Stadt will auch das Räumen der Nebenstraßen organisieren
Nach der Pflicht heute die Kür?

Steinfurt -

Die weiße Pracht hat auch Steinfurt fest im Griff. Die ganz großen Katastrophen blieben bislang aus. Die Schulen sind erstmal dicht, die Müllabfuhr muss pausieren, dafür müssen die Bauhof-Mitarbeiter seit dem Wochenende rund um die Uhr Gas geben.

Montag, 08.02.2021, 16:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 13:10 Uhr
Deine Spuren im Schnee: Kaum waren die Räumfahrzeuge durch die Innenstadt gefahren, war die Fußgängerzone schon wieder unter der weiß-grauen Schneeschicht verschwunden.
Deine Spuren im Schnee: Kaum waren die Räumfahrzeuge durch die Innenstadt gefahren, war die Fußgängerzone schon wieder unter der weiß-grauen Schneeschicht verschwunden. Foto: Axel Roll

Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten genügend Zeit, sich auf das sanft von oben herabrieselnde Unheil einzustellen. „Wir haben alle Kollegen in Bereitschaft versetzt. Die sind dann ab Samstagmorgen um vier Uhr in Doppelschichten gefahren“, berichtet Bernd Katerkamp vom Baubetriebsamt über den stressigsten Wintereinsatz seit Jahren. Auch wenn sich die Kollegen mit den insgesamt zehn Fahrzeugen auf die Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit besonderem Gefahrenpotenzial konzentrieren – wie es der Plan für den Winterdienst auch vorsieht – durch den andauernden Schneefall blieb das Schwarz des Straßenasphalts trotzdem gut versteckt. Nach Einschätzung von Katerkamp werden die Bauhof-Mitarbeiter bis Dienstagvormittag ununterbrochen im Einsatz bleiben.

„Das ist die reine Pflicht“, betont der Mitarbeiter des Baubetriebsamtes. Um die Kür kümmert sich derweil Niels Herrmann als Leiter des Fachdienstes Tiefbau. „Wir wollen auch die größeren Nebenstraßen räumen“, versprach er den vielen festsitzenden Autofahrern. Die Verwaltung will das mit Hilfe der Landwirte und Lohnunternehmer organisieren. „Wir stehen in Kontakt mit den Landwirtschaftlichen Ortsvereinen und haben auch schon die ersten Schlepper organisiert“, sagte Herrmann am Montagnachmittag. Übrigens vom Homeoffice in Roxel aus. Der Fachdienstleiter kam selbst aus seinem Wohngebiet nicht weg.

Schon am Montag sollten die ersten Nebenstraße im Stadtgebiet geräumt werden. „Parallel appellieren wir an die Nachbarschaftshilfe der Bürger“, warb Herrmann für Verständnis, dass die von der Stadt organisierten Privat-Trecker nicht überall hinkommen werden. Diese Nachbarschaftshilfe hatte in vielen Fällen schon am Sonntag zahlreichen Steinfurtern aus der Bredouille geholfen. Facebook und Co. waren voll mit Danksagungen an die Landwirte, die mit ihren Treckern entweder Schnee geräumt oder festgefahrene Autos freigeschleppt hatten.

Bei so viel Schnee zwangsparken auch am heutigen Dienstag die Müllwagen in ihren Depots. Schon am Montag blieben die Tonnen in Steinfurt ungeleert. Ob es am Mittwoch wie gewohnt auf Abfall-Tour gehen kann, war am Montag noch nicht abzusehen. Die städtischen Schulen bleiben auf jeden Fall bis einschließlich Mittwoch erst einmal geschlossen, wie es aus dem Büro der Bürgermeisterin am Montag verlautete. Außerdem ist das Standesamt dicht, während das Einwohnermeldeamt im Rathaus wie gewohnt geöffnet hat.

Zwei-Tage-Marathon für Winterdienst

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  • Schneechaos in der Borghorster Innenstadt

    Foto: Axel Roll
  • Schneechaos in der Borghorster Innenstadt

    Foto: Axel Roll
  • Schneechaos in der Borghorster Innenstadt

    Foto: Axel Roll
  • Schneechaos in der Borghorster Innenstadt

    Foto: Axel Roll
  • Schneechaos in der Borghorster Innenstadt

    Foto: Axel Roll
  • Schneechaos Borghorster Innenstadt, Schneeräumen auf der Lechtestraße

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  • Schneeräumen vor der Borghorster Feuerwache

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  • Treckerfahrer auf der Danziger Straße

    Foto: Axel Roll
  • Wintereinbruch in Burgsteinfurt, Was fehlt?

    Foto: privat

Das Krankenhaus musste schon am Sonntag auf ehrenamtliche Hilfe zurückgreifen. Das mit dem Räumen beauftragte Unternehmen saß mit seinen Fahrzeugen selber fest. Da sprang Holzlieferant Christian Tönis ein und machte vor den Krankenhaus-Eingängen Tabula rasa.

Polizei und Feuerwehr wurden durch Schnee und Eis nicht so stark gefordert wie befürchtet. „Wir hatten nur ein paar kleinere Einsätze“, bilanzierte Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann auf Anfrage. Der Alarm vom Sonntag „Dach von Supermarkt unter den Schneemassen eingestürzt“ stellte sich vor Ort längst nicht so dramatisch dar. Durch ein offenes Oberlicht war Schnee in die Zwischendecke und den Laden gelangt. Unterstützung konnten zum Teil die Rettungswagen gebrauchen, die nicht über Allradantrieb verfügen und für die es in einigen Fällen darum kein Durchkommen gab.

Am Montag musste die Drehleiter raus, weil die Zelte über den Becken einer Biogasanlage drohten, unter den Schneemassen einzureißen. Die Situation war im Allgemeinen aber so entspannt, dass die verhängte Bereitschaft bereits am Sonntagmittag wieder aufgelöst werden konnte für die Feuerwehr-Kameraden.

Heike Piepel als Sprecherin der Kreispolizeibehörde lobte das umsichtige Verhalten der Bürger: „Wer nicht eben musste, der ist auch zu Hause geblieben.“ Am Sonntag und Montag zählte sie kreisweit 45 witterungsbedingte Einsätze ihrer Polizeikollegen. Darunter acht Unfälle, alles nur Blechschäden. „Personen wurden nicht verletzt.“ Schwerpunkt der Schneeeinsätze waren die höheren Lagen im Kreis zwischen Ibbenbüren und Tecklenburg. „Oftmals mussten wir raus, weil sich Fahrzeuge festgefahren hatten und dann die Straßen versperrten“, so Heike Piepel. Im Berufsverkehr am Montagmorgen habe es keine Auffälligkeiten gegeben – trotz des eingestellten Öffentlichen Personennahverkehrs.

 

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