ISEK-Rahmenpläne für Borghorst und Burgsteinfurt
Von wandelbar bis talentiert

Steinfurt -

Nachfragen, Anregungen, Bedenken, Kommentare? Wer im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung eine Diskussion über das mit so viel Spannung und Hoffnungen auf Millionen-Förderung verbundene „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) erwartet hatte, wurde enttäuscht. Keine Reaktion.

Donnerstag, 03.09.2020, 18:24 Uhr
Das Areal rund um die Hohe Schule in Burgsteinfurt soll deutlich aufgewertet werden.
Das Areal rund um die Hohe Schule in Burgsteinfurt soll deutlich aufgewertet werden. Foto: complan

Nachfragen, Anregungen, Bedenken, Kommentare? Wer im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung eine Diskussion über das mit so viel Spannung und Hoffnungen auf Millionen-Förderung verbundene „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) erwartet hatte, wurde enttäuscht. Keine Reaktion. Keine Wortmeldung. Keine Aussprache. Nichts. Wilm Quaß von der Kommunalberatung complan mit Bürositz in Bielefeld konnte seine Sachen nach gut halbstündigem Vortrag wieder packen. Ein kurzer Dank des Ausschussvorsitzenden Rolf Diekmann (CDU). Das war‘s für diesen Abend.

Was Quaß den Politikern, die am Mittwoch zum letzten Mal vor der Wahl in dieser Zusammensetzung im Rathaus getagt haben, vorgetragen hat, wird deren Nachfolger vermutlich länger als eine Ratsperiode begleiten. Tragweite und Bedeutung sind wiederholt von Politik und Verwaltung als richtungsweisend für die langfristige städtebauliche Entwicklung in beiden Ortsteilen bezeichnet worden.

Quaß ging, nachdem er zum Beginn noch einmal den Projektverlauf skizziert hatte, auf Stärken und Schwächen der Ortskerne dies- und jenseits des Buchenbergs ein. Nichts wirklich Neues für den Zuhörer. Das musste auch der Experte einräumen, als er beispielsweise von Leerständen, mangelnder Anbindung an die Einkaufszentren oder den Potenzialen sprach, die in Burgsteinfurt mit der historischen Altstadt und in Borghorst mit den Planungen für den Gesundheitscampus verbunden sind. Quas: „Burgsteinfurt und Borghorst haben ihre eigene Geschichte. Beide Stadtteile bringen Mehrwert mit.“

Die Ergebnisse, die seit Ende 2019 in verschiedenen Foren und mit Online-Umfragen gewonnen worden sind, haben die Experten in ihrem Rahmenplan verarbeitet. Er enthält eine ganze Fülle von Maßnahmen mit dem Ziel, kommunale Entwicklung passgenau zu steuern. Zugleich ist er Voraussetzung, an die begehrten Fördertöpfe zu kommen.

„Einzigartig im Kern. Perspektivreich in der Region“ ist das von „complan“ entwickelte Leitbild überschrieben. „Borghorst – familiär, vital, wandelbar“ und „Burgsteinfurt – historisch, talentiert, natürlich“ bringt auf den Punkt, an welchen Eigenschaften sich die Strategien orientieren. Quaß betonte, dass es sich um ganzheitliche Ansätze handelt: „Stärken und Schwächen werden gezielt in den Fokus genommen.“ Die räumlichen, funktionalen und gestalterischen Gesetzmäßigkeiten sollen die Grundlage für die Entwicklung und Planung der kommenden Jahre bilden.

Was gemeint ist, das zeigte Quaß an ausgewählten Beispielen auf. In Burgsteinfurt gehört dazu unter anderem, die Aufenthaltsqualität des Areals rund um die Hohe Schule zu verbessern – wie das mit dem Förderprogramm „Dritte Orte“ (wir berichteten) bereits vorgeschlagen worden ist. Das ISEK empfiehlt außerdem, vom Markt bis zur Wasserstraße eine „neue alte Mitte“ durch attraktive Gestaltung und Vernetzung zu etablieren. Öffentliche Werkstätten könnten im ersten Schritt als Grundlage für einen Entwurf dienen. Wie das „Weber-Quartier“ in Borghorst könne auch der Graf-Arnold-Platz in Burgsteinfurt neue Impulse für das Innenstadtleben beispielsweise durch neues Wohnen, Arbeiten und Übernachtungsmöglichkeiten geben. Die Kirchstraßen eigne sich, studentisches Leben im Stadtkern auszuweiten, eine Verzahnung von Wilhelmsplatz und Kalkwall böte die Möglichkeit, einen grünen Boulevard zu schaffen.

Für Borghorst schlägt das ISEK ein Freiraumkonzept mit einer stadtbildprägenden und begrünten Achse vom Kirchplatz über den Roten Platz bis zum Bahnhof vor. Ein städtebauchlicher Realisierungswettbewerb soll neue Idee bringen, den Roten Platz und den Neuen Markt besser miteinander zu verbinden. Der Ausbau der Gastronomie könne mehr Frequenz bringen. Schließlich empfehlen die Stadtentwickler, ein Vermarktungskonzept aufzustellen, um Borghorst als Gesundheits- und Erholungsstandort überregional bekannter zu machen. Ganz neu ist darüber hinaus die Idee, einen sogenannten RegioHub als Modell für verbrauchernahe Versorgung und Vertrieb regionaler landwirtschaftlicher Produkte aufzubauen.

City-Management und ein „Haus- und Hofprogramm“, das dazu beiträgt, dass historische und ortsbildprägende Strukturen erhalten bleiben, geschützt und gepflegt werden, zählen zu den insgesamt 22 Maßnahmen, die gesamtstädtische Anziehungskraft verbessern soll.

Noch Fragen? Wie beschrieben, der Ausschuss musste nach so viel Input die Sache erst mal sacken lassen. Die Arbeit am ISEK geht jedoch weiter. Unmittelbar bevor besteht der Programmantrag für die Städtebaufördermittel beim Land. Bis Ende des Jahres soll dann weiter an der Umsetzung und an dem Beschlussvorschlag für die Abstimmung im Fachausschuss gearbeitet werden. Stoff für Gespräche und Diskussion gibt’s also noch ausreichend.

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