Ausstellung im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum eröffnet
Arbeiten entstehen nebeneinander

Borghorst -

In der Ausstellung „un builtMIES dialogueNEUY, verborgene Transparenz“, die das Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum zeigt, sind sich der Münsteraner Professor Kazu Blumfeld Hanada und der Steinfurter Architekt Christoph Achterkamp nahe gekommen, ohne dass ein abgesprochenes Konzept bestand. Ihre Arbeiten entstanden sozusagen nebeneinander. Die Ausstellung wurde jetzt eröffnet.

Montag, 28.09.2020, 09:39 Uhr
An der Ausstellung „un builtMIES dialogueNEUY, verborgene Transparenz“
An der Ausstellung „un builtMIES dialogueNEUY, verborgene Transparenz“ Foto: Anne Rose

Manchmal passt es einfach. In der Ausstellung „un builtMIES dialogueNEUY, verborgene Transparenz“, die das Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum zeigt, sind sich der Münsteraner Professor Kazu Blumfeld Hanada und der Steinfurter Architekt Christoph Achterkamp nahe gekommen, ohne dass ein abgesprochenes Konzept bestand. Ihre Arbeiten entstanden sozusagen nebeneinander. Trotz Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war die Vernissage international gut besucht.

Der an der Münster School of Architecture lehrende Professor Blumfeld Hanada forscht über Mies van der Rohe, von dem der Borghorster Künstler Heinrich Neuy am Bauhaus in Dessau von 1930 bis 1932 unterrichtet wurde. Beide hinterließen eine Anzahl von ungebauten Werken, allerdings geprägt durch unterschiedliche Lebenssituationen. Diese wurden ihnen zum Teil aufgezwungen. Einerseits durch die geistige Emigration während des Faschismus und andererseits durch Lebensumstände nach dem Krieg.

Die Idee zu einer Ausstellung über architektonische Skizzen von Heinrich Neuy hatten Hedwig Seegers und Claudia Seeger. Dabei wurden sie aufmerksam auf Professor Kazu Blumfeld Hanada. Er arbeitet mit Studenten an den ungebauten Plänen von Mies van der Rohe in den 20er- und 30er-Jahren.

Kein direkter Zusammenhang

Inzwischen war auch der „architektTour“-Führer von Christoph Achterkamp erschienen, der auf den Spuren von Bauten, die der Bauhaus-Idee nahe stehen, Touren entwickelte. Dazu gibt es drei Routen durch Steinfurt, Münster, Ochtrup und Rheine. Obwohl kein direkter Zusammenhang zwischen beiden Ausstellenden besteht, liegen die Wurzeln in der Beeinflussung von Heinrich Neuy durch Mies van der Rohe. Natur, Licht und Durchlässigkeit von Räumen waren ein gemeinsamer Nenner. In den entscheidenden Jahren des Nationalsozialismus, die sie ins Exil trieb, dachten und arbeiteten sie weiter. So entwarf Mies van der Rohe drei Hochhäuser hinter Mauern, die trotz der sie umgebenden Abgeschlossenheit lichtdurchflutet mit großen Fenstern eine Durchsichtigkeit verhießen.

Auch Heinrich Neuy wollte bauen, aber in den ersten Jahren nach dem Krieg kamen seine Entwürfe in Steinfurt nicht an. Dazu Hedwig Seegers: „Er liebte die Architektur und hätte am liebsten so gearbeitet. Aber da er es nicht konnte – alles wurde abgelehnt – hat er ‚Häuser‘ entworfen, die waren wie Bilder und wurden von den Kunden dann auch aufgehängt. Aber jeder Architekt könnte mit diesen Zeichnungen heute ein Haus erstellen.“

Gesellschaftliche Veränderungen werden spürbar

Vielleicht hat es auch der ein oder andere getan, jedenfalls sind Spuren durch Achterkamps Radführer gefunden worden. Mies van der Rohe fand ebenfalls nicht für alle Entwürfe Abnehmer. Im ersten Stock des Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museums zeigt Professor Hanada mit seinen Studenten als Welturaufführung sogar Modelle von nicht gebauten Vorlagen Mies van der Rohes und Heinrich Neuys.

Als in die Zukunft weisende These wies Professor Hanada darauf hin, dass nach der Pandemie gesellschaftliche Veränderungen spürbar würden. Diese hätten Wirkung auf das Zusammenleben und Wohnen der Menschen. Bemerkbar dafür sei der Wunsch vieler Menschen, der Natur wieder näher zu kommen. Diese feinsinnige und vielschichtige Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2021 im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum an der Kirchstraße 5 zu sehen.

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