Marianne Graes gibt ihr Reise- und Touristikcenter in jüngere Hände ab
Eine Institution im Bahnhof

Burgsteinfurt -

Diese Nachricht wird regelmäßige Bahn- und Busreisende möglicherweise traurig stimmen: Marianne Graes gibt am 31. März ihr Reise- und Touristikcenter im Burgsteinfurter Bahnhof auf.

Freitag, 19.02.2021, 16:10 Uhr aktualisiert: 21.02.2021, 10:12 Uhr
Marianne Graes
Marianne Graes Foto: Drunkenmölle

Diese Nachricht wird regelmäßige Bahn- und Busreisende möglicherweise traurig stimmen: Marianne Graes gibt am 31. März ihr Reise- und Touristikcenter im Burgsteinfurter Bahnhof auf. 20 Jahre hat die gelernte Verwaltungsangestellte ihren Job mit großer Leidenschaft gemacht. Jetzt hat sie das Alter erreicht, um sich in den Ruhestand zurückzuziehen. Bei vielen ihrer Kunden galt Graes als Institution. Sie war die einzige, die einen vergleichbaren Agenturbetrieb entlang der Bahnstrecke Münster-Gronau aufrechterhalten hat.

Nur zu gut kann sie sich an den Einstieg in die Branche erinnern, als sie, zunächst noch als Nebenbeschäftigung gedacht, im November 2000 aus Metelen kam, um die kleine Fahrtkartenausgabe im Borghorster Bahnhof zu übernehmen. Kein wirklich lohnendes Pflaster, wie Marianne Graes rückblickend verrät. Viele Kunden von dort hätten ihr aber die Treue gehalten, als sie im April 2004 die Fahrkartenausgabe in Burgsteinfurt übernahm, die bis zu diesem Zeitpunkt noch von der DB geführt worden war. Als selbstständige Agenturchefin konnte Graes das touristische Angebot fortführen und ausweiten. Graes hat der Reiseberatung im Bahnhof in den vielen Jahren ihrer Tätigkeit ein Gesicht gegeben. Sie war bei vielen Kunden aufgrund ihrer Kompetenz eine gefragte Ansprechpartnerin, wenn es ums Reisen ging, sei es nur wenige Kilometer entfernt zu einem Tagesausflug ins Münsterland oder auf große Urlaubsfahrt in ferne Länder. Graes war vor allem deshalb so geschätzt, weil sie aufgrund ihrer Erfahrungen Verbindungen und Unterkünfte vermitteln konnte, deren Suche Menschen, die im Internet nach vergleichbaren Angeboten unterwegs waren, zur Verzweiflung bringen konnten. Graes war der digitalen Welt oftmals eine Nasenlänge voraus – und hatte meist auch noch einen Ratschlag inklusive, die Reise vielleicht etwas früher oder später zu einem günstigeren Preis und mit einer besseren Leistung zu buchen. Das war ein Pfund, mit dem sie bei ihren Kunden wuchern konnte.

Graes war es aber auch, die dem einen oder anderen am Burgsteinfurter Bahnhof Gestrandeten half, sein Ziel zu erreichen. Zugleich hat sie dem ansonsten wenig Charme ausstrahlendem Gebäude Leben verliehen, in dem sie dort die Stellung gehalten hat.

Klar, Corona hat der Agentur von Marianne Graes wie der gesamten Reisebranche mächtig zugesetzt. Unzählige, lange gebuchte Reisen musste sie stornieren. Aber, davon ist Graes überzeugt, Bahn- und Busreisen werden, sobald die Krise überwunden ist, wieder an Attraktivität gewinnen. Neue Mobilität werde die Reisegewohnheiten in Zukunft verändern. Allein die Strecke Gronau-Münster sei ein Beweis, dass immer mehr Menschen vom Auto auf die Schiene umsteigen. Noch mehr Fahrgäste wird es für den Nahverkehr geben, wenn die Strecke elektrifiziert und es möglich wird, größere Triebwagen einzusetzen.

„Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Graes. Weinend, weil sie so vielen Menschen aus dem gesamten Kreis Steinfurt begegnen konnte. Aus vielen Kunden seien Freunde geworden. Und lachend, weil sie mit Verena und Frank Saalfeld kompetente Nachfolger gefunden hat, von denen sie überzeugt ist, dass die beiden, die bereits eine Reiseagentur im Bahnhof Greven führen, ihre Arbeit in Burgsteinfurt erfolgreich weiterführen werden. Der Reisetätigkeit bleibt Marianne Graes übrigens treu – als Ruheständlerin und mit ihrem Mann. Die Ziele sind schon gesteckt. Sie weiß ja, welche besonders lohnend sind.

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