Die Corona-Absolventen verabschiedeten sich von der Schule ohne Mottowoche und Abschlussball
Ein Abschluss ohne Happy End

Mit dem Übergang zur weiterführenden Schule stieg nicht immer unbedingt die Lust auf Lernen – vielmehr stieg die Vorfreude auf das Ende: das Abitur. Von den großen Geschwistern bekam man mit, wie schon Monate im voraus Kleider und Anzüge ausgesucht wurden, Location und Catering angeheuert wurden und am Tag der Tage die Nacht nie endete. Das alles stand schon an vielen Schulen in den zwölften Klassen und Jahrgängen, doch Mitte März kam der rapide Einschnitt. Corona entließ bundesweit die Schulklassen nach dem 13. März in die vorgezogenen Ferien. Im freundschaftlichen Umfeld – bevor der mehrwöchige Lockdown kam – wurde da schon die ein oder andere Träne verdrückt. Vier Monate nach den Prüfungen lohnt es sich, nochmal einen Blick auf diesen einzigartigen Jahrgang zu werfen und ihn zu Wort kommen zu lassen.

Donnerstag, 10.09.2020, 15:14 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 16:42 Uhr
Der Schulabschluss ging dieses Jahr aufgrund von Corona sehr leise und für viele auch enttäuschend vonstatten. Keine Feier, keine Mottowoche, wenigstens die Zeugnisvergabe fand unter strengen Auflagen statt.
Der Schulabschluss ging dieses Jahr aufgrund von Corona sehr leise und für viele auch enttäuschend vonstatten. Keine Feier, keine Mottowoche, wenigstens die Zeugnisvergabe fand unter strengen Auflagen statt. Foto: Axel Roll

 

Im Februar und Anfang März galt es noch für ziemlich unmöglich, dass die Schulen einfach schließen werden – einfach war das Ganze ja so oder so nicht. Verstärkt redete man am 13. März in den Klassenräumen über eine potenzielle Schließung, aber wirklich glauben konnte es dann noch niemand. Klar war trotzdem schon, dass die Mottowoche Ende März gestrichen werden musste und die Countdowns bis zum letzten Schultag wurden ironisch schon auf 0 vorgestellt – die große Feier blieb jedoch aus und der allerletzte Schultag war eher so, wie man sich eben einen Freitag, den 13. vorstellt. „In der Stufengruppe brach ein wenig, oder auch etwas mehr, Panik aus. Es wurden Pläne aufgestellt, die Mottowoche auf die darauffolgenden Tage zu legen, doch es war schon zu spät. Unsere Schulzeit war vorbei“, erinnert sich Madelaine Krehahn (18).

Zwölf Jahre Schule wurden somit aus dem Nichts einfach so beendet und die Chance, sich richtig von dieser Zeit, der Schule und seinen Mitschülern zu verabschieden, blieb aus.

Austauschen konnte man sich bis zum Lockdown dann zwar noch persönlich, sowie gemeinsam betrauern, dass auch die ganz große Feier, der Abiball, Gefahr läuft, abgesagt zu werden. Mit dem Beginn der Osterferien stiegen im Gegenzug für manche die Hoffnungen, dass die Prüfungen unter diesen Bedingungen gar nicht erst stattfinden. Diese Phase war wohl für viele Abiturienten extrem nervenaufreibend. Wer nicht zu sehr auf ein Durchschnittsabi setzen wollte, fing dann, mehr oder weniger motiviert, mit dem Lernen an. Durch die zusätzlichen Wochen zu Hause hatten die Schüler in den letzten Schulwochen mehr Zeit zum Lernen. Franziska Schulze Severing (18) konnte die zusätzliche Zeit gut nutzen: „Der Ausfall des Unterrichts an sich war für mich gar nicht so schlimm, weil so mehr Zeit geblieben ist, um schon für die Abiprüfungen zu lernen und im Endeffekt nach den Ferien ja auch noch ein paar Stunden nachgeholt wurden. Viel anstrengender war die Unsicherheit, ob die Prüfungen dieses Jahr ausfallen oder nicht.“ Trotzdem sahen viele sich einigen Herausforderungen gegenüber. Lernen, wenn einem gleichzeitig die Decke auf dem Kopf fällt, ist nicht immer so einfach. Sich mit Freunden über noch nicht Verstandenes auszutauschen, ging für längere Zeit auch lediglich über soziale Netzwerke. Den Frust, wenn es immer noch nicht ganz so klappte, wie es doch eigentlich sein sollte, bekam wenn dann nur die Familie zu spüren. „Meistens kam es wahrscheinlich echt darauf an, wie man schon davor am liebsten lernte und „was für ein Lerntyp man ist“, denkt Madelaine.

