„Andere Dimension als im Frühjahr“
Altenpflegeeinrichtungen stehen angesichts der sich verschärfenden Corona-Krise vor großen Herausforderungen

Steinfurt -

Das evangelische Altenhilfezentrum in Burgsteinfurt und das von der Caritas geführte Heinrich-Roleff-Haus in Borghorst stehen angesichts der sich weiter verschärfenden Corona-Krise vor großen Herausforderungen. Das Pflegepersonal arbeitet seit Monaten am Limit, jede weitere Auflage lässt die Mitarbeiter ein Stück mehr an ihre Grenzen stoßen. Diese Zeitung sprach mit den beiden Einrichtungsleitern, wie sie die Lage beurteilen.

Dienstag, 17.11.2020, 15:16 Uhr aktualisiert: 17.11.2020, 17:50 Uhr
Ein bisschen Normalität im Alltag: An Ostern gab es am Bonhoeffer-Haus einen Open-Air-Gottesdienst vom Parkplatz aus. Kleine Gebetsrunden werden auch derzeit noch angeboten.
Ein bisschen Normalität im Alltag: An Ostern gab es am Bonhoeffer-Haus einen Open-Air-Gottesdienst vom Parkplatz aus. Kleine Gebetsrunden werden auch derzeit noch angeboten. Foto: nix

Toi, toi, toi: Trotz allgemein weiter steigender Infiziertenzahlen hat es weder im Evangelischen Altenhilfezentrum in Burgsteinfurt noch im Heinrich-Roleff-Haus in Borghorst einen Corona-Fall gegeben – weder bei den Bewohnern noch bei den Mitarbeitern. Die beiden Einrichtungsleiter, Reinhard van Loh beziehungsweise Clemens Schulze Beiering, führen dies zu einem großen Teil auf die konsequente Einhaltung der Hygienevorschriften sowie die – im Gegensatz zum Frühjahr als es Engpässe gab – gute Versorgung mit Schutzausrüstung zurück. Beide weisen indes auch auf die hohe physische und psychische Belastung der Pflegekräfte hin.

„Die Arbeitsbedingungen sind derzeit sehr hart“, sagt Reinhard van Loh. Die Mitarbeiter müssten während der gesamten Schicht Maske tragen, das sei bei ihrer auch körperlich anspruchsvollen Tätigkeit eine signifikante Belastung. Dies gelte auch für die Psyche: „Unsere Pflegekräfte sind angespannt, sie merken, dass die Einschläge, sprich Corona-Fälle in Pflegeeinrichtungen, näher kommen“, berichtet Clemens Schulze Beiering mit Bezug auf Häuser in der Umgebung von Steinfurt. „Das ist schon eine andere Dimension als im Frühjahr, zumal die Corona-Zahlen weiter steigen.“

Hinzu kommt, dass die Auflagen, die die Corona-Pandemie mit sich bringen im laufenden Betrieb zusätzlich bewältigt werden müssen. Neben den bekannten Hygieneregeln sind dies unter anderem die Abwicklung von Besucher-Tests mit Fiebermessgeräten und – ganz neu – die regelmäßige Überprüfung der Bewohner und Mitarbeiter mithilfe von Schnelltests. „Wir sprechen in unserem Haus von insgesamt 240 Testungen alle 14 Tage, dafür muss ich einen Mitarbeiter aus dem Pflegebereich abziehen“, gibt van Loh zu Bedenken.

Vorteile habe der Test, für dessen korrekte Anwendung die Mitarbeiter aktuell geschult werden, aber auch: „Wenn wir einen Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen haben, können wir nun relativ schnell feststellen, ob es sich um Covid-19 handelt oder nicht“, so van Loh. Insbesondere, wenn es einen konkreten Verdachtsfall geben sollte, könne der Schnelltest auch mehrfach erfolgen, ergänzt Schulze Beiering.

Und die Bewohner, wie gehen sie mit der Situation um? Erstaunlich gelassen, betonen beide Einrichtungsleiter. Zum einen führen sie diesen Umstand darauf zurück, dass sich im Alltagsleben für sie derzeit keine allzu großen Einschränkungen gibt. Im Gegensatz zum Frühjahr, als es zeitweise ein Verbot gab, dürfen aktuell zwei symptomfreie Personen empfangen werden. „Wenn gewünscht sogar täglich“, sagt van Loh. Zudem dürfen die Bewohner tagsüber die Einrichtungen verlassen, um ihrerseits Kontakte zu pflegen. Viele blieben indes eher im Haus, um kein Risiko einzugehen.

Was den Bewohnern mittlerweile sehr fehle, seien die Treffs in der Gruppe, die regelmäßigen Angebote, die in den Häusern normalerweise vorgehalten werden, jetzt jedoch aufgrund der Gesamtsituation ruhen. Immerhin, Gottesdienste finden im kleinen Rahmen noch statt.

Die Gelassenheit im Umgang mit der Pandemie führen van Loh und Schulze Beiering auf Lebenserfahrung zurück. Als älterer Mensch sei man einfach krisenfester, weil krisenerfahrener. Sehr wichtig gerade für den älteren Menschen sei nicht nur in der Krise, dass soziale Kontakte aufrechterhalten bleiben.

Viel Anerkennung verdienten die Mitarbeiter – darunter auch die Ehrenamtlichen, sagt Reinhard van Loh. Leider sei die öffentliche Wertschätzung derzeit nicht mehr so ausgeprägt wie am Anfang der Pandemie. „Die Gesellschaft ist coronamüde geworden“, folgert der Altenheim-Leiter. Dabei erfordere das Virus gerade jetzt die ganze Aufmerksamkeit. Van Loh: „Ich glaube nicht, dass wir es so schnell loswerden werden.“

Das Evangelische Altenhilfezentrum in Burgsteinfurt sucht freiwillige Helfer für die Registrierung der Besucher. Wer Interesse hat, wird gebeten, sich unter Telefon 0 25 51/93 73 01 zu melden.

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