Borghorster Fledermäuse lassen neu angelegten Fledermaustunnel im Buchenberg noch links liegen
Der Reiz der Ruine

Borghorst -

100000 Euro hat er gekostet, der im Frühjahr fertiggestellte Tunnel für Fledermäuse am Waldsaum des Buchenbergs. Wie wird er angenommen? Die Redaktion war mit Fledermausexperte Axel Donning auf Besichtigungstour – und warf zudem einen Blick in die Ruinen des Weberquartiers, der aktuell noch für die Nachtjäger als Unterschlupf nutzbar sind.

Mittwoch, 25.11.2020, 15:38 Uhr
Fledermausexperte Axel Donning kontrolliert mit seiner Stirnlampe, ob sich bereits einige Nachtjäger in den Behausungen des neu angelegten Tunnels im Buchenberg befinden. Noch aber fühlen sich die Tiere in den Ruinen des ehemaligen Kock-Textilimperiums wohler (kl. Bild).
Fledermausexperte Axel Donning kontrolliert mit seiner Stirnlampe, ob sich bereits einige Nachtjäger in den Behausungen des neu angelegten Tunnels im Buchenberg befinden. Noch aber fühlen sich die Tiere in den Ruinen des ehemaligen Kock-Textilimperiums wohler (kl. Bild). Foto: rs

Drei unterschiedlich beleuchtete und belüftbare Sektionen, mit 30 Metern Länge großzügig dimensioniert, dazu zahlreiche Behausungen, deren Materialien ebenso unterschiedlich sind wie die Anbringung: Der im Frühjahr fertiggestellte Fledermaustunnel am Buchenberg ist fast schon so etwas wie eine Luxusherberge für die lichtscheuen Insektenfresser. Indes: Noch hat sich kein Nachtjäger in dem aus massiven Beton gegossenen Bunker niedergelassen. Axel Donning zuckt mit den Schultern. An Ruhestörern wird es wohl kaum gelegen haben, meint der Landschaftsökologe mit Blick auf die Hinweisschilder, die die Stadt im Einflugbereich hat aufstellen lassen. Sie machen unmissverständlich deutlich, dass man sich an dieser Stelle des Tierschutzes wegen nicht aufhalten sollte.

Lange wird der Leerstand aber wohl nicht mehr andauern, so der Fledermausexperte, der die Stadt bei der Umsiedlung der Nachtjäger vom Weberquartier zum Buchenberg berät. Er erwartet, dass die ersten der nachtaktiven Flugkünstler einziehen werden, sobald die Temperaturen in den frostigen Bereich abrutschen. Dann werden sie den Schmetterlingen und Nachtfaltern, die sich bereits jetzt im hinteren Bereich des Stollens ein Winterquartier eingerichtet haben, Gesellschaft leisten.

Der Optimismus des Experten, der faunistische Gutachterbüros in Rheine und Münster unterhält, kommt nicht von ungefähr. Wird doch der angrenzende Fledermauswald bereits sehr gut von den Tieren angenommen. Nicht nur Zwerg- und Mopsfledermäuse, sondern auch Mausohren nutzen die insgesamt 46 Kästen, die in den Bäumen des von der Familie Schulze Raestrup gepachteten Waldsaumes aufgehängt worden sind.

„Das ist noch sehr naturnah, fast urwaldartig hier. Das findet man selten heutzutage“, sagt Donning. Ob die Tiere von den Ruinen des nur 700 Meter Luftlinie entfernten Weberquartiers kommen oder – im Fall des Mausohrs – aus dem Kirchturm von St. Nikomedes – Donning kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. „Wir kennzeichnen die Tiere nicht.“ In jedem Fall handele es sich um eine „populationsstützende Maßnahme“, damit sei der Sinn und Zweck erfüllt.

Der Aufwand sei groß, aber gerechtfertigt: Steinfurt, speziell der Ortsteil Borghorst, beherbergt die größte Population der Mopsfledermaus in NRW, eine vom Aussterben bedrohte Art. Bei den Investoren des Weberquartiers stieß das nicht immer auf Gegenliebe. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass durch das Vorhandensein der Nachtjäger vieles verzögert und noch teurer wurde als ursprünglich kalkuliert. Donning ist froh, dass der aktuelle Investor dies anders sieht. Die IGP-Gruppe wird die Kosten für den Bau des Fledermaustunnels tragen. 100 000 Euro hat die unterirdische Betonkonstruktion gekostet, „wenn man die Gesamtkosten des Gesundheitscampus betrachtet, ist das ein kleiner Betrag“, ist es Donning wichtig, die Relation zu sehen.

Im kommenden Frühjahr, wenn die Bauarbeiten für Borghorsts Vorzeigeprojekt beginnen, wird sich zeigen, wie viel die Investition wert ist. Dann werden die im alten Lagergebäude, in der Schlosserei und Schreinerei noch verbliebenen Insektenfresser wohl oder übel ausziehen müssen. Es wird kein leichter Abschied, denn die Tiere scheinen sich in den dunklen Gewölben der Ruinen nach wie vor pudelwohl zu fühlen. Die jüngste Kartierung ergab allein im Lagergebäude rund zwei Dutzend Exemplare der Zwergfledermaus. „Da können Sie bestimmt noch mal so viele draufpacken, die wir nicht entdeckt haben“, sagt der Experte aus Erfahrung.

Die „Vertreibung aus dem Paradies“ fängt mit dem Abbau sämtlicher Fledermauskästen an. Stufe zwei sieht die Einleitung von Rauch ins Gebäude vor. Wäre Licht, so ziemlich das Unangenehmste für die Tiere, nicht auch eine effektive Option? „Das würde zu viel Stress verursachen“, scheidet für Donning diese Vergrämungsmethode aus. Aber vielleicht wissen die Nachtjäger ohnehin bis dahin den Komfort in den extra für sie gebauten „Hotel im Buchenberg“ zu schätzen.

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