Familie Kolthof setzt auf Direktvermarktung
Hofladen-Gründung in Corona-Zeiten

Burgsteinfurt -

Regionale Produkte sind gefragt. Im Idealfall wollen die Menschen Lebensmittel sogar direkt beim Erzeuger kaufen. Diesen Trend zur Direktvermarktung hat sich die Landwirtsfamilie Kolthof zunutze gemacht. Im März hat sie einen Laden auf ihrem Hof in Sellen eröffnet.

Freitag, 25.09.2020, 10:12 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 12:31 Uhr
Bringen in ihrem Hofladen in Sellen eigene landwirtschaftliche Erzeugnisse und die von Kooperationspartnern an den Verbraucher: Birgit Kolthof (l.) und ihre Tochter Ramona.
Bringen in ihrem Hofladen in Sellen eigene landwirtschaftliche Erzeugnisse und die von Kooperationspartnern an den Verbraucher: Birgit Kolthof (l.) und ihre Tochter Ramona.

Unter welchen Bedingungen ist das Hähnchen aufgewachsen, dessen Fleisch auf dem Grill brutzelt? Woher stammt der Käse, der auf dem Frühstücksbrötchen liegt? Immer mehr Menschen legen Wert darauf, möglichst viele Informationen über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erhalten. Im Idealfall wollen sie Produkte beim Erzeuger selbst kaufen. Diesen Trend zur Direktvermarktung hat sich die Landwirtsfamilie Kolthof zunutze gemacht. Im März hat sie einen Laden auf ihrem Hof in Sellen eröffnet.

Hähnchen sind der Renner 

„Unsere Produkte erfreuen sich einer hohen Nachfrage, vor allem das Hähnchenfleisch geht sehr gut“, ziehen Birgit Kolthof und ihre Tochter Ramona, die beide als Verkäuferteam den Laden betreuen, nach dem ersten halben Jahr des Bestehens ein positives Fazit. Nicht selbstverständlich, startete der Hofladen doch zeitgleich mit der Corona-Krise. Das Geschäft trage sich bereits, inwieweit es sich zu einem Standbein des landwirtschaftlichen Betriebes entwickeln wird, müsse allerdings noch abgewartet werden. „Das Ganze muss sich noch weiterentwickeln, aber der Trend ist unverkennbar da“, zeigen Mutter und Tochter viel Zuversicht.

Das liegt, wie gesagt, vor allem an dem „Renner“ im Sortiment, das Hähnchenfleisch. Die Junghähnchen beziehen die Kolthofs von einem Kooperationspartner, dem Geflügelhof Frohoff-Hülsmann aus Wettringen. Die Tiere werden in mobilen Ställen mit Freilandhaltung groß, ehe sie geschlachtet werden. Die gute Qualität des Fleisches hat sich herumgesprochen. „Wir haben mittlerweile Kunden, die aus vielen Orten des Kreises Steinfurt oder sogar aus Münster stammen“, berichtet Birgit Kolthof. Die Corona-Krise habe die Nachfrage nochmals erhöht, sagt Tochter Ramona mit Blick auf die Infektionsausbrüche bei Westfleisch und Tönnies im Frühsommer. Man arbeite viel mit Vorbestellungen, der Vorlauf beträgt teils rund einen Monat. In dieser Woche beispielsweise erwartet die Landwirtsfamilie wieder eine Lieferung neuer Hähnchen – rund 500 an der Zahl. „Es ist schon der dritte Durchgang in diesem Jahr“, berichtet Birgit Kolthof.

Kooperation mit anderen regionalen Anbietern

Um neben der selbst gemachten Marmelade und aktuell Obst oder Walnüsse aus eigener Produktion noch weitere Lebensmittel anbieten zu können, sind die Kolthofs Kooperationen mit weiteren regionalen Produzenten eingegangen. Eingelegtes beispielsweise wie Gurken, Paprika oder Rote Beete stammen vom Hofladen Austermann aus Warendorf, Nudeln und Eier vom Geflügelhof Althues aus Rosendahl und Käse und Milcheis vom Milchhof Oskamp in Laer – allesamt klingende Namen in der Branche, die für Bio-Produkte hoher Qualität stehen.

Das Bio-Eis vom Hof Oskamp wollen die Kolthofs übrigens im kommenden Jahr auch direkt an der Radbahn anbieten, die nah des Hofes verläuft. In einem Automaten mit Verweilmöglichkeit nebenan.

Laden war Sprung ins kalte Wasser

Der Hofladen sei am Anfang schon ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, räumen Mutter und Tochter ein. Zumal der Umbau des ehemaligen Melkstalles zum Verkaufsraum und die Anschaffung der Ausstattung eine große Investition bedeuten. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, habe die Devise gelautet. Landwirtschaft bedeute, sich immer wieder auch veränderten Marktgegebenheiten anzupassen. Die Direktvermarktung sei dabei ein guter Weg.

Ein Weg, der vor vielen Jahren übrigens schon ein Mitglied der Familie gegangen ist: Birgit Kolthofs Schwiegervater verkaufte noch bis in die 1970er-Jahre Äpfel von den hofeigenen Plantagen, die dort standen, wo sich heute der Betrieb Walki befindet. Als „Appelhof“ hatte der Hof Kolthof damals hohen Bekanntheitsgrad. An den früheren Erfolg will die Nachfolge-Generation nun anknüpfen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7600474?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker