42 Jahre Greenkeeper beim Golfclub Münsterland
Rudi sagt tschüss

Burgsteinfurt -

Dass es Liebe auf den ersten Blick war, das kann Rudi Rüße nicht unbedingt sagen. Die erste Runde, die er vor fast 43 Jahren mit Gerd Robrook über den Golfplatz drehte, war nass und kalt. Und was der damalige Greenkeeper so über den Job erzählte, hörte sich jetzt auch nicht so übermäßig spannend an. Darum musste Robrook nach den vereinbarten sechs Wochen Bedenkzeit nochmal kräftig nachbohren. Erst dann sagte Rüße zu.

Donnerstag, 15.10.2020, 15:58 Uhr
Rudi Rüße sagt tschüss: Nach zweiundvierzigeinhalb Jahren nimmt der Greenkeeper Abschied vom Golfplatz im Bagno – schweren Herzens.
Rudi Rüße sagt tschüss: Nach zweiundvierzigeinhalb Jahren nimmt der Greenkeeper Abschied vom Golfplatz im Bagno – schweren Herzens. Foto: Axel Roll

Damals, es war im Frühjahr 1978, hätte der Hollicher Nebenerwerbslandwirt nie damit gerechnet, dass seine Entscheidung Grundlage für eine sehr lange und innige Beziehung werden würde. So innig, dass der heute 69-Jährige nur schwer vom Platz, seinen Kollegen und den Mitgliedern des Golfclubs Abschied nehmen kann. Nach zweiundvierzigeinhalb Jahren sagt Rudi Rüße tschüss. „Irgendwann ist es halt so weit“, zuckt der frischgebackene Rentner mit den Schultern.

Ende der 1970er Jahre war mit dem Milchvieh, das Rudi Rüße auf dem Hof in Hollich hielt, nicht mehr viel Geld zu verdienen. „Darum suchte ich einen Job“, erzählt er. Durch Zufall kam er da mit dem damaligen Chef-Gärtner vom Golfclub, der ebenfalls in Hollich wohnte, ins Gespräch. „Da wusste ich noch nix über Golf oder den Club“, lacht Rüße.

Von der Landwirtschaft hatte er aber ganz große Ahnung – und war damit für den Beruf des Greenkeepers wie gemacht. Das heißt, genau genommen kam das mit dem Greenkeeper erst ein paar Jahre später. Agrartechnische Schulen boten diese Zusatzausbildung an, der Verein überlegte damals, einen solchen Experten einzustellen. „Da habe ich mir dann überlegt: Den Lehrgang belegst Du selber.“ Und als der Vorstand grünes Licht gegeben hatte, fuhr Rudi Rüße Richtung Kempen und machte dort seinen Greenkeeper-Schein. „Damals gab es noch einen Blumenstrauß, weil ich der 300. Greenkeeper in Deutschland war“, erinnert er sich.

Auch nach so vielen Jahren ist Rudi Rüße immer noch begeistert von seinem großzügig bemessenen Arbeitsplatz. Die Neun-Loch-Anlage auf Grund und Boden des Fürstenhauses zeichnet sich durch seinen alten Baumbestand aus. „Das macht auf der einen Seite viel Arbeit wegen des Laubs“, weiß Rüße aus 40 Herbsten, „gibt dem Platz aber auf der anderen Seite einen ganz unverwechselbaren Charakter.“ So wie der Blick von der Bahn drei auf das Burgsteinfurter Schloss. Rudi Rüße kann sich da immer wieder dran erfreuen. „Besonders morgens ganz früh. Einfach einmalig.“

Nach 42 Jahren muss die Frage nach außergewöhnlichen Erlebnissen natürlich gestellt werden. Klar, der scheidende Greenkeeper wurde auch mal von fliegenden Golfbällen getroffen. Dreimal. „Das ist gewissermaßen Berufsrisiko, war aber alles nix Wildes.“ Einmalig war hingegen die Begegnung mit Königin Beatrix. Die niederländische Regentin schwebte Anfang der 1980er Jahre mit elf Militärhubschraubern ein, die unangemeldet auf den Bahnen eins und neun landeten. Da mussten die Greenkeeper schon mal kein Laub mehr harken. „Die Königin besuchte ein Manöver ihres Heeres und war dafür zwei, drei Stunden in der Bagno-Gaststätte“, so der Zaungast. Ein Bild, das er von der Königin gemacht hatte, war leider nichts geworden.

Die Grüns sind das Aushängeschild eines jeden Golfplatzes. Rudi Rüße und seine Kollegen haben über all die Jahre immer wieder mit neuen Tricks daran gearbeitet, dass sie eben und dicht wie ein grüner Teppichboden sind. Tägliches Schneiden in der Saison, runter bis auf vier Millimeter, sind Pflicht. Dazu kommen regelmäßiges Belüften und Sanden. Und ganz wichtig: „Nur sehr zurückhaltend düngen.“

Dass Rudi Rüße mit seinen Kollegen in dieser Beziehung immer ganz weit vorne war, das hat Golfclub-Präsident Wolfgang Huge sive Huwe bei der offiziellen Verabschiedung betont: „Rudi Rüße hat großen Anteil daran, dass die Anlage immer besser wurde und das Lob vieler Spieler war für ihn Ansporn, das Wohnzimmer der Golfer noch besser zu machen.“

Beschneiden, mähen, wässern, sanden, vertikutieren, walzen, warten, schrauben, düngen – der Job eines Greenkeepers ist ein vielfältiger. Hinzu kommt, dass die Natur die Platzwarte vor immer neue Herausforderungen stellt – wie die Trockenheit in den vergangenen Jahren, die auch Rudi Rüße vorher noch nicht erlebt hat. Was er in den Jahren von all diesen Tätigkeiten am liebsten gemacht hat? Der Jung-Rentner muss schmunzeln: „Ich habe oft das gemacht, wozu die anderen keine Lust hatten. Mir war das immer egal, für die Stimmung im Team war das aber gut.“ Ob er aber deswegen auf den Vorschlag seiner Frau Gisela eingeht, muss er sich noch überlegen: „Eine Woche putze ich, die andere du.“

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