Projekt „Dritte Orte“: Ministerium für Kultur und Wissenschaft fördert Umbau alter jüdischer Schule nicht
Irritation über Düsseldorfer Absage

BurgSteinfurt -

Für die Verantwortlichen war es eine enttäuschende Nachricht, die vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft aus Düsseldorf kam: Das von ihnen gemeinsam mit großer Bürgerbeteiligung in den Stiel gestoßene Projekt „Umbau der alten jüdischen Schule zu einer interkulturellen und intergenerativen Begegnungsstätte“ wird nicht im Rahmen des Programms „Dritte Orte“ gefördert. Den Kopf in den Sand stecken wollen sie indes nicht, sondern nun nach anderen Fördermöglichkeiten für das ambitionierte Projekt suchen.

Mittwoch, 20.01.2021, 19:09 Uhr
Aufgrund des Fehlens eines Versammlungsraumes sah der Konzeptvorschlag den Anbau eines Glastraktes vor, der bei Bedarf auch mit relativ wenig Aufwand wieder hätte deinstalliert werden können.
Aufgrund des Fehlens eines Versammlungsraumes sah der Konzeptvorschlag den Anbau eines Glastraktes vor, der bei Bedarf auch mit relativ wenig Aufwand wieder hätte deinstalliert werden können. Foto: Stadt Steinfurt

Für die Verantwortlichen des Trägervereins sowie die mit im Boot sitzenden Vereine und Institutionen war es eine enttäuschende Nachricht, die noch im alten Jahr vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft aus Düsseldorf kam: Das von ihnen gemeinsam mit großer Bürgerbeteiligung in den Stiel gestoßene Projekt „Umbau der alten jüdischen Schule zu einer interkulturellen und intergenerativen Begegnungsstätte“ wird nicht im Rahmen des Programms „Dritte Orte“ gefördert.

„Das vom Verein zur Förderung der Steinfurter Stadtentwicklung eingereichte Konzept hat trotz detaillierter Abstimmung mit dem vorgeschalteten Programmbüro keine Förderempfehlung bekommen“, erklärte jetzt im Pressegespräch Dr. Barbara Herrmann, die die Antragstellung vonseiten des Kulturforums und des Heimatvereins Burgsteinfurt mit begleitet hatte. Das habe alle Akteure doch „sehr irritiert“. Letztlich ausschlaggebend für das Aus der Steinfurter Bewerbung waren wohl zu große Unterschiede in der Auffassung über den Umfang notwendiger baulicher Maßnahmen am Gebäude.

14 der 17 landesweit eingereichten Förderanträge waren positiv beschieden worden. Hinzu kamen zwölf weitere, die ihren Hut erst nach der Konzeptphase in den Ring geworfen hatten. Ihnen winken jetzt jeweils bis zu 450 000 Euro Fördergeld, verteilt auf die Jahre 2021 bis 2023.

Die Ambitionen der Antragstellung aus Steinfurt, die mit 50 000 Euro gefördert wurde, waren groß, wie aus den Ausführungen des Baudezernenten hervorgeht. „Natürlich ist es in erster Linie ein Kulturprojekt“, räumte Hans Schröder im Pressegespräch ein. Aber ohne bauliche Maßnahmen könne eine Projektumsetzung eben auch nicht erfolgen.

So war der Anbau eines Glaskubus in der Planung, um einen Versammlungsraum realisieren zu können. Im Obergeschoss des Gebäudes, das sich im städtischen Besitz befindet und als Mietobjekt fungiert, war als jeweils zeitlich befristete Nutzung eine Künstlerresidenz angedacht – so, wie es beispielsweise in nahen Schöppingen im dortigen Künstlerdorf im größeren Stil betrieben wird. Ebenfalls einbezogen war zudem die Einrichtung einer öffentlichen Grünfläche im Sinne des „Urban Gardening“ im nahen Lesegarten der Hohen Schule. Gleichzeitig wurde thematisch eine umfangreiche Veranstaltungsplanung vorgelegt, die unter Einbeziehung vieler Kooperationspartner realisiert werden sollte.

„Das Alleinstellungsmerkmal des Konzepts sah vor, dass Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Alters zu Veranstaltungen in die jüdische Schule kommen und dies auch entsprechend artikulieren“, so Barbara Herrmann. Das Projekt hätte damit nachhaltig aufkommender extremistischer Tendenzen bis hin zur Demokratiefeindlichkeit entgegenwirken können – und damit auch eine politische Dimension gehabt“, bedauert die Heimatvereinsvorsitzende.

Aber auch wenn die Absage enttäuschend für die Akteure, darunter auch die des extra im Vorfeld gegründeten Trägervereins unter Vorsitz von Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer ist, – den Kopf in den Sand stecken will keiner von ihnen. Auch angesichts der bereits geleisteten umfangreichen Vorarbeit soll das Vorhaben weiter verfolgt werden. „Wir werden nach anderen Fördermöglichkeiten Ausschau halten“, kündigte Dr. Peter Krevert vom Kulturforum an. Es biete sich eine Fortführung im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) an, lautete der Vorschlag von Hans Schröder, der die Absage im Übrigen nicht zu negativ bewerten wollte. „Das ist immer ein bisschen wie Lotterie und durchaus ganz normaler Alltag.“ Und auch der Trägerverein bleibt am Ball. „Wir werden uns weiter einbringen“, bekräftigte Claudia Bögel-Hoyer.

Das Ministerium habe angeboten, die Antragstellung nachzubessern, so Barbara Herrmann. Davon werde man aber keinen Gebrauch machen. Dass die Möglichkeit eingeräumt wurde, sehe man dabei jedoch durchaus positiv.

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