NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann spricht bei CDU-Wahlkampf-Veranstaltung
„Nicht immer neue Spielregeln“

Steinfurt -

Weihnachtsmärkte in der Coronakrise verbieten? Für Karl-Josef Laumann keine gute Idee. „Wir müssen Wege finden, um sie stattfinden zu lassen – auch mit Glühweinständen“, spricht sich der NRW-Gesundheitsminister grundsätzlich dafür aus, bei aller Vorsicht die Einschränkungen des öffentlichen Lebens möglichst klein zu halten. Grundsätzlich dürften nicht immer neue Spielregeln erlassen werden, sondern die bestehenden müssten eingehalten werden. „Absagen von Veranstaltungen ist einfach“, sagte Laumann am Sonntagmittag im Bagno-Restaurant, wo er auf Einladung der Steinfurter CDU Bilanz zur bisherigen Bekämpfung der Pandemie zog und gleichzeitig prognostizierte, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht.

Sonntag, 06.09.2020, 16:04 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 14:39 Uhr
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zeigte sich durchaus selbstkritisch. Mit dem heutigen Wissen hätte es den Lockdown im Frühjahr in dieser Form nicht gegeben, sagte der CDU-Politiker.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zeigte sich durchaus selbstkritisch. Mit dem heutigen Wissen hätte es den Lockdown im Frühjahr in dieser Form nicht gegeben, sagte der CDU-Politiker. Foto: Axel Roll

Nebenbei machte der Riesenbecker – natürlich – Wahlkampf für seine Partei und Norbert Kerkhoff als Steinfurter Bürgermeisterkandidaten der Christdemokraten. Im Anschluss moderierte der ehemalige Landrat Thomas Kubendorff eine Diskussionsrunde zu den sozialen Folgen der Coronakrise.

Auch wenn im Herbst und Winter die Gefahr eines weiteren Anstiegs der Infektionen groß ist: „Einen zweiten Lockdown wird es so nicht geben“, machte der Gesundheitsminister unmissverständlich klar. Selbstkritisch gestand er ein, dass es mit dem heutigen Wissen ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens vor einem halben Jahr nicht gegeben hätte.

Der Virus werde nicht verschwinden, warnte Laumann. Er ist aber optimistisch, dass es auf dem Weg zu einem normalen Leben Fortschritte geben werde: „Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gibt es erhebliche Fortschritte.“ Außerdem sei ein Schnelltest für „fünf bis sechs Euro“ in Aussicht, der es zum Beispiel ermöglichen könnte, Großveranstaltungen wieder stattfinden zu lassen. Schließlich nannte Laumann „sehr erfolgversprechende Entwicklungen in der Lüftungstechnik“, die die Aerosole als Virenträger unschädlich machen könnten.

Das Gesundheitssystem bezeichnete der zuständige Minister als „sehr robust“ – im Gegensatz zu anderen Ländern. Durch ein neues Meldesystem könne sein Haus jeden Tag die Zahl der vorhandenen Beatmungsgeräte und Intensivbetten abfragen. Eine der Lehren aus der Krise: „Irgendwo hat die Globalisierung ihre Grenzen.“ Schutzmasken und -kleidung sowie bestimmte Medikamente müssten wieder im eigenen Land produziert werden. Im Frühjahr habe das Kabinett innerhalb einer Viertelstunde eine halbe Milliarde Euro für den Kauf von Schutzkleidung bewilligt: „Ich war reich, konnte aber nichts kaufen.“

Die wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch, so Laumann. Die Menschen, die vor dem Ruin ständen, „die müssen wir irgendwie durch die Krise bekommen“. Die Beträge, die bislang dafür in die Hand genommen wurden, stehen seiner Einschätzung nach aber nicht noch einmal zur Verfügung. Das Land NRW habe sich 25 Milliarden Euro geliehen. „Wir müssen jetzt 50 Jahre lang jedes Jahr 500 Millionen zurückzahlen“, machte der Minister die finanziellen Dimensionen deutlich. Seine Schlussfolgerung: „Was wir hier machen, muss einfach gut gehen.“

Dass vieles gut gegangen ist, liegt nach Meinung des Christdemokraten daran, dass die Familien, die kleinsten Zellen einer funktionierenden Gesellschaft, das aufgefangen haben, das der Staat plötzlich nicht mehr regeln konnte. Pflege, Schule, Kindergarten.

Hier hakte CDU-Bürgermeisterkandidat Norbert Kerkhoff ein. „Das soziale Gefüge ist in solchen Krisen das wichtigste.“ Die Kirche sei dabei ein Stabilisierungsfaktor. Generell sei jede Krise auch eine Chance. Er selbst wolle den gesellschaftlichen Zusammenhalt vorleben.

Die Stärken der CDU fasste der Gast aus Riesenbeck routiniert zusammen: „Wir sind eine Volkspartei, die nie Klientelpolitik gemacht hat.“ Der Mensch stehe im Mittelpunkt: „Politiker mit einem christlichen Menschenbild sind gute Politiker.“ Und darum, so Karl-Josef Laumann, „würde ich natürlich Norbert Kerkhoff als Bürgermeister wählen.“ Der Applaus war ihm danach sicher.

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