Wetterfrosch Kevin Smith blickt auf die Extremwetterlage der vergangenen Woche zurück
„Wir haben die Nacht durchgemacht“

Steinfurt -

Als Betreiber der regionalen Facebook-Wetterseite „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“ ist der Burgsteinfurter Kevin Smith längst kein Unbekannter mehr in der Kreisstadt. 18000 Abonnenten hat das Angebot im sozialen Netzwerk aktuell. Nach dem extremen Wintereinbruch der vergangenen Woche hat sich das Interesse nochmals erhöht. Gemeinsam mit dieser Zeitung zieht der 31-jährige Wetterfrosch Bilanz.

Mittwoch, 17.02.2021, 17:35 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 15:30 Uhr
Kevin Smith betreibt an der Goldstraße eine private Wetterstation und informiert Wetterinteressierte seit 2016 via Facebook auf „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“.
Kevin Smith betreibt an der Goldstraße eine private Wetterstation und informiert Wetterinteressierte seit 2016 via Facebook auf „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“. Foto: rs

Kevin Smith ist ein wenig im Zwiespalt: Als Alltagsmensch, der schnell und sicher zur Arbeit kommen oder zum Einkaufen gehen möchte, ist der Burgsteinfurter ganz froh, dass es mit den Schneemassen der vergangenen Woche nun vorbei ist. Aber das Wetter ist für den 31-Jährigen eben nicht nur eine Begleiterscheinung im Leben, sondern mehr: eine Leidenschaft. Und so war das vorletzte Wochenende, an dem der Winter mit Wucht über die Kreisstadt hereinbrach, für den Betreiber einer semiprofessionellen Wetterstation vor allem eines: ein ganz besonderes Ereignis.

„So etwas erlebt man in diesen Gefilden ansonsten nicht oft“, konstatiert der junge Familienvater, der 2016 zusammen mit Kompagnon Fabian Querl im sozialen Netzwerk Facebook die Seite „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“ mit aktuell über 18 000 Abonnenten initiiert hat. Zweimal täglich postet Smith dort seitdem ehrenamtlich eine regionale Wettervorhersage. Dass er dabei vor Extremwetter mit der höchsten Warnstufe berichten kann, kam seit Bestehen der Seite nur ganze zwei Mal vor. Fast 800 Mal wurde sein Post vom Tag des Wintereinbruchs, den 7. Februar, mit der dunkellila eingefärbten Karte des Kreises Steinfurt (Warnung vor Unwetter extrem) geteilt.

Schon rund eine Woche vorher habe sich die ungewöhnliche Wetterlage angedeutet, blickt der Wetterfrosch auf das Schneeereignis zurück. Der Puls bei den Wetterbeobachtern stieg, als sich am Donnerstag zunehmend herauskristallisierte, dass es im Grenzbereich zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu größeren Schneemassen kommen wird. Als es dann Samstag akut wurde, war bei Smith und seinen Kollegen an Schlaf kaum mehr zu denken. „Wir sind von der Arbeit gekommen, haben uns an die Computer gesetzt und mit viel Kaffee die Nacht durchgemacht“, blickt der 31-Jährige zurück. Aber das sei in einer solchen Situation keine Last, „schließlich brennen wir für die Sache“.

Das Besondere an dem Schneeereignis war eine Ostlage, wie sie auch beim vielzitierten Schneechaos vor mittlerweile 16 Jahren im Münsterland aufgetreten ist. Entscheidend für den vielen Schnee sei gewesen, dass Steinfurt genau auf einer Linie von zwei Luftmassen mit markanten Temperaturunterschieden gelegen habe, erklärt der Wettermann. Sehr kalte Polarluft habe sich von Norden unter die bis dahin wetterbestimmende, relativ milde und feuchte Luft aus Süden geschoben und diese angehoben. Dabei kühlte sie sich ab, die Feuchte konnte nicht mehr gehalten werden und es fing an zu schneien – und zwar ausgiebig. „Der starke Ostwind hat dem Ganzen dann noch ein i-Tüpfelchen aufgesetzt und für teils sehr starke Verwehungen gesorgt“, sagt Smith.

„Lohn“ für den unermüdlichen Einsatz des Wettermanns und seiner Mitstreiter: Viel Lob von den Usern der „Wettergeschehen“-Seite und der angeschlossenen Untergruppen „Wettermelder-Gruppe Kreis Steinfurt/Kreis Borken/Stadt Münster“ sowie „Stormchaser-Team Münsterland“, die als „jüngstes Kind“ seit 2018 existiert. Und, was die Initiatoren natürlich auch freut: Die Abonnentenzahlen sowie Likes steigen und steigen.

Momentan kann Smith die Dinge etwas ruhiger angehen. Das seit Montag vorherrschende Tauwetter ist eher unspektakulär. Am Wochenende soll es sogar vorfrühlingshaft warm werden. Ob der Winter damit durch ist im Westmünsterland, darauf möchte sich der Burgsteinfurter indes nicht festlegen.

Wenn‘s nach ihm geht, könnte solch ein ungewöhnliches Wetterereignis wie das der letzten Woche durchaus öfter vorkommen. „Das ist einfach spannend und es muss ja nicht immer gleich zu größeren Schäden kommen“, sagt der Meteorologe. Spätestens jetzt ist klar: Der Mann brennt wirklich für sein Hobby.

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