Wanderer und Spaziergänger haben in Steinfurt die große Auswahl
Klassiker haben längst Zuwachs bekommen

Steinfurt -

Wandern erlebt derzeit eine Renaissance – dazu muss man nur einmal an einem einigermaßen trockenen Wintertag durch das Bagno gehen. Wer in der Kreisstadt schöne Wege sucht, wird erstaunt sein, wie groß die Abwechslung ist.

Freitag, 15.01.2021, 20:58 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 13:15 Uhr
Der Wanderweg über den Buchenberg ist nur ein Highlight für Outdoor-Fans in Steinfurt.
Der Wanderweg über den Buchenberg ist nur ein Highlight für Outdoor-Fans in Steinfurt. Foto: Steinfurter Land Tourismus

Wandern erlebt derzeit eine Renaissance – dazu muss man nur einmal an einem einigermaßen trockenen Wintertag durch das Bagno gehen. Kein Wunder, ist es doch neben dem Radfahren eine der wenigen Aktivitäten, die im Corona-Lockdown noch erlaubt sind. Unter Einhaltung der aktuell geltenden Auflagen, versteht sich. Wer in der Kreisstadt schöne Wege sucht, wird erstaunt sein, wie groß die Abwechslung ist. Der Westfälische Heimatbund (WHB) präsentiert auf seiner Homepage gleich eine ganze Reihe von Strecken, die für jeden Geschmack (und jede Kondition) etwas bereithalten. Dazu gehören Kurzstrecken- ebenso wie Rundwanderwege sowie Hauptwanderwege, auf denen Steinfurt „nur“ Zwischenstation ist. Zudem wird der Wanderfreund auf den Websites des Steinfurter Land Tourismus und der Steinfurt Marketing & Touristik (SMarT) fündig.

Als Outdoor-Aktivität zum Beispiel für einen Sonntagnachmittag bieten sich die vier Rundwanderwege an, die vom WHB beziehungsweise von den örtlichen Tourismuszentralen empfohlen werden und eine Länge zwischen 10,2 und 15,2 Kilometern haben. Ihr Vorteil: Sie führen zum Ausgangspunkt zurück. Praktisch, wenn man dort den Wagen geparkt hat und gleich einsteigen kann. Die beiden Klassiker sind der Mühlen- und der Konzertgalerieweg, beide durch markante Logos gekennzeichnet. Erstgenannter verbindet auf zehn Kilometern die Nieder-, Ober- und Hollicher Mühle und führt dabei auch durch das Bagno- und Buchenberggebiet. Ganze fünf Kilometer länger ist der Konzertgalerieweg, der die beiden Steinfurter Ortsteile über das Bagno-Buchenberg-Gebiet verbindet und an zentraler Stelle den ältesten frei stehenden Konzertsaal des Kontinents passiert.

So etwas wie ein Pendant zu dem auf ehemaligen Burgsteinfurter Stadtgrund geführten Mühlenrundweg ist die Buchenberg-Runde im Stadtteil Borghorst. Die rund elf Kilometer lange Strecke führt den Wanderer vom Heimathaus in das Waldgebiet mit Aussichtsplattform und weiter bis in die Bauerschaft Hollich. Über Ostendorf geht es zurück durch die Parklandschaft zum Ausgangspunkt.

Der WHB empfiehlt als weiteren Rundwanderweg den R8, der dem Mühlenrundweg ähnelt, aber mit 13,6 Kilometern durch das Bagno-Buchenberg-Gebiet und die Bauerschaft Hollich insgesamt noch etwas weiter geführt wird. Start und Ziel ist der Bagno-Parkplatz an der Landstraße 510. Die Markierung ist diesmal eine Raute. Auf der Website outdooractive.de wird die Route mit 3,7 von fünf Sternen bewertet. „Die Runde ist gut zu laufen und es gibt einige Highlights“, schreibt beispielsweise User Holger Gemassmer. Seine Kritikpunkte: Leider sei der Bagno-See am Wochenende komplett überlaufen und das Tagesticket am Bagno-Parkplatz schlage mit fünf Euro zu Buche. „Eine schöne Strecke mit viel Wald“, ergänzt Sandra Pöpper.

Der Heimatverein Borghorst hat vor einigen Jahren zudem drei Rundwanderwege ausgewiesen, die allesamt am Wandererparkplatz am Fuß des Buchenbergs an der Burgsteinfurter Straße aus starten. Die Strecken A 1 bis A 3 des Heimatvereins beginnen alle am Wandererparkplatz, am Fuß des Buchenbergs an der Burgsteinfurter Straße gelegen. Während die längste Strecke am Hof Schulze Spenneberg vorbei rund um den Buchenberg führt, geht es auf den beiden kürzeren Strecken zum höchsten Punkt des Buchenbergs, dem Wasserbehälter auf 108 Metern Höhe. Durch den „Canonikusbusch“ und die „Liete“ sind die Wanderer auf den Rundwegen unterwegs. Die Wege kreuzen den Lehrpfad am Liethweg und den Kalenderbaum, der wichtige Ereignisse aus der Borghorster Geschichte der vergangenen 200 Jahre zeigt.

