Kanalsanierung in der Burgsteinfurter Altstadt
Mit Glasfaser gegen Materialrisse

Burgsteinfurt -

Wer regelmäßig in der Burgsteinfurter Altstadt unterwegs ist, dem werden sie nicht entgangen sein: Die olivgrünen Fahrzeuge der Firma Geiger. Seit gut zwei Wochen sind Mitarbeiter des auf Kanaltechnik und -sanierung spezialisierten Unternehmens aus Bochum im Auftrag der Stadt damit beschäftigt, die Abwasserkanäle im Dreieck Stein-, Löffel- und Leerer Straße sowie in der Bismarckstraße fit für die Zukunft zu machen. Eine vorangeschaltete Kamerabefahrung hatte ergeben, dass es Sanierungsbedarf gibt.

Donnerstag, 01.10.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 14:22 Uhr
Allzu zimperlich darf ein Kanalsanierer nicht sein: Ein Mitarbeiter der Firma Geiger prüft in einen Schutzoverall gehüllt die richtige Lage des einzubringenden Glasfasergewebes.
Allzu zimperlich darf ein Kanalsanierer nicht sein: Ein Mitarbeiter der Firma Geiger prüft in einen Schutzoverall gehüllt die richtige Lage des einzubringenden Glasfasergewebes. Foto: rs

Wer regelmäßig in der Burgsteinfurter Altstadt unterwegs ist, dem werden sie nicht entgangen sein: Die olivgrünen Fahrzeuge der Firma Geiger. Seit gut zwei Wochen sind Mitarbeiter des auf Kanaltechnik und -sanierung spezialisierten Unternehmens aus Bochum im Auftrag der Stadt damit beschäftigt, die Abwasserkanäle im Dreieck Stein-, Löffel- und Leerer Straße sowie in der Bismarckstraße fit für die Zukunft zu machen. Eine vorangeschaltete Kamerabefahrung hatte ergeben, dass es Sanierungsbedarf gibt.

So auch in der Steinstraße, wo die Männer von Bauleiter Erdal Kara derzeit tätig sind. „Die Kanalbauarbeiter haben seinerzeit einen hervorragenden Job gemacht, aber irgendwann zeigt auch der beste Kanal Alterungserscheinungen“, sagt Kara. Beim speziellen Objekt, 1928 in so genannter Ei- also ovaler Form gebaut, zeigt sich dies nicht nur Form von Rissen. Der Zahn der Zeit macht sich vor allem auch an Undichtigkeiten im Übergang der einzelnen Rohrelemente bemerkbar.

Die Lösung, mit der die Fachfirma das Problem angeht, heißt Inliner. Dabei wird ein mit Kunstharz beschichtetes Glasfasergewebe spiralförmig überlappend in den Kanal eingebracht und anschließend per UV-Licht verhärtet, erklärt der Bauleiter. „Das stärkt die Kanalstatik und hält mindestens für die kommenden 50 Jahre“, weiß Niels Heermann, Fachdienstleiter Tiefbau in der Stadtverwaltung. Regelmäßig untersuche die Stadt ihr Kanalnetz, ergänzt Stefan Overberg, der im Fachdienst die Abteilung Entwässerung und Kanalbau leitet. Jährlich kommen rund 20 Kilometer zusammen.

Das Inliner-Verfahren, also das Auskleiden des Kanals mit haltbaren Materialien, bietet Vorteile, weil es nicht mit einem Aufreißen der Straße verbunden ist. „Die Geschäfte hier in der Innenstadt bleiben erreichbar, zudem gibt es weniger Lärmbelästigung für die Anwohner“, betont Stefan Overberg. „Im offenen Kanalbau wäre der Aufwand in diesem Fall auch deshalb besonders hoch, weil viel Kopfsteinpflaster verlegt ist“, führt Niels Heermann einen weiteren Aspekt an. Finanziell ist das sich im Tiefbau immer größerer Beliebtheit erfreuende Sanierungsverfahren umso mehr im Vorteil gegenüber der offenen Variante, je tiefer der Kanal liegt.

Vor dem Auslegen des Inliners haben die Kanalbauarbeiter der Firma Geiger alle Unebenheiten innerhalb des Kanals, so zum Beispiel überstehende Einlässe von Hausanschlüssen oder Kalkablagerungen in der Sole, abgefräst sowie Hohlräume verpresst.

Darauf aufbauend kann dann peu á peu die Auskleidung erfolgen. Die meiste Zeit beansprucht die Aushärtung. Dazu wird eine fahrbare Lichterkette in den betreffenden Abschnitt eingebracht. Gleißend helles UV-Licht lässt den Kunstharz hart werden. „Dabei können im Kanal kurzzeitig auch schon mal Temperaturen in einer Größenordnung von über 100 Grad entstehen“, weiß Erdal Kara. Rund 100 Meter am Tag schaffen die Arbeiter.

Kara bittet die Anwohner der Sanierungsstraßen, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen, wenn in ihrem Abschnitt saniert wird. Der Grund liegt auf der Hand: Für die Zeit des Auskleidens sind die Nebenanschlüsse geschlossen, sie werden erst nach dem Aushärtungsprozess wieder geöffnet.

Bis Ende Oktober soll die Kanalsanierung in der Burgsteinfurter Altstadt abgeschlossen sein – auch eine Sanierung der Schächte ist eingeschlossen. Auf die solide Arbeit der Kanalbauer der 1920er-Jahre wird so für ein weiteres halbes Jahrhundert aufgebaut – mindestens. Übrigens und im Gegensatz zu den Hausanschlüssen ohne weitere Kosten für die Anlieger. „Die Kosten in Höhe von rund 350 000 Euro werden über die Abwassergebühren gedeckt“, so Fachdienstleiter Heermann.

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