Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt stellt sich konzeptionell und personell neu auf
Den Horizont erweitern

Burgsteinfurt -

Nach nunmehr 13 Jahren des Bestehens steht die Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt vor sowohl inhaltlichen als auch personellen Veränderungen. Im Gespräch mit der Redaktion stellten die Mitglieder Oliver Löpenhaus und Lina-Sophie Hentzschel die Ideen einer künftigen Vereinsentwicklung vor. Zugleich rührten beide die Werbetrommel für neue Mitglieder.

Freitag, 11.09.2020, 18:27 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 18:30 Uhr
Lina-Sophie Hentzschel auf dem jüdischen Friedhof an der Gerichtstraße: Die Initiative will sich auch künftig gegen den Verfall und damit gegen einen Geschichts- und Gesichtsverlust einsetzen.
Lina-Sophie Hentzschel auf dem jüdischen Friedhof an der Gerichtstraße: Die Initiative will sich auch künftig gegen den Verfall und damit gegen einen Geschichts- und Gesichtsverlust einsetzen. Foto: Schippers

„Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Eingedenk dieser Aussage des Kölner Künstlers Gunter Demnig ist es der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt seit ihrer Gründung im Jahr 2007 ein Anliegen, das Gedenken an die jüdischen Mitbürger und ihr Schicksal in der NS-Zeit wachzuhalten. Wichtigster Baustein dabei sind neben der Erstellung einer historischen Dokumentation jüdischer Familien in Burgsteinfurt und der Organisation der jährlichen Gedenkfeier zur Pogromnacht am Standort der früheren Synagoge die bekannten Stolperstein-Verlegungen, bei der genannter Künstler schon mehrfach in Steinfurt zu Gast war. Zudem setzte sich die Initiative zuletzt verstärkt für den Erhalt des jüdischen Friedhofs an der Gerichtstraße ein.

Nach nunmehr 13 Jahren des Bestehens steht die Gruppierung vor sowohl inhaltlichen als auch personellen Veränderungen. Mit Barbara Wachsmuth-Ritter und Ursula Kunze ziehen sich zwei Mitglieder aus verantwortlicher Position zurück, die das Gesicht der Initiative über Jahre maßgeblich geprägt haben. Oliver Löpenhaus, neben Lina-Sophie Hentzschel einziges verbliebenes aktives Mitglied, sieht den Rückzug als Chance für einen Neuausrichtung. „Bislang war die Vereinsarbeit doch noch stark von der Gründergeneration geprägt, diese wollen wir auf neue, breiter angelegte und gerne auch jüngere Füße stellen“, kündigt der 45-jährige Burgsteinfurter an.

Gerade Letzteres unterstreicht Lina-Sophie Hentzschel. Die 19-jährige Ochtruperin ist vor zwei Jahren als damalige Schülerin der Oberstufe des Gymnasiums Arnoldinum über besagte Pogrom-Gedenkfeier zur Initiative gestoßen. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von rechtsradikalem Gedankengut ist es ihr ein Anliegen, durch eigene Information und Aufklärung aktiv dagegen anzugehen, sagt die junge Frau.

Gemeinsam – und gerne auch mit weiteren Mitstreitern, von denen erste schon geworben worden sind – möchte das Duo der Vereinsarbeit neue Inhalte geben. Dazu steht zunächst die Gründung eines eingetragenen Vereins auf der To-Do-Liste. „Wir glauben, dass das der richtige Weg ist, um sich breiter aufzustellen und auch bei anderen Projekten besser mitarbeiten zu können“, sagt Oliver Löpenhaus und hebt dabei beispielsweise auf das Förderprojekt „Dritter Ort ehemalige jüdische Schule“ oder den kürzlich neu entstandenen Förderverein Stadtentwicklung ab.

Parallel will sich die Initiative konzeptionell weiterentwickeln. „Wir wollen nicht nur speziell die Judenverfolgung aufarbeiten und daran erinnern, sondern den Blick auch auf andere verfolgte Gruppierungen in der NS-Zeit richten“, kündigt Lina-Sophie Hentzschel an. Konkret seien damit Minderheiten wie Sinti und Roma oder die Zeugen Jehovas gemeint. Beide wurden während der nationalsozialistischen Diktatur erbarmungslos verfolgt.

Als zeitnahe konkrete Projekte hat die Initiative neben der Gründung eines e.V. die Aufstellung von Infotafeln mit dem Charakter historischer Schaufenster an solchen Stellen auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Burgsteinfurt im Fokus, an denen sich jüdisches Leben besonders abgespielt oder jüdische Mitbürger prägend gewirkt haben.

Vorgesehen sind die Standorte Graf-Arnold-Platz (früherer Standort des Gymnasiums Arnoldinum mit ehemals vielen jüdischen Schülern), Kautenstege (Synagogen-Standort), Baumgartenplatz (Zentrum des jüdischen Viehhandels), Europaring (Standort der alten, von Juden mitgegründeten Stadtsparkasse) sowie alter und neuer jüdischer Friedhof. Finanziert wird das Projekt aus dem Heimatförderung-Programm des Landes, konkret mit dem Instrument „Heimatscheck“. „Wir werden die Tafeln noch in diesem Jahr aufstellen“, kündigte Löpenhaus an.

Ebenfalls auch noch in diesem Jahr will die Initiative eine überarbeitete und aktualisierte Version der 2013 herausgegebenen Stolpersteine-Dokumentation auflegen. Löpenhaus: „Sie ist zu 80 Prozent fertig und wird zum Selbstkostenpreis in den Buchhandel kommen.“ Apropos Überarbeitung: Diese wird auch die Website erfahren, so Lina-Sophie Hentzschel, die sich diese Aufgabe auf die Fahnen geschrieben hat.

 

Wer Interesse hat, bei der Initiative Stolpersteine ehrenamtlich mitzuarbeiten, kann sich per E-Mail an Oliver Löpenhaus (info@stolpersteine-burgsteinfurt.de) oder Lina-Sophie Hentzschel (hentzschel@stolpersteine-burgsteinfurt.de) wenden. Zusätzlich ist Oliver Löpenhaus telefonisch unter 01 51/46 61 41 21 erreichbar.

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