Corona und Praktikum: Etwa ein Drittel der Berufskolleg-Schüler geht im Moment leer aus
Die schwierige Suche nach dem Glück

Steinfurt -

Corona und Praktikum, das passt nicht gut zusammen. Viele Berufskolleg-Schüler bekommen bei der Suche nach einem Praktikumsplatz derzeit Absagen. So ging es auch Thomas Stroscherer bei etlichen Anfragen. Dann hatte er doch noch Glück.

Sonntag, 14.02.2021, 21:28 Uhr
Vorbereitung für ein Image-Video: Thomas Stroscherer (l.) fotografiert David Edenfeld (Verkauf und Kommunikation im Autohaus Willbrand) in einem neuen Fahrzeugmodell, das beworben werden soll.
Vorbereitung für ein Image-Video: Thomas Stroscherer (l.) fotografiert David Edenfeld (Verkauf und Kommunikation im Autohaus Willbrand) in einem neuen Fahrzeugmodell, das beworben werden soll. Foto: TSS/Valk

Es gab Absagen über Absagen. Eine Bewerbung nach der anderen – vergebens. „Es tut uns leid, wegen der Corona-Pandemie ist ein Praktikum in unserer Firma derzeit leider nicht möglich.“ Mehr als 30 solcher Antworten hat Thomas Stroscherer erhalten. Lebensläufe und Bewerbungsanschreiben hat er per Post oder per E-Mail verschickt, er hat angerufen, sich auch persönlich vorgestellt – nichts. „Corona-Zeit ist keine gute Zeit, um einen Praktikumsplatz zu bekommen“, sagt der 22-jährige Borghorster – und mit dieser Erfahrung steht der Schüler des Berufskollegs Technische Schulen Steinfurt längst nicht alleine da.

An vielen Berufskollegs des Kreises Steinfurt ist kurz nach den Halbjahreszeugnissen Praktikumszeit. Hunderte Schülerinnen und Schüler haben sich daher in den vergangenen Wochen und Monaten auf die Suche nach einem Platz gemacht, denn ein Praktikum ist in einigen Bildungsgängen Voraussetzung, um den angestrebten Abschluss zu erreichen. Corona hat bereits im vergangenen Jahr bei der Praktikumssuche für Schwierigkeiten gesorgt, in diesem Jahr noch deutlich mehr.

„Im Winter 2020 haben wir es geschafft, dass alle unsere Schüler einen Praktikumsplatz bekommen haben. Dieses Mal ist das leider nicht gelungen“, sagt Tobias Weber, Bildungsgangleiter für die Berufsfachschulen an den Technischen Schulen. Etwa ein Drittel sei leer ausgegangen. „Da müssen wir schauen, dass sie das Praktikum kurz vor und in den Osterferien nachholen können.“ Weber hofft wie seine Kollegen in den anderen Berufskollegs, dass die Betriebe sich offen zeigen und den Schülern eine Chance geben. „Mit Hartnäckigkeit, Engagement und ein bisschen Glück müssten dann alle, die jetzt nichts haben, einen Platz bekommen.“

Ein bisschen Glück. Thomas Stroscherer hat es gehabt, gepaart mit dem Willen, nicht aufzugeben. So hat er im allerletzten Moment, drei Tage nach Beginn der offiziellen dreiwöchigen Praktikumsphase, doch noch etwas gefunden. Im Autohaus Willbrand in Borghorst hat der Chef Günther Willbrand gleich „grünes Licht“ gegeben, als sich Stroscherer vorstellte. „Wir haben jedes Jahr rund 30 Praktikanten in den verschiedensten Bereichen unseres Hauses, und wir versuchen, das unter Wahrung aller Hygiene-Regeln auch in dieser Zeit beizubehalten“, sagt Willbrand.

Genug Arbeit sei immer da – auch für Thomas Stroscherer, und das, obwohl der junge Mann an seiner Schule nicht Kfz, sondern Mediengestaltung als Schwerpunkt hat. „Passt trotzdem sehr gut“, freut sich Stroscherer. Denn er darf, nachdem er zuerst Verkauf, Büro und Auto-Werkstatt kennengelernt hat, in seinem Praktikum nun kleine Info- und Werbevideos für das Autohaus gestalten. „Genau mein Ding als Mediengestalter. Super-Praktikum.“

Für alle Bildungsgänge der Technischen Schulen besteht noch bis zum 19. Februar die Möglichkeit, sich für das nächste Schuljahr anzumelden. Auch eine Beratung, die digital durchgeführt wird, kann unter Telefon 0 25 51/86 36 0 vereinbart werden. Weitere Infos online.

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