Die Politik hat die Abiturienten dazu noch sehr lange im Unklaren gelassen. Aussagen wurden regelmäßig wieder verworfen. Das hat vielen wohl die ohnehin schon meist wenig vorhandene Lernmotivation komplett geraubt. Am 23. März gab Schulministerin Gebauer schließlich bekannt, dass die Prüfungen von ursprünglich Ende April auf Mitte Mai verschoben werden.

Kurz bevor die Prüfungstage dann immer näher rückten, wurde die letzte Stufe nochmal in die Klassenräume zurückgeholt. In einigen Fächern wurde die ein oder andere Frage geklärt, Blockaden zu lösen, erwies sich bei den meisten allerdings als schwierig. Auch wenn sich vieles manchmal doppelt so anstrengend angefühlt hat, die Prüfungen waren doch wie es in den anderen Jahren schon immer gesagt wurde – gar nicht so schlimm wie gedacht. Auch die Abstands- und Hygieneregeln sowie ungewöhnliche Prüfungsräumlichkeiten – die Mensa des Gymnasium Borghorsts ist da nur ein Beispiel – störten im Endeffekt die Wenigsten.

Durch sich immer weiter zuspitzende Einschränkungen und eine zunehmend ernstere Lage wurde nach und nach jedem bewusst, dass der Traum vom lang ersehnten Abiball wohl auch platzen wird. „Eine Mottowoche erlebt man nur einmal in seinem Leben. Genauso ist es mit dem Abiball. Diese einmaligen Erlebnisse, von denen man wahrscheinlich noch viele Jahre erzählen würde, hätte ich auch gerne gehabt.“ So beschreibt Emily Drude (18) die Situation. Ob die schicken Kleider und Anzüge doch noch aus dem Schrank hervorgeholt werden können und eine Abifeier nachgeholt wird, steht noch in den Sternen. Dieselbe Freude und Euphorie wie es in den letzten Jahren immer der Fall war, wird sie wohl aber nicht mehr hervorrufen können. „Es ist extrem schade, dass man keinen richtigen Abschied mit er Schule finden konnte und man am letzten Schultag nicht einmal wusste, dass es der letzte war“, schildert Franziska.

„Ich trauere auch insbesondere den 18. Geburtstagen, den Partys und den ganzen Treffen mit der Stufe und in kleineren Gruppen nach. In den letzten und nächsten Monaten haben viele eine Ausbildung/FSJ etc. begonnen, viele gehen noch studieren. Da verliert man sich sehr schnell aus den Augen“, fasst Madelaine für sich zusammen.

Um den Schulabschluss nicht ganz unbeendet zu lassen, wurde nach Lösungen für eine möglichst festliche Zeugnisvergabe gesucht. Sowohl dem Gymnasium Borghorst als auch dem Gymnasium Arnoldinum gelang es, eine Möglichkeit zu finden, die Coronaschutzmaßnahmen und eine festliche Zeugnisvergabe unter einen Hut zu bringen und zumindest dem Worst-Case-Szenario aus dem Weg zu gehen, die Reifezeugnisse den Absolventen per Post zuzusenden.

 

Imke Rüße &

Luca Hannah Roters

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