Initiative Stolpersteine lässt sechs Infotafeln an Orten jüdischer Geschichte in Burgsteinfurt aufstellen
Die Erinnerung lebendig halten

BurgSteinfurt -

Das jüngste Projekt der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt ist am Donnerstag vollendet worden: Mitarbeiter des Baubetriebsamts der Stadt haben Infotafeln an solchen Stellen auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Burgsteinfurt aufgestellt, an denen sich jüdisches Leben im Besonderen abgespielt oder jüdische Mitbürger prägend gewirkt haben. Das Projekt wurde mit Mitteln der Heimatförderung des Landes finanziert.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:33 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 20:46 Uhr
Aufstellung der Infotafel an der Kautenstege: Projektinitiatorin Ursula Kunze (l.) überzeugt sich von der handwerklich gelungenen Arbeit der beiden Baubetriebshof-Mitarbeiter Rolf van Beers (M.) und Rainer Gerling.
Aufstellung der Infotafel an der Kautenstege: Projektinitiatorin Ursula Kunze (l.) überzeugt sich von der handwerklich gelungenen Arbeit der beiden Baubetriebshof-Mitarbeiter Rolf van Beers (M.) und Rainer Gerling. Foto: Ralph Schippers

Die Erinnerung an jüdische Mitbürger der NS-Zeit und deren oftmals bestürzende Schicksale lebendig halten – das ist seit Gründung Ziel der Initiative Stolpersteine. Sichtbarstes Zeichen dafür sind neben der Mitorganisation der jährlichen Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 9. November die namensgebenden Gedenksteine, die die Gruppe über das ganze Innenstadtgebiet verteilt vor Häusern, die ehemals von jüdischen Familien bewohnt waren, hat verlegen lassen. Die mit metallener Oberfläche versehenen Gedenksteine mit eingravierten Namen sowie Geburts- und Todeszeitpunkten von Burgsteinfurter Juden, die von den Nazis verfolgt wurden, werden jetzt ergänzt. Am Donnerstag haben Mitarbeiter des Baubetriebsamts Infotafeln an solchen Stellen auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Burgsteinfurt aufgestellt, an denen sich jüdisches Leben im Besonderen abgespielt oder jüdische Mitbürger prägend gewirkt haben.

„Wir meinen, dass dies eine schöne Aufwertung der Innenstadt ist, die nicht nur die Erinnerungskultur hochhält, sondern auch einen touristischen Stellenwert besitzt“, sagt Ursula Kunze von der Initiative, die das Projekt federführend betreut hat. Die rund 1,20 Meter hohen Stahl-Stelen mit leicht abgewinkelten Infotafeln informieren in Text und Bild über verschiedene Aspekte des jüdischen Lebens im Burgsteinfurt der Nazi-Zeit. QR-Codes, die zu weiteren Info-Quellen ins Internet verweisen, sollen später ergänzt werden, berichtet Ursula Kunze.

Aufgestellt worden sind sie auf dem Graf-Arnold-Platz (früherer Standort des Gymnasiums Arnoldinum mit ehemals vielen jüdischen Schülern), an der Kautenstege (ehemaliger Synagogen-Standort), am Baumgartenplatz (früheres Zentrum des jüdischen Viehhandels), am Europaring (Standort der alten, von Juden mitgegründeten Stadtsparkasse) sowie am alten und neuen jüdischen Friedhof.

Besonders gefreut hat es die Projektinitiatorin, dass die Installation noch vor dem Gedenktag an die Novemberpogrome erfolgt ist. „Eine Gedenkfeier wird am ehemaligen Synagogenstandort an der Kautenstege nach aktuellem Stand stattfinden“, erklärte Ursula Kunze am Donnerstag. Am 9. November 1938 waren auch zahlreiche Burgsteinfurter Juden von den Nazis drangsaliert und die Synagoge niedergebrannt worden.

Finanziert wird das Projekt aus dem Heimatförderungsprogramm des Landes, konkret mit dem Instrument „Heimatscheck“. 2000 Euro hält die Förderung bereit. Hergestellt hat die Tafeln der Burgsteinfurter Metallbaubetrieb Marschalk, die Beschriftung hat nach Vorlagen des Initiative-Mitglieds Oliver Löpenhaus die Firma Wenker Werbetechnik aus Borghorst. Die Pflege und Unterhaltung wird die Initiative Stolpersteine übernehmen.

Eine offizielle Einweihung kann aufgrund der aktuellen Pandemielage nicht stattfinden, soll aber zu einem späteren Zeitpunkt mittels eines Rundgangs nachgeholt werden. Auch wird voraussichtlich eine weitere Stele auf dem Schulgelände des Hermann-Emanuel-Berufskolleg aufgestellt. Unter Leitung von Lehrer Kai Heuing werden Schüler des Kollegs tätig, um den Namensgeber der Schule in diesem Projekt zu würdigen.

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