Jugendliche in Steinfurt fürchten um öffentliche Plätze als Treffpunkte zum gemeinsamen Chillen
Wo sollen wir hin?

Wo können sich Jugendliche aufhalten, ihren Hobbys nachgehen, sich treffen und austauschen? Steinfurt gilt als familienfreundlich, aber auf die Frage, wo junge Leute Freizeit verbringen und ungezwungen zusammen Spaß haben können, fehlt oft eine Antwort. Insgesamt gibt es in der Kreisstadt 60 Spiel- und zwölf Bolzplätze. Doch aktuell steht zur Debatte, in beiden Stadtteilen mehrere Spielstätten in Wohngrundstücke umzuwandeln, darunter auch der Spielplatz Münsterstiege/Sandweg mit angrenzendem Fußball- und Basketballplatz.

Donnerstag, 12.11.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 16:36 Uhr
Gerade in Zeiten von Corona sind die Möglichkeiten für Jugendliche, sich zu treffen, sehr beschränkt. Sie fordern den Ausbau neuer und die Modernisierung bestehender Spiel- und Sportanlagen als Orte des sozialen Austauschs.
Gerade in Zeiten von Corona sind die Möglichkeiten für Jugendliche, sich zu treffen, sehr beschränkt. Sie fordern den Ausbau neuer und die Modernisierung bestehender Spiel- und Sportanlagen als Orte des sozialen Austauschs.

 

Der Platz wird gerne von Jugendlichen genutzt. Er wurde vor 15 Jahren in Zusammenhang mit engagierten Eltern errichtet. Auf die Überlegung, diesen aufzugeben, folgen kritische Reaktionen. „Meiner Meinung nach gibt es zu wenig Plätze und Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Diese dann noch weiter einzuschränken ist für mich unverständlich. Vor einem Abriss des Basketballpatzes sollte mit regelmäßigen Nutzern gesprochen und deren Interessen bei der Entscheidung mit einbezogen werden“, findet Christian Meier (19).

Öffentliche Einrichtungen für Jugendliche sind rar. Mit dem Abriss der Diskothek Memphis verschwand 2016 die letzte Ausgehmöglichkeit in der Stadt. Dass Jugendliche dann auf Spielplätze ausweichen, ist nicht verwunderlich. Wo sonst haben sie die Gelegenheit, zusammenzusitzen, wenn es nicht grade das eigene Zuhause sein soll?

Problematisch ist auch, dass diese Spielplätze häufig nicht auf Jugendliche zugeschnitten sind. Vor den Plätzen installierte Schilder verbieten die Benutzung für diese Altersgruppe. In den Abendstunden sind die Jugendlichen auf den Plätzen auch nicht gerne gesehen. Eine spätere Nutzung ist aber ohnehin aufgrund mangelnder Beleuchtung oftmals nicht möglich.

So tut sich ein großer Widerspruch auf. Von vielen Seiten hagelt es Kritik: Jugendliche hängen zu viel vor den Bildschirmen, seien zu wenig draußen. Wollen sie aber gemeinsam Zeit im Freien verbringen, ist es ihnen an den wenigen Orten, die eventuell eine Möglichkeit bieten, verboten.

„Ohne die Möglichkeit für Jugendliche, ihren Freizeit- Aktivitäten nachzugehen, geht ihnen auch ein wichtiger sozialer Faktor verloren. Vor allem bei vorbelasteten Jugendlichen kann dies negative Konsequenzen mit sich bringen“, befürchtet Sergen Kul (18).

Als positives Beispiel gilt der Bewegungspark „Burgi-Park“ in Burgsteinfurt. Der Skaterpark rief viele positive Reaktionen hervor und ist ein beliebter Aufenthaltsort für verschiedene Altersgruppen. Stellt sich die Frage, warum vergleichbare, wenn auch kleinere Plätze verschwinden, anstatt sie zu fördern und attraktiver zu machen. Sergen Kul sieht auch Potenzial in den Plätzen in Borghorst. „Der Basketball-Platz (an der Münsterstiege) stellt für viele Jugendliche einen Ort der Harmonie dar, einen Ort an dem man mit Freunden zusammen kommt und gemeinsam Basketball spielt. Deshalb sollte man nicht darüber nachdenken, den Basketballplatz aufzugeben, sondern diesen eher zu vergrößern oder zu sanieren.“ Modernisierte Plätze würden wohl bei vielen Begeisterung hervorrufen. „Neben den klassischen Spielplätzen für Kinder mit Wippen, Schaukeln oder Rutschen wären doch auch kreativere und innovativere Anlagen, die auch ältere Generationen ansprechen, eine Aufwertung für die Stadt“, denkt Tim Sippel (18) über die Plätze.

Aktuell verbieten die Coronamaßnahmen zwar Treffen von Personen aus mehr als zwei Haushalten, aber vielleicht sind in dieser Zeit öffentliche Plätze im Freien wichtiger denn je. Hobbys im Vereinskontext können nicht ausgeübt, in Cafés, Bars und Restaurants, kann sich nicht getroffen werden. Daher bleiben öffentliche Spielstätten als einzige Möglichkeit, sich zu treffen. Zugleich ist es auch willkommene Abwechslung, wenn auch nur zu zweit. „Gerade in der heutigen Zeit, wo die Pandemie so einschränkende Auswirkungen hat und diese Plätze nahezu die einzige Möglichkeit der Zusammenkunft darstellen, finde ich es sehr fragwürdig, darüber nachzudenken, diese Treffpunkte zu entfernen. Jugendliche und junge Erwachsende brauchen mehrere Orte an denen sie ihren Hobbys nachgehen und die sozialen Kontakte pflegen können“, so die Meinung von Tim Sippel.

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer äußerte sich nach Rückfrage der Jugendfrei-Redaktion zunächst zu dem geplanten Abriss des Basketballfeldes: „Wir haben uns den Platz angesehen und festgestellt, dass dieser extrem baufällig war. Der Korb ist in einem sehr schlechten Zustand und auch der Boden ist alles andere als optimal. Beim Aufprallen des Balls entstehen Geräusche, die über 70 Dezibel laut sind. Das hat die Anwohner gestört. In Absprache mit unseren Streetworkern, die mit den Anliegern und Jugendlichen, die auf diesem Platz viel Zeit verbringen, haben wir uns entschieden, diesen zu verlegen. Er wird nicht abgerissen ohne Alternative. An der Gräfin-Bertha-Straße soll ein neues Basketballfeld entstehen“, so die Bürgermeisterin.

Bezüglich weiterer Plätze für Jugendliche in Steinfurt, hat sie ebenfalls Pläne: „Unter anderem planen wir einen neuen Bolzplatz am Veltruper Kirchweg. Das habe ich versprochen, und ich will dieses Versprechen auch einhalten. Wenn alles gut läuft, ist der Platz im nächsten Jahr fertig. Außerdem sind wir dabei, den Generationenpark in Burgsteinfurt stetig zu verbessern.“

Luca Hannah Roters

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