Steinfurt auf dem Weg zum Luftkurort
Dicke Luft über Steinfurt?

Steinfurt -

Der dicke Daumen und der Bauch von Achim Bädorf sagen: „Das klappt.“ Da diese beiden körperlichen Messgeräte des Geschäftsführers des nordrhein-westfälischen Heilbäderverbandes leider nicht offiziell geeicht sind, müssen in den nächsten Wochen und Monaten sechs technisch ausgeklügelte „Schnüffeltüten“ aushelfen. Die Messstationen checken die Luftqualität über Borghorst wie Burgsteinfurt – wer es genauer wissen möchte: es geht dabei um die Stickoxide und den Feinstaub – an vorher genau festgelegten Messpunkten. Bescheinigen die Gerätschaften der Stadt eine außergewöhnlich gute Luftqualität, ist die erste Hürde auf dem Weg zum Luftkurort Steinfurt genommen. Und Daumen und Bauch von Achim Bädorf hätten Recht behalten. . .

Mittwoch, 17.02.2021, 14:06 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 15:40 Uhr
Mit sensiblen Messgeräten wird in den kommenden Wochen die Luftqualität von Steinfurt getestet. Achim Bädorf (r.) vom NRW-Heilbäderverband und Georg Schießl (2.v.r.) stellten am Mittwoch das Verfahren Fachdienstleiter Stefan Albers, SMarT-Geschäftsführerin Marion Kessens und Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer im Posthotel Riehemann vor.
Mit sensiblen Messgeräten wird in den kommenden Wochen die Luftqualität von Steinfurt getestet. Achim Bädorf (r.) vom NRW-Heilbäderverband und Georg Schießl (2.v.r.) stellten am Mittwoch das Verfahren Fachdienstleiter Stefan Albers, SMarT-Geschäftsführerin Marion Kessens und Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer im Posthotel Riehemann vor. Foto: Axel Roll

 

Marion Kessens, Geschäftsführerin der Steinfurter Marketing und Touristik (SMarT), geht davon aus, dass es in sechs bis acht Wochen schon eine erste Tendenz bei den Messungen gibt. „Dann sehen wir, ob es sich lohnt weiterzumachen oder nicht.“ Achim Bädorf, aus dem äußersten Zipfel des Rheinlandes, nämlich aus Bad Münstereifel angereist, sind bei einer ersten Inspektionstour durch beide Stadtteile keine Fallstricke wie dicke qualmende Fabrikschlote oder ein Autobahnkreuz vor der Haustür aufgefallen. Er ist derzeit mit Georg Schießl in der Stadt. Letztgenannter zeichnet für die Luftmessungen verantwortlich.

Marion Kessens ist sich mit Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer einig: „Das Prädikat Luftkurort würde Steinfurt deutlich nach vorne bringen.“ Wandern und Radfahren, damit werbe heute jeder Ort im Münsterland. Aber vom Luftkurort Steinfurt aus die Gegend erkunden, das könne ein Alleinstellungsmerkmal werden, ist die SMarT-Geschäftsführerin überzeugt. Bislang spiele das Prädikat bei der Auswahl des Reiseziels keine große Rolle. Was nicht ist, das könne aber werden. Achim Bädorf weiß aus Erfahrung: „Das Thema Luftqualität wird nicht zuletzt durch Corona immer wichtiger.“ So würden sich jedes Jahr neue Kommunen um das Prädikat Luftkurort bewerben. Bislang gibt es bundesweit 600 Städte und Gemeinden, die diesen Titel tragen dürfen.

Die Messlatte liegt hoch. Gerade für Steinfurt. Denn jeder Ortsteil für sich muss die Kriterien erfüllen, damit sich Steinfurt als Gesamtstadt mit der Auszeichnung schmücken darf. „Wenn allerdings nur ein Stadtteil den Anforderungskatalog erfüllt, profitiert trotzdem die Stadt in ihrer Gesamtheit“, ist Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer überzeugt. Sie freut sich, dass die Politik in ihrer Gesamtheit hinter dem Vorhaben steht.

Ganz fremd ist Politik und Verwaltung so ein Bewerbungsverfahren nicht. Steinfurt ist ja schon seit vielen Jahren Erholungsort. Streng genommen nur Burgsteinfurt, das Bagno und Teile des Buchenbergs. Beim Blick in den Kriterienkatalog wird deutlich, dass es bei der Infrastruktur an der ein oder anderen Stelle in Stadt noch gehörig hapert. Da ist ein Terrain-Wanderweg, auf dem der Kreislauf richtig in Schwung kommen soll, noch das kleinere Problem. Für Burgsteinfurt fehlt definitiv noch ein ein Hotel. Ohne so eine Beherbergungsmöglichkeit kein Luftkurort.

Auf Marion Kessens kommen in den nächsten Wochen neue Aufgaben zu. Sie muss alle zwei Wochen die Filter in den Messstationen auswechseln und an Georg Schießl weiterleiten, der dann die Luftbelastung mit Stickoxiden und Feinstaub in seinem Labor ermittelt. Zwei der Geräte stehen an den Touristik-Informationsstellen, also am Alten und neuen Rathaus, die anderen in den später als Kurpark geführten Grünanlagen. Wenn Daumen und Bauch von Achim Bädorf Recht behalten, kann ja eigentlich nichts schief gehen. . .

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