Bernhard Grewe lässt auch mit 76 Jahren das Erfinden nicht
Wie die Unruh im Uhrwerk

Borghorst/Altenberge -

Bernhard Grewe lebt schon über 50 Jahre in der Schweiz. Seine Wurzeln hat der Uhrmacher aber nie vergessen. Die liegen im Münsterland. Der heute 76-Jährige ist in Altenberge geboren, in Borghorst absolvierte er seine dreieinhalbjährige Ausbildung bei Hans Hülsey, dem Gründer des Uhrenfachgeschäftes am Roten Platz.

Montag, 28.09.2020, 17:10 Uhr
Bernhard Grewe mit seinem Präzisionsmessgerät für Uhren, mit dem die Dichtigkeit überprüft werden kann. Die erste Erfindung dieser Art machte er Ende der 60er Jahre.
Bernhard Grewe mit seinem Präzisionsmessgerät für Uhren, mit dem die Dichtigkeit überprüft werden kann. Die erste Erfindung dieser Art machte er Ende der 60er Jahre.

Danach folgten weitere berufliche Stationen in Münster und Pforzheim, ehe es Bernhard Grewe endgültig ins Land der Eidgenossen verschlug. Dort schloss der Uhrmacher heute genau vor 50 den Bund der Ehe mit Ehefrau Maria-Luisa.

Andere Menschen in seinem Alter genießen den Müßiggang und die eigene Familie. Bernhard Grewe ist da eher wie die Unruh in einem Schweizer Qualitätswerk: immer in Bewegung. Er macht das, was er in der Hülseyschen Werkstatt in Borghorst gelernt hat. Das Herumtüfteln an allem, was nur im entferntesten mit Uhrwerken zu tun hat. Diese Gabe, die der gebürtige Altenberger schon im zarten Alter von acht Jahren bei sich entdeckte, da wollte er nämlich schon das Uhrmacherhandwerk erlernen, hat dem Wahl-Schweizer schon so einige Patente eingebracht. Das letzte hat er im Dezember 2019 eingereicht.

Dass es einen Uhrmacher in die Schweiz zieht, dem Mekka der Uhrenindustrie, ist für einen Gesellen dieses Fachs nicht Ungewöhnliches. „Ich wollte die Feintechnik und die Anfertigung der gehobenen Schweizer Qualitätsuhren kennenlernen“, erläutert der gebürtige Altenberger. Dazu hatte er in der Chronometer-Abteilung des Premium-Herstellers Omega aus Biel reichlich Gelegenheit. Grewes Aufgabe war es, bei neuen Uhren, die nicht so liefen wie sie sollten, auf Fehlersuche zu gehen.

Als die Quarzuhren dem traditionellen Handwerk das Leben schwer machten, wollte Grewe zurück in die Heimat und sich mit einem eigenen Geschäft selbstständig machen.

So weit kam es aber nicht. Der findige Uhrmacher bekam 1969 das Patent für einen Wasserdichtetester bei Armbanduhren, der das nicht mit Wasser, sondern mit Pressluft machte. Dadurch konnten die Uhren sehr viel schneller, präziser und schonender auf Undichtigkeiten geprüft werden. Gebaut wurden die Geräte in der eigenen Firma, mit deren Name Bernhard Grewe seinem Geburtsort ein Denkmal setzte: Begral – Bernhard Grewe Altenberge.

Es folgten zahlreiche weitere Erfindungen. Zum Beispiel ein Gerät zur Überprüfung der Ganggenauigkeit von Quarzuhren. Oder „Marine“. Das ist so etwas wie das Lebenswerk von Bernhard Grewe. Mit der Apparatur lässt sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Uhr Kondenswasser bildet, feststellen.

Mit seinen Präzisionsmessgeräten war Greiwe jedes Jahr auf der größten Uhrenmesse der Welt, der „Baselworld“ vertreten. Schließlich ist es mit dem Erfinden nicht getan, sondern die Geräte müssen auch an den Mann gebracht werden. Mittlerweile stehen die von Grewe entwickelten Geräte in nahezu allen Uhrenfabriken der Welt. „Im Durchschnitt sind sieben Prozent der geprüften Uhren undicht“, weiß Grewe aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung. Mit seinen ersten Geräten konnte er bis 20 Meter Wassertiefe prüfen. Heute kann er Drücke simulieren, die in 400 Metern Tiefe herrschen.

Wie sehr er dem Münsterland noch Paohl hält, lässt sich an der Tatsache erkennen, dass Bernhard Grewe nach wie vor seinen deutschen Pass hat. Obwohl die Schweizer ihm die Einbürgerung schon lange ermöglicht hätten. Zwischenzeitlich hatte er schon mit dem Gedanken gespielt, zurück ins Münsterland zu kommen. Das hat er mit Rücksicht auf Frau Maria-Luisa, seine Kinder und Enkel nicht getan.

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