Maisernte in der Steinfurter Landwirtschaft läuft auf Hochtouren
Eine Raubkatze, die Kolben frisst

Steinfurt -

Energiegeladen ist er – und steht auf einzelnen Äckern mehr als drei Meter hoch: Die Ernte auf den Maisfeldern in Steinfurt läuft derzeit auf vollen Touren. Die WN schauten beim Häckseln der für die heimischen Landwirte so wichtigen Tropenfrucht zu.

Freitag, 25.09.2020, 16:22 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 16:33 Uhr
Fürs gemeinsame Foto mit dem LOV-Vorsitzenden Henning Stoyke (r.) vor dem „Jaguar“ macht Häcksler-Fahrer Udo Wensing auch mal eine kurze Erntepause.
Fürs gemeinsame Foto mit dem LOV-Vorsitzenden Henning Stoyke (r.) vor dem „Jaguar“ macht Häcksler-Fahrer Udo Wensing auch mal eine kurze Erntepause.

Energiegeladen ist er – und mehr als drei Meter hoch: Erntereif steht der Mais auf dem Acker in Sellen nahe der Kreuzung „Engels Pumpe“. Nach vielen Sonnenstunden, in denen sich die Kolben prächtig entwickelt haben, kommt er nun unters Messer. Wobei das noch untertrieben klingt: Das Schneidwerk des Häckslers, in dessen Kabine Fahrer Udo Wensing fast schon wie ein König thront, wirkt wie ein furchteinflößendes Gebiss. „Jaguar“ heißt die mehr als 500 PS starke Maschine eines bekannten Herstellers aus dem Ostwestfälischen denn auch ziemlich treffend. Reihe um Reihe des künftigen Silomaises frisst das stählerne High-Tech-Gerät in sich hinein.

Für Wensing ist die Maisernte die schönste Zeit des Jahres. „Schon seit der Jugendzeit bin ich mit dabei, wenn die Ernte eingebracht wird“, sagt der Burgsteinfurter. Er nimmt sich sogar Urlaub, damit er den Häcksler der Firma Bieker fahren darf. Das nennt man dann wohl Leidenschaft. Aber auch Technikbegeisterung spielt eine Rolle. Der „Jaguar“, der auf dem Acker des Hofes Kolthof seine Runden zieht, ist vollgestopft mit moderner Elektronik. Die Kabine vollklimatisiert, das Schneidwerk mit automatischer Nachschärfung und, falls gewünscht, eine Automatiklenkung, gehören zu den Ausstattungs-Highlights der „Raubkatze“. Wensing indes ist ein eher konservativer Häckslerfahrer, zieht seine Bahnen lieber händisch-konventionell. Rund zwei Hektar pro Stunde sind als Ernteleistung locker drin – da staunt der Laie.

Als perfekt kann man dabei das Zusammenspiel mit den Traktorfahrern bezeichnen. Exakt parallel und immer im gleichen Tempo fahren sie neben dem Häcksler, immer darauf bedacht, dass der Hänger, den sie hinter sich herziehen, optimal mit Häckselgut befüllt wird. Anschließend geht es zum Fahrsilo auf dem Hof Kolthof, wo Landwirt Rolf Kolthof schon mit einem Traktor bereitsteht, um die Silage zu verdichten. Der Ernteablauf ist wie ein Kreislauf, der präzise abläuft und bei dem jeder weiß, was er zu tun hat. Zwischenfälle gibt es selten, aber sie kommen vor. „Gestern hatte ich einen Reifenplatzer an der Hinterachse, der aber zum Glück schnell repariert werden konnte“, merkt Wensing an, der sich jetzt auf seine Mittagspause freut. Die Frauen auf dem Hof Kolthof haben ein deftiges Menü vorbereitet – auch das gehört bei der Ernte dazu.

Noch bis Ende kommender Woche werden die Häcksler häckseln, was das Zeug hält und die Traktoren mit den gut gefüllten Hänger über Feldwege und Landstraßen rollen – dann wird die Maiskampagne für dieses Jahr weitgehend abgeschlossen sein. Zeit für ein Resümee. Henning Stoyke, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Burgsteinfurt, spricht von einer durchschnittlichen Ernte. Dass die Tropenfrucht auf den Steinfurter Äckern vor allem im Vergleich zu den beiden Vorjahren, als große Hitze herrschte, so gut gedeihen konnte, liege daran, dass intervallmäßig in diesem Jahr immer mal wieder Niederschlag gefallen sei. Vor allem im Mai und Juni habe der Mais gute Wachstumsbedingungen gehabt. Natürlich gebe es je nach Bodenverhältnissen auch Unterschiede, aber insgesamt könnten die Landwirte nach den Dürrejahren 2018 und 2019 wieder etwas durchatmen. „Insbesondere im vergangenen Jahr mussten viele Futter zukaufen, das ist ins Geld gegangen“, blickt Stoyke zurück.

Und wie sieht es beim Getreide aus? „Unterdurchschnittlich“, resümiert der LOV-Vorsitzende und gibt als Grund an, dass es in der Phase, in der die Pflanzen Nährstoffe aus der Düngung aufnehmen, zu wenig Niederschlag gegeben hatte.

Sorgen bereitet auch den Steinfurter Landwirten die Afrikanische Schweinepest. „Wir hoffen auf eine Regionalisierung des Importstopps asiatischer Länder“, so Stoyke. Die Nachfrage aus Fernost sei gegeben, da die dortigen Märkte weitgehend geschlossen seien.

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