Mit dem K10b „Von Burgsteinfurt nach Metelen“, der in der Variante 10a weiter bis nach Ochtrup geführt wird sowie dem K22 „Von Burgsteinfurt nach Horstmar“ weist der WHB zudem auf zwei ausgewiesene Kurzwanderwege hin. Ersterer weist auf die Tradition der Hollandgänger hin, die im 18. Jahrhundert ins Nachbarland gingen, um dort für einige Monate zu arbeiten. Er entspricht einem Teilstück des Hauptwanderwegs „Tecklenburg-Zwillbrock“. Vom Bahnhof Burgsteinfurt folgt man den X-Zeichen des Hauptwanderwegs in die Metelener Heide bis zum Bahnhof Metelen-Land, von wo aus eine Rückkehrmöglichkeit nach Burgsteinfurt besteht. Wem die 8,2 Kilometer zu kurz sind, wandert weiter über die Stationen Wasserburg Haus Welbergen, den Ort Welbergen bis nach Ochtrup zum dortigen Bahnhof und kommt so auf beachtliche 23 Kilometer. Fünfeinhalb Stunden sollte man dafür einplanen.

Landschaftlich sehr reizvoll ist zudem der 15,4 Kilometer lange K22, der vom Bahnhof Burgsteinfurt in die Stadt der Burgmannshöfe Horstmar führt. Über einen Schlenker durch das Bagno geht es zur Nünningsmühle und weiter nach Haus Alst, ein Kleinod der niederländischen Renaissance. Die Altstadt von Horstmar gilt mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden als besonderes sehenswert. Zurück geht es in diesem Fall mit dem Linienbus.

Interview mit Ute Wolbeck-Fiedler (Steinfurter Land Tourismus)

Nicht nur Steinfurt selbst, sondern auch die umliegenden Orte in der Region neu kennenlernen – diese Erfahrung hätten in den zurückliegenden Monaten ganz viele Wanderfreunde und Spaziergänger gemacht, sagt Ute Wolbeck-Fiedler. Die Projektmanagerin, die im SMarT-Team das Leader-Projekt „Steinfurter Land Tourismus“ betreut und als Ansprechpartnerin für die zehn beteiligten Kommunen fungiert, freut sich über diesen „Boom“. Die Leute seien in der Coronazeit froh über jeden Freizeittipp.

Als im vergangenen Herbst die Sammelbroschüre „Zu Fuß unterwegs im Steinfurter Land“ veröffentlicht worden sei, sei die Nachfrage enorm gewesen. „Die gedruckten Exemplare sind uns sozusagen aus den Händen gerissen worden“, berichtet die Projektmanagerin.Bei den zwölf regionalen Wander- beziehungsweise Spazierrouten, die der auch online verfügbare Flyer vorstellt, ist Steinfurt selbst mit der Buchenbergrunde vertreten. Sowohl bei der Planung als auch beim Anbringen der Beschilderung sei der Heimatverein Borghorst sehr behilflich gewesen, merkt die Projektmanagerin an.

Angespornt durch die große Resonanz sollen in naher Zukunft weitere Routen ausgearbeitet werden, kündigte Ute Wolbeck-Fiedler an.„Wir haben mit unserem Angebot offensichtlich den Nerv der Leute getroffen“, freut sie sich über das zahlreiche positive Feedback auf das Angebot – sei es nun in Form von Telefonaten oder Mails. Das Naturnähe Entschleunigung bedeutet, man den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes wieder frei bekommt für kommende Aufgaben, das werde von vielen in diesen Tagen neu entdeckt. Ute Wolbeck-Fiedler: „Die Wanderlust und die Lust auf das Entdecken der Region steigt, und zwar unabhängig von der Jahreszeit.“

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Bleiben noch die beiden Hauptwanderwege, mit denen Steinfurt an das regionale Wandernetz des WHB angebunden ist: Der von Vreden-Zwillbrock nach Tecklenburg führende X6 führt von der Metelener Heide kommend quer durch Burgsteinfurt inklusive der Altstadt entlang des Schlosses durch das Bagno und den Buchenberg nördlich von Borghorst durch Ostendorf. Bei Ahlintel kreuzt er den neuen MAX (Max-Clemens-Kanal-Wanderweg). Von Norden her führt zudem der X11 von Rheine nach Maria Veen (Ortsteil von Reken) durch Steinfurt. Südlich des Borghorster Venns bis zur Konzertgalerie verläuft er auf der gleichen Trasse wie der X6, um danach nach Süden in Richtung Nünningsmühle und Horstmar abzubiegen. Beide sind mit 112 beziehungsweise 86 Kilometern Länge als Mehrtagestour eingeordnet.

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