Prozess wegen räuberischer Erpressung
Wo ist die Rolex geblieben?

Borghorst/Münster -

Mit einer Rolex-Markenuhr im Wert von über 11.000 Euro am Handgelenk kam ein 23 Jahre alter Borghorster im März mit dem Zug aus Enschede. Zusammen mit zwei Freunden war er dort zuvor zum Kiffen in einem Coffeeshop gewesen. Der erste Mann stieg auf der Rückfahrt in Burgsteinfurt aus, die anderen am Bahnhof Grottenkamp. Dort soll der verbliebene Kumpel dem 23-Jährigen ein Messer an den Bauch gehalten und ihn zur Herausgabe der Rolex gezwungen haben.

Montag, 09.11.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 17:07 Uhr
Am Landgericht in Münster wurde der Borghorster vom Verdacht der schweren räuberischen Erpressung freigesprochen.
Am Landgericht in Münster wurde der Borghorster vom Verdacht der schweren räuberischen Erpressung freigesprochen.

So hat es der junge Mann später der Polizei geschildert. Und am Montag auch Richtern im Strafverfahren am Landgericht. Sein Kumpel (35), ebenfalls aus Borghorst, saß auf der Anklagebank – wegen schwerer räuberischer Erpressung.

„Geschockt“ sei er gewesen, sagte der Handwerker, als er erfuhr, dass ihn der 23-Jährige angezeigt hatte. „Das mit dem Raub stimmt nicht.“ Er sei verheiratet, Vater und verfüge über ein solides Einkommen. Wie der 23-Jährige, der in der Vergangenheit nur wenig eigenes Geld verdient hatte, überhaupt an eine solch teure Uhr gekommen war, erklärte dessen Mutter: „Er hat häufiger Geld geschenkt bekommen, zum Beispiel von den Großeltern. Er hat viel gespart.“

Der Lagerarbeiter selbst sagte, er habe immer schon solch eine Uhr besitzen wollen. Er habe angenommen, dass die Rolex versichert sei. Das habe ihm der Verkäufer – ein Juwelier – im Nachhinein aber nicht bestätigt. Der Verbleib der Uhr ist ungeklärt. Zum mutmaßlichen Überfall konnte der 23-Jährige kaum Details nennen.

Richter, Staatsanwalt und der Anwalt des Angeklagten hielten die Raub-Schilderung für erfunden. Eine „Räuberpistole“ nannte sie im Zeugenstand jener Polizist, der die Anzeige aufgenommen hatte. Immerhin hatte der 23-Jährige sein Kaufzertifikat vorgelegt.

Der Staatsanwalt bewertete die Aussage des 23-Jährigen bei Gericht im Plädoyer so: „Diese Aussage stinkt zum Himmel!“ Es sei schon allein unglaubwürdig, dass ihn der 35-Jährige unmaskiert überfallen habe. „Es spricht wenig dafür, dass es so gewesen ist“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Kammer sprach den Angeklagten schließlich frei.

Warum der 23-Jährige seinen früheren Kumpel bezichtigt hatte, blieb ungeklärt. Was an dem Tag in Enschede womöglich menschlich zwischen den Männern vorgefallen sei, „das wissen wir nicht“, so der Richter.

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