Aris-Quartett in der Steinfurter Bagno-Galerie
Konzert-Retter – und eine Klasse für sich

Steinfurt -

Dass die Corona-Pandemie auch dem Kulturleben böse ins Kontor schlägt, ist kurz vor dem nächsten möglichen Lockdown eine Binse. So hat das Virus verhindert, dass am Sonntagabend das Brodsky Quartet in dem, den aktuellen Hygieneregeln konformen Saal der Konzertgalerie im Steinfurter Bagno „Very british“ auftreten konnte. Eigentlich wollten die Musiker eigens für die zwei einstündigen Sonderkonzerte vor jeweils der Hälfte der angekündigten Zuhörer im Steinfurter Wald spielen – und angelsächsische Komponisten zelebrieren. Aber horrende Kosten für einen wegen steigender Inzidenzzahlen und den kurzfristig strenger gewordenen britischen Reisebestimmungen machten das alles jäh zunichte.

Montag, 26.10.2020, 16:51 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 16:59 Uhr
Das Aris-Quartett war bei seinem Konzert im Bagno weit mehr als ein Ersatz für die Briten des Brodsky Quartet.
Das Aris-Quartett war bei seinem Konzert im Bagno weit mehr als ein Ersatz für die Briten des Brodsky Quartet. Foto: mfa

Dass die Corona-Pandemie auch dem Kulturleben böse ins Kontor schlägt, ist kurz vor dem nächsten möglichen Lockdown eine Binse. So hat das Virus verhindert, dass am Sonntagabend das Brodsky Quartet in dem, den aktuellen Hygieneregeln konformen Saal der Konzertgalerie im Steinfurter Bagno „Very british“ auftreten konnte. Eigentlich wollten die Musiker eigens für die zwei einstündigen Sonderkonzerte vor jeweils der Hälfte der angekündigten Zuhörer im Steinfurter Wald spielen – und angelsächsische Komponisten zelebrieren. Aber horrende Kosten für einen wegen steigender Inzidenzzahlen und den kurzfristig strenger gewordenen britischen Reisebestimmungen machten das alles jäh zunichte.

Dass es trotzdem am Sonntag ein unvergessenes (zweifaches) Konzerterlebnis geben konnte, war dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass den Veranstaltern um Prof. Dr. Matthias Schröder die Spontanbuchung des Aris-Quartett gelungen war. „Die hatte ich eigentlich schon länger auf dem Zettel, wir kamen aber in der Vergangenheit nicht zusammen. Jetzt waren sie nicht nur eine wundervolle Rettung für den sonntäglichen Musikabend, sondern eine regelrechte Klasse für sich (Mitschnitt von WDR 3 soll am 3. Januar 2021 gesendet werden). Und keine Angst, „Very british“ wie in diesem Jahr mit dem Brodsky Quartet wird es möglicherweise im nächsten Jahr werden. Dann hoffen wir, dass wir das Virus besser im Griff haben als das Virus momentan uns“, berichtete Schröder am Rande der Veranstaltung.

Fulminat legten die vier Könner des 2009 in Frankfurt gegründeten Aris-Quartetts mit Ludwig van Beethoven Streichquartett Nr.1 los. Das hat im Gegensatz zu den späteren Quartetten des Bonner Meisters noch eine gewisse Leichtigkeit und gewinnende Musikalität, lässt aber im zweiten Satz „Adagio“ spätere Zerrissenheit, Düsternis und Aufgewühltheit des Komponisten ahnen.

Mit „in-side“ der 1969 geborenen japanischen Komponistin Misato Mochizuki stellten die vier Musiker dann nicht nur ihre stupende Spieltechnik unter Beweis, sondern brachten nicht zuletzt durch eine kundige Erläuterung der Geigerin Noémi Zipperling, den Zuhörern diese besondere Form, Erkenntnisse der Hirnforschung - musikalisch eher neutönend und flirrend - vielleicht ein Stück näherzubringen.

Und nicht zuletzt mit einer furiosen Muster-Interpretation von Dimitri Schostakowitsch Quartett Nr. 8, einer tiefgründigen und hoch emotionalisierten Komposition, gewann das Aris-Quartett restlos die Begeisterung eines mehr als dankbaren Publikums.

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