Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann
„Im Hotel schaue ich erst nach dem Feuerlöscher“

Steinfurt -

Es müssen nicht immer die mega-ernsten Themen sein, die ein Journalist mit seinen Interviewpartnern bespricht. Bei der Serie „Tratsch am Telefon“ geht es lockerer zu. Die Realität ist ernst genug. Und weil das wegen Corona gerade so ist, finden die Gespräche auch nur am Telefon statt. Heute ist Dirk Telgmann an der Reihe. Seines Zeichens Stadtbrandinspektor, also Chef der Feuerwehr. Er ist 51 Jahre alt, lebt zusammen mit seiner Partnerin und hat zwei erwachsene Töchter.

Freitag, 05.03.2021, 17:54 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 14:15 Uhr
Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann wollte eigentlich mal Krankenwagen fahren und keine Feuerwehrautos.
Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann wollte eigentlich mal Krankenwagen fahren und keine Feuerwehrautos. Foto: Feuerwehr Steinfurt

Guten Morgen, Dirk. Heute schon Radio gehört oder Fernsehen geguckt? Was sagst Du zu den neuen Corona-Regeln?

Telgmann: Ich habe mir nicht alles anhören können. Ich bin im Augenblick beruflich auf einen Teilaspekt fokussiert. Da geht es um die Einrichtung von Testzentren. Bislang hieß es, dass sie noch im März an den Start gehen sollten, jetzt haben wir aber Aufschub bis April