Werbe- sowie die eine Gewerbegemeinschaft sind Geschichte. Mittlerweile sieht es eher danach aus, als wenn das Wirtschaftsforum Geschichte ist, ehe es überhaupt aus der Taufe gehoben wurde. Erster Beigeordneter Michael Schell hat am Mittwochabend vor den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses seinen Eindruck aus ungezählten Gesprächen mit den Protagonisten wiedergegeben: „Einen Zusammenschluss der drei Gemeinschaften wird es erst einmal nicht geben.“

Donnerstag, 03.09.2020, 17:39 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 14:39 Uhr
Wirtschaftsforum Steinfurt, alle unter einem Dach: Das Projekt macht erst einmal Pause.
Wirtschaftsforum Steinfurt, alle unter einem Dach: Das Projekt macht erst einmal Pause. Foto: Heinz Schwarze-Blanke

Wirtschaftsforum Steinfurt – die Idee ist „sechs, sieben Jahre alt“, wie Initiator Oliver Palstring rekapituliert. Der Burgsteinfurter Unternehmer wollte – und will auch weiterhin – eine Plattform schaffen, die die verschiedenen Interessengruppen, wie eben die Werbe- und Gewerbegemeinschaften, unter einem Dach vereint. Die Mitglieder sollen sich vernetzen, um die drängenden Probleme des Wirtschaftsstandorts Steinfurt anzugehen.

Davon übrig geblieben ist „ein Innenstadtforum“, wie es Palstring beschreibt. Darin machten sich die Werbegemeinschaften Gedanken darüber, wie sie ihren eigenen Ortsteil nach vorne bringen und entwickeln können. Für Oliver Palstring ist das zu wenig: „Ein Wirtschaftsforum könnte sie dabei unterstützen.“ Müsste aber seiner Ansicht nach sehr viel mehr leisten.

In dieser Situation setzen die Beteiligten auf den Faktor Zeit. Erster Beigeordneter Michael Schell will genauso abwarten, was jetzt passiert, wie Oliver Palstring und Oliver Tieck, der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Burgsteinfurt. „Wir setzen viel Hoffnung in die neue Geschäftsführerin von SMarT“, so Tieck. Vielleicht habe sie neue Ideen. Und um deren Umsetzung nicht zu gefährden, lege man jetzt eine Atempause ein.

Fest steht aber, dass sowohl die Borghorster als auch die Burgsteinfurter Geschäftsleute jetzt erst einmal vor der eigenen Tür kehren wollen, unabhängig davon, was im anderen Stadtteil passiert. „Die Werbegemeinschaft Borghorst hatte in den letzten Wochen Zweifel, ob der Weg in das gemeinsame Wirtschaftsforum richtig ist“, beschreibt Gudrun Sestendrup als Vorsitzende in Borghorst den Stand der Dinge. Die Werbegemeinschaft werde erst einmal für sich bleiben und weiterhin alles geben, um die Innenstadt zu stärken. Wichtig sei ihr und den Kollegen, „dass wir zeigen, dass wir selbst etwas leisten können und möchten. Wir möchten nicht nur die Hand aufhalten.“

SMarT-Geschäftsführerin Marion Niebel stimmt Gudrun Sestendrup zu: „In den letzten Arbeitskreisen ging es nur noch darum, die Probleme der Werbegemeinschaften zu diskutieren und wie man diese im künftigen Wirtschaftsforum lösen kann.“ Der Gedanke der Vernetzung habe nicht mehr im Fokus gestanden.

Für Marion Niebel hat diese Erkenntnis etwas Positives: „Die Diskussion hat Politik und Verwaltung aufgerüttelt.“ Und wenn sich die Verwaltung künftig mehr um Leerstände kümmert und es im nächsten Jahr einen durch das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept geförderten Citymanager geben wird, dann hat sich die Arbeit trotzdem gelohnt.“

Auch die Erkenntnis, dass beide Ortskerne einfach zu unterschiedlich sind, um zusammen zielführend agieren zu können, sei ein Ergebnis aus dem Prozess. „Und das ist okay so, dass muss man dann hinnehmen.“

Oliver Tieck gibt den Mitstreitern recht, dass sich das Wirtschaftsforum in die falsche Richtung entwickelt hat und nur noch die Belebung der Innenstädte im Mittelpunkt stand. Die Idee einer breiter angelegten Plattform will der Werbegemeinschaftsvorsitzende aber trotzdem nicht in die Schublade legen. „Wir warten jetzt erst einmal die Bürgermeisterwahl und den Wechsel bei SMarT ab.“ Das Projekt sei so gut vorbereitet, dass es „peng, sofort wieder losgehen kann“.

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