Steinfurter Kunstverein stellt Werke von Jens Hunger aus
Fruchtbare Widersprüche

Burgsteinfurt -

Endlich wieder etwas zum Schauen, Staunen und Lernen. Selbst in Corona-Zeiten hat der Steinfurter Kunstverein am Sonntagmorgen eine poppige Show eröffnet. Diesmal nicht als Vernissage, sondern mit der Möglichkeit, ein Gespräch unter vier Augen mit dem Künstler Jens Hunger zu führen.

Montag, 07.09.2020, 16:24 Uhr
Jens Hunger stellt bis 3. Oktober einen Teil seiner Kunstwerk im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt aus.
Jens Hunger stellt bis 3. Oktober einen Teil seiner Kunstwerk im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt aus. Foto: Annegret Rose

Endlich wieder etwas zum Schauen, Staunen und Lernen. Selbst in Corona-Zeiten hat der Kunstverein am Sonntagmorgen eine poppige Show eröffnet. Diesmal nicht als Vernissage, sondern mit der Möglichkeit, ein Gespräch unter vier Augen mit dem Künstler Jens Hunger zu führen.

Jens Hunger lebt in Berlin, kommt aber durch unzählige Einzelausstellungen viel herum in Deutschland. Zu Recht. Seine Bilder kann man dem Surrealismus zurechnen. Eine Kunstrichtung, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist, in der sich die Künstler beispielsweise gegen zerstörenden Nationalismus gewandt haben, unter ihnen Andre Breton. Als bekanntester Vertreter gilt nach wie vor Salvatore Dali.

In Hungers farbigen Bildern bestimmt traditionell eine klare gegenständliche Bildsprache das Motiv, während der Hintergrund das Übernatürliche, Unwirkliche präsentiert. Somit entsteht ein fruchtbarer Widerspruch. „Ich setze dem Lieblichen das Ironische gegenüber, dem Ernsten das Satirische, dem Heiteren das Gruselige. Dadurch entstehen kleine Geschichten, die meine Bilder erzählen beim Betrachten“, kommentiert der Künstler.

Im Obergeschoss hängt das Bild von einer nackten Frau mit Katzenkopf, die von Affen und Katzen flankiert auf fluoreszierendem farbenprächtigem Malgrund beinahe drohend mit einem Musikinstrument posiert. Ein Albtraum oder eine Anspielung auf die Frauenbewegung von Pussy Riot? „Ironie und Satire darf wahrgenommen werden“, bemerkt der Maler im Gespräch.

Noch größere Kaliber fährt Hunger auf, wenn er sich mit dem Motiv Kindheit und Familie auseinandersetzt. Seine Kritik an einer heilen Wirklichkeit findet sich in dieser Ausstellung in einigen Arbeiten. Dazu malt er Püppchen und Teddybären, die er fein in Szene setzt, während sich der Betrachter über das im Werk lauernde Grauen gruselt. Mit dieser Ausstellung ist Steinfurt um einen Besuchsgrund reicher geworden.

Die Ausstellung mit Werken von Jens Hunger ist bis zum 4. Oktober samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt, Hahnenstraße 8, zu sehen.

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