Vereine ein Jahr in der Corona-Krise
Aus den Augen, aus dem Sinn?

Steinfurt -

Egal, ob Männergesangverein oder Schützengesellschaft, Frauengemeinschaft oder Heimatfreunde – die Sorgen, das Hadern mit dem unfreiwilligen Hände-in-Schoß-Legen, aber auch die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, das alles bewegt die Mitglieder der großen Steinfurter Vereinsfamilie über alle Interessensgrenzen hinweg. Corona, Corona, Corona, Corona. Wie viele Veranstaltungen mussten in den letzten Monaten abgesagt und Jahresprogramme in den Papierkorb geworfen werden! Unterkriegen lassen, das ist das Mut machende Ergebnis einer kleinen Umfrage unter einigen Vorständen, das wollen sich die Steinfurter aber auf keinen Fall.

Freitag, 05.02.2021, 15:45 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 17:06 Uhr
Die Vereine leiden alle unter Corona, egal ob MGV, Frauengemeinschaft, Schützen oder Heimatvereine. Aber alle geben die Hoffnung nicht auf, dass es bald ganz normal weitergehen kann.
Die Vereine leiden alle unter Corona, egal ob MGV, Frauengemeinschaft, Schützen oder Heimatvereine. Aber alle geben die Hoffnung nicht auf, dass es bald ganz normal weitergehen kann. Foto: ar/Theresa Gerks

 

Allerdings stark sein, das müssen sie wohl noch eine Weile. Wie zum Beispiel die Schützen. In diesem Sommer werden wahrscheinlich keine Büchsen unter den Vogelstangen knallen. Bei den Vereinigten in Borghorst fehlt zwar noch ein einheitlicher Beschluss, wie Zweiter Schriftführer Frank Zimmermann nach einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden in dieser Woche berichtete. Für einige ist aber jetzt schon klar, dass das Schützenfest in diesem Jahr ausfällt. Kai Laukemper, Vorsitzender der Prinzen: „Wir feiern nicht.“ Stattdessen versucht der Vorstand, mit vielen kleinen Aktionen bei den Mitgliedern zu bleiben. Wie zum Beispiel Verlosungen. Laukemper gibt aber gerne zu: „Es wird natürlich immer schwerer. So langsam gehen einem die Ideen aus.“

Horst Neier als Vorsitzender IG der Burgsteinfurter Schützen, kann sich persönlich schwer vorstellen, dass in diesem Jahr Schützenkönige bejubelt werden. „Wer will dafür die Verantwortung übernehmen?“ Konkrete Beschlüsse der Vereine stünden aber noch aus.

Helge Hinsenkamp, Vorsitzender der Vorstädter Burgsteinfurt, hat mit seinen Vereinsmitgliedern schon 2020 digital auf einen Vogel schießen lassen. „Vielleicht machen wir das dieses Jahr wieder.“ Fest steht: „Wir müssen den Mitgliedern was bieten.“ Obwohl er stolz ist auf eine „sehr stabile Vereinsbasis“.

„Tote Hose“ – so bringt Helmut Tegethoff als Vorsitzender des MGV Borghorst den Zustand des Vereinslebens auf den Punkt. Alle Mitglieder hoffen auf den 30. Oktober. Dann soll das im letzten Jahr abgesagte Konzert „Schlagerparade“ nachgeholt werden. Tegethoff treibt schon die Sorge um, ob nach dem Lockdown-Ende alle Freizeit-Sänger wieder an Bord sind. „Die meisten fragen allerdings schon, wann es wieder los geht“, erzählt der Vorsitzende. Und fügt lachend hinzu: „Manchmal fragen auch die Frauen. . .“

Bei den Heimatvereinen dies- und jenseits des Buchenberges ist die Situation ähnlich. Dr. Barbara Herrmann beobachtet bei den Stemmerter Heimatfreunden insbesondere den Verlust der sozialen Kontakte, die für viele, gerade für die Alleinstehenden, nur schwer zu verkraften seien. Die Online-Möglichkeiten seien da nur ein schwacher Trost: „Kaffeetrinken in einer Videokonferenz geht halt nicht so gut.“ Veranstaltungen in 2021 seien viele geplant. „Sobald wir dürfen, kann es losgehen.“

Das sagt auch Kollege Alfred Heptner aus Borghorst. „Wir können und werden kurzfristig was anbieten können.“ Aber auch die Borghorster vermissen die Geselligkeit, wie zum Beispiel die Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Bedenken, dass aus den Augen aus dem Sinn bedeuten könnten, bewahrheiten sich beim Blick in die Mitgliederliste bislang noch nicht. „Sie halten uns die Treue“, freut sich Heptner. Allerdings: „Durch das brachliegende Vereinsleben können wir keine neuen Mitglieder werben.“

Elisabeth Schulte vom Leitungsteam der Frauengemeinschaft St. Nikomedes sieht sich und ihre Mitstreiterinnen durch Corona vor völlig neue Herausforderungen gestellt. „Wir planen und müssen kurzfristig reagieren.“ Das Halbjahresprogramm für 2021 habe man noch gar nicht in Druck gegeben. Um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, legen die Helferinnen zum Beispiel bei Geburtstagen einen Strauß vor die Tür. Die Monatshefte werden mit dem Fahrrad rumgebracht. Wie der Weltgebetstag am 5. März gefeiert wird, live oder online, das wissen die Frauen noch nicht. Elisabeth Schulte: „Er findet aber statt, auf jeden Fall.“ Um 17 Uhr in der Nikomedeskirche.

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