Erste digitale Campus-Dialoge an der FH in Steinfurt mit über 100 Interessierten
Covid-19 in Luft und Wasser

Steinfurt -

Covid-19 verbreitet sich über die Luft – so viel steht fest. Aber stellt Abwasser, das in unsere Gewässer und damit in den Wasserkreislauf gelangt, eine weitere Infektionsquelle dar? Luft und Wasser – beide Elemente haben Prof. Dr. Isabelle Franzen-Reuter und Prof. Dr. Helmut Grüning vom Fachbereich Energie- Gebäude-Umwelt der FH in Steinfurt unter der Moderation von Seniorprofessor Dr. Richard Korff unter die Lupe genommen. In ihrem Vortrag aus der Reihe Campus-Dialoge, den die Hochschule als Videokonferenz durchgeführt hat, haben sie auch aktuelle wissenschaftliche Studien vorgestellt.

Mittwoch, 02.12.2020, 17:26 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 16:08 Uhr
Erste digitale Campus-Dialoge an der FH in Steinfurt mit über 100 Interessierten: Covid-19 in Luft und Wasser
Foto: FH Münster/Rena Ronge

Covid-19 verbreitet sich über die Luft – so viel steht fest. Aber stellt Abwasser, das in unsere Gewässer und damit in den Wasserkreislauf gelangt, eine weitere Infektionsquelle dar?

Luft und Wasser – beide Elemente haben Prof. Dr. Isabelle Franzen-Reuter und Prof. Dr. Helmut Grüning vom Fachbereich Energie- Gebäude-Umwelt der FH in Steinfurt unter der Moderation von Seniorprofessor Dr. Richard Korff unter die Lupe genommen. In ihrem Vortrag aus der Reihe Campus-Dialoge, den die Hochschule als Videokonferenz durchgeführt hat, haben sie auch aktuelle wissenschaftliche Studien vorgestellt. Kernfragen waren dabei: Wie kann sich die Bevölkerung vor Corona schützen und welche Auswirkungen sind in der Umwelt zu erkennen?

„In Innenräumen wird regelmäßiges Lüften empfohlen, da die Coronaviren über Aerosole verbreitet werden. Das heißt, dass sie noch kleiner und leichter als Tröpfchen sind und sich so länger in der Luft aufhalten. Je trockener die Luft, desto länger verbleiben die Viren dann dort“, erklärte die Immissionsschutzexpertin Franzen-Reuter. Im Gegensatz zu Bakterien können sich die Viren nur innerhalb anderer Zellen vermehren und suchen sich einen Wirt, zum Beispiel den Menschen.

Wie sich Covid-19 durch das menschliche Verhalten auf die Umwelt auswirkt, verdeutlichen mehrere Beispiele: Von Februar bis März 2020 ist der Daten- und Energieverbrauch von Streaming-Diensten um 30 Prozent gestiegen. Mitauslöser seien dabei unter anderem Videokonferenzen. Um dem entgegenzuwirken, rät das Umweltbundesamt zur Nutzung von Glasfaser als klimafreundlichste Übertragungstechnik. „Schauen wir uns aber den Verkehr an, so ist festzustellen, dass er in der ersten Jahreshälfte deutlich abgenommen hat. Die CO-Emissionen sind global um 8,8 Prozent zurückgegangen. Auch die Belastungen durch das Reizgas Stickstoffdioxid, das die Lunge schädigen kann, sind ebenfalls gesunken“, so Franzen-Reuter. Corona als Retter der Klimakrise? Nein: 2019 ist ein neuer CO-Rekord in der Atmosphäre gemessen worden. „Die Werte werden weiter steigen, daher müssen langfristige Lösungen her, bei denen jede und jeder Einzelne gefragt ist“.

Was Covid-19 für das Wasser bedeutet, hat Grüning als Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik erklärt. „Die Empfehlung, dass man sich die Hände so lange waschen sollte, wie man zwei Mal ‚Happy Birthday‘ singt, müsste überall bekannt sein. Das ist deshalb so wichtig, weil damit 99 Prozent der Keime und Viren entfernt beziehungsweise inaktiviert werden. Covid-19 trägt nämlich eine Membranhülle um sich, und die wird von Seife zerstört“, so Grüning. Desinfektionsmittel solle erst nach dem Händewaschen genutzt werden. Das zu verwenden, sei mit Blick auf die Umwelt übrigens unkritisch: Fließt alkoholbasiertes Desinfektionsmittel weiter in die Kläranlage, wird es dort abgebaut.

„Um unser Abwasser generell müssen wir uns keine Sorgen machen. Pro Gramm Stuhl befinden sich zwar viele Millionen von Bakterien und Viren. Durch die Abwasserbehandlung können 99,9 Prozent davon aber sicher entfernt werden und so auch SARS-CoV-2“, beruhigt Grüning. Für den Schutz von Trinkwasser, das aus Oberflächenwasser oder Grundwasser gewonnen wird, sorge ein Multi-Barrieren-System von Kläranlage über Wassergewinnung und Wasserwerke bis hin zur Wasserverteilung im Haus. Die Trinkwasserqualität wird regelmäßig gemäß Trinkwasserverordnung geprüft. Veröffentlichungen aus Spanien zeigen, dass SARS-CoV-2 im unbehandelten Abwasser nachgewiesen wurde, bevor Infektionsfälle öffentlich bekannt wurden. Daher könne die Wasseranalyse hilfreich als Frühwarnsystem eingesetzt werden.

„Was den Wasserverbrauch angeht, ist deutlich zu sehen, dass sich die Anschaffung von Pools diesen Sommer bemerkbar macht. Um einen klassischen acht mal vier Meter großen Pool zu füllen, benötigt man 48 Kubikmeter Wasser. Das ist so viel wie der Jahresverbrauch einer Person,“ zeigt Grüning.

Am Ende der Veranstaltung stellten die über 100 Zuschauer reichlich Fragen: Homeoffice als langfristige Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels? Dies sei durchaus vorstellbar, so die Experten. Ist eine Verbreitung von Corona über Klärschlamm auf Feldern möglich? Grüning informiert, dass dieser in Deutschland fast ausschließlich nur noch verbrannt wird.

Das Publikum brachte viele gute Ideen zum Umweltschutz ein. Zur Umsetzung sei jede und jeder willkommen, ein Studium am Fachbereich Energie-Gebäude- Umwelt Steinfurt zu beginnen, so der Wissenschaftler lächelnd.

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