22-jähriger Tobias Börger führt seit 2018 Borghorster Traditionsgaststätte an der Gantenstraße
Junggastwirt trotzt Corona-Krise

Borghorst -

Mit seinen gerade mal 22 Lenzen zählt er zu den Youngstern der lokalen Gastronomieszene: Tobias Börger hat 2018, damals gerade frisch gebackener Abiturient, das gleichnamige elterliche Gasthaus an der Gantenstraße übernommen. In der Corona-Krise schaut der Borghorster mit Optimismus nach vorn, hat Konzepte für die Zukunft. Spannender Gesprächsstoff für ein Zeitungsinterview.

Sonntag, 06.12.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 17:25 Uhr
Blick in die erste kürzlich renovierte, blitzeblank polierte Küche, in der Mutter Anja das Sagen hat: Junggastronom und Küchenchefin sind mittlerweile ein eingespieltes Team.
Blick in die erste kürzlich renovierte, blitzeblank polierte Küche, in der Mutter Anja das Sagen hat: Junggastronom und Küchenchefin sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Foto: rs

Mit seinen gerade mal 22 Lenzen zählt er zu den Youngstern der lokalen Gastronomieszene: Tobias Börger hat 2018, damals gerade frisch gebackener Abiturient, das gleichnamige elterliche Gasthaus an der Gantenstraße übernommen. Noch keine 19 Jahre alt, stand der junge Mann nach dem ebenso plötzlichen wie unerwarteten Tod des Vaters vor der Frage: die Borghorster Traditionsgaststätte übernehmen oder doch die bereits in den Stiel gestoßene Ausbildung bei einem lokalen Autohaus antreten? Er entschied sich für die Gastronomie – ein mutiger Entschluss in einer Zeit, in der viele andere Gastwirte den Schlüssel ihres Hauses umdrehen. Heute, gut dreieinhalb Jahre später zieht Tobias Börger ein positives Fazit: „Ich bereue die Entscheidung von damals nicht“, sagt der sympathische Blondschopf mit Überzeugung. Mit Optimismus schaut der Borghorster in seine gastromonische Zukunft und die seiner Mitarbeiter – mitten im Höhepunkt der Corona-Krise. Donnerwetter!

Die Zuversicht des jungen Mannes speist sich aus vielen Quellen. Da ist zunächst die gut geführte Gaststätte, die er von seinem Vater übernommen hat. Das Gasthaus an der Gantenstraße hat eine lange Tradition: 1953 gründete der Großvater den Betrieb. Entsprechend groß ist der Besucherkreis. Es gibt zahlreiche Stammgäste, die dem Restaurant samt Saal schon seit Jahren die Treue halten. Mit der Zeit sind viele Gäste hinzugekommen, die von Gaststätten im Ort kamen, die zugemacht haben. Insofern konnte der Junggastwirt profitieren. Viel größer indes wirkt der Vorteil, den er aufgrund seines Alters hat: Gut vernetzt in Borghorst, hat er es geschafft, auch jüngeres Klientel in die Gaststätte an der Gantenstraße zu locken. „Das freut auch die Älteren, die empfinden das als echte Bereicherung“, hat er festgestellt.

Den Wandel einleiten ohne die Tradition aus den Augen zu verlieren, diese Devise hat sich der 22-Jährige auf die Fahne geschrieben – und scheint damit sogar in der Krise ganz gut zu fahren. Der Leitsatz findet sich in vielen Bereichen wieder – von der Einrichtung über die Speisekarte bis hin zu den angebotenen Veranstaltungen. So hat der Junggastwirt vor zwei Jahren in die Renovierung der Küche investiert, nachdem noch sein Vater 2016 den Wirtsraum modernisiert hatte. Die angebotenen Speisen, sämtlich mit Produkten von regionalen Erzeugern von seiner Mutter Anja und weiteren Mitarbeitern zubereitet, fußen zum großen Teil auf der westfälischen Küche. Aber eben mit moderner Note, wie die gelernte Köchin bemerkt. „Wir probieren gerne mal etwas Neues aus, verlieren unsere Wurzeln aber niemals aus dem Auge“, bringt es der Sohnemann, dessen Angestellte die Mutter ist, auf den Punkt.

Viel frischen Wind bringt der 22-Jährige auch bei den Veranstaltungsformaten ein: Ein Bier-Tasting mit Sommelier gehört ebenso zu den Neuerungen wie ein Grillseminar oder der Stammtisch mit Selbstzapfanlage im Vorderzimmer, dort wo ganz früher ein Tante-Emma-Laden untergebracht war. „Als Komplettangebot mit dazubestelltem Essen kommt der vor allem auch bei jüngeren Gästen sehr gut an“, weiß Börger zu berichten. Wenn die Corona-Krise vorbei ist, möchte er in diese Richtung durchstarten.

Zunächst jedoch zwingt ihn die Pandemie, kleinere Brötchen zu backen. Die in Aussicht stehende staatliche Unterstützung, Stichwort November/Dezember-Hilfen und Mehrwertsteuersenkung bis ins kommende Jahr, helfen ihm, über die Runden zu kommen und seinen Mitarbeiterstamm – neben seiner Mutter mehr als ein Dutzend, teils langjährig beschäftigte Mini-Jobber in der Küche und im Service – zu halten. Weiteres finanzielles, vor allem aber auch psychologisches Krisen-Standbein ist der Außer-Haus-Verkauf an Wochenenden, den das Gasthaus derzeit wie schon im ersten Lockdown anbietet. Psychologisch wichtig zum einen für die Mitarbeiter, die durch den Verkauf („Es gehen regelmäßig um die 300 Essen raus“) motiviert bleiben. Zum anderen bleibe das Gasthaus positiv im Gespräch und im Bewusstsein der Leute präsent. „Das ist mir sehr wichtig“, betont der junge Mann.

Wie für die gesamte Branche heißt es zurzeit für ihn sich durchzubeißen und zu hoffen, dass die Krise bald überwunden ist. „Das ist schon hart, zumal jetzt im Dezember, wenn viele Weihnachtsfeiern stattfinden, ein sehr einnahmestarker Monat quasi flachfällt“, sagt der junge Borghorster. „Man muss abwarten, es wird“, ist sein Optimismus ungebrochen. Dass er in dieser schweren Zeit sogar noch den Blick für diejenigen hat, denen es noch weitaus schlechter geht, ist umso bemerkenswerter: Bei einer Benefizaktion unterstützt er die Steinfurter Tafel, indem von jedem Essen, dass er verkauft, ein Euro gespendet wird. Donnerwetter!

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