380-Kilovolt-Freileitung Wesel-Meppen: Bezirksregierung erlässt Planfeststellungsbeschluss
Grünes Licht für höhere Masten

Steinfurt -

Die neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Wesel nach Meppen, die auch das Steinfurter Stadtgebiet tangiert, nimmt konkrete Formen an: Die Bezirksregierung Münster hat als zuständige Genehmigungsbehörde mit Wirkung zum 30. September den Planfeststellungsbeschluss über das vom Netzbetreiber Amprion 2017 beantragte Verfahren gefasst. Er gilt für den Abschnitt zwischen Asbeck und Haddorf. Die Vorbereitungen für den Mastbau sollen nun bald beginnen, kündigte Amprion an.

Dienstag, 27.10.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 17:00 Uhr
Anfang vergangenen Jahres wurde die alte 220-KV-Leitung in Sellen abgebaut, mit dem gefassten Planfeststellungsbeschluss wird jetzt die Aufstellung ihrer Nachfolger konkret.
Anfang vergangenen Jahres wurde die alte 220-KV-Leitung in Sellen abgebaut, mit dem gefassten Planfeststellungsbeschluss wird jetzt die Aufstellung ihrer Nachfolger konkret. Foto: Ralph Schippers/Planskizze: RP MS

Sie spielt im Konzert des nationalen Hochspannungs-Leitungsnetzes keine untergeordnete Rolle: Die 380-Kilovolt (KV)- Höchstspannungsleitung, die der Netzbetreiber Amprion zwischen Wesel und Meppen in großen Teilen als Ersatzneubau errichten möchte. Letzteres bedeutet, dass auf derselben Trasse zuvor schon eine Hochspannungsleitung existiert hat. Im konkreten Fall – und auch auf Steinfurter Stadtgebiet in der Bauerschaft Sellen – war es eine 220-KV-Leitung, die im vergangenen Jahr abgebaut worden war (diese Zeitung berichtete).

Jetzt nimmt die Ertüchtigung, so wird die Aufstockung im Fachjargon genannt, konkrete Züge an: Die Bezirksregierung Münster hat als zuständige Genehmigungsbehörde, wie einer am Montag veröffentlichten Pressemeldung zu entnehmen ist, mit Wirkung zum 30. September den Planfeststellungsbeschluss über das von der Amprion 2017 beantragte Verfahren im Abschnitt zwischen Asbeck und Haddorf gefasst.

Der Beschluss ist rechtlich eine Allgemeinverfügung, die die Zulässigkeit der Maßnahme bestätigt. Der Vorhabenträger hat damit die Genehmigung, mit seinem Vorhaben zu beginnen. Allerdings steht Betroffenen der Klageweg innerhalb einer bestimmten Frist weiter offen.

„Die Planfeststellung ist für uns ein Meilenstein“, sagt auf Anfrage Jonas Knoop. Der Amprion-Pressesprecher kündigte im Gespräch mit dieser Zeitung an, dass der Netzbetreiber nun kurzfristig mit den vorbereitenden Arbeiten für den Mastbau beginnen werde. Dazu gehören zum Beispiel die Anlegung von Zufahrten zu den einzelnen Maststandorten oder die Einrichtung von Materiallagerplätzen. Mit dem Mastbau selbst werde voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres begonnen werden, so Knoop weiter. Die Masten, die auf der Trasse errichtet werden, werden höher als ihre Vorgänger sein, aber in weiterem Abstand voneinander stehen. Beide Faktoren können in geringen Umfängen auch variieren. „Es macht einen Unterschied, ob eine Stromleitung über freiem Feld geführt wird oder über eine Bundesstraße“, so Knoop.

Apropos Bundesstraße: Die neue Freileitung stößt aus Süden von Metelen kommend ungefähr in Höhe der B 54 auf Steinfurter Gebiet, um dann mit einem leichten Ostschwenk über die alte Bundesstraße und weiter durch die Bauerschaft Sellen nach Wettringen zu führen. Sie entspricht dabei exakt dem Verlauf des Vorgängers. Dies ist nicht in allen Teilabschnitten so, erläutert Knoop. So hat der Netzbetreiber im Bereich Metelen- Land eine kleine Verschwenkung vorgenommen, um dortiger Wohnbebauung auszuweichen. Knoop: „Wo es Optimierungsmöglichkeiten gab, haben wir diese genutzt.“

Während die 380-KV-Freileitung, die von Wesel nach Meppen und von dort aus weiter nach Dörpen an der Grenze zu Ostfriesland führt, schon konkretere Formen annimmt, steckt die Umsetzung der Gleichstromleitung A-Nord im Rahmen des Netzentwicklungsplanes der Bundesrepublik Deutschland planerisch noch in den Kinderschuhen. Der Stand des raumordnerischen Verfahrens sieht eine Realisierung in einem 1000-Meter-Korridor vor, der zwischen den Städten Gronau und Ochtrup geführt wird.

Knoop machte gegenüber dieser Zeitung indes deutlich, dass beide Stromleitungen gleichermaßen eine hohe Bedeutung für den Netzausbau haben. 2022 gehe das letzte Kernkraftwerk vom Netz, bis 2038, Stand heute, laufe die Kohleverstromung aus. „Dieser Wegfall kann nur kompensiert werden, wenn wir ausreichend regenerative Energie, sprich Windstrom aus dem Norden, in die wirtschaftlichen Zentren des Ruhrgebiets und Süddeutschland transportieren können.“

 

 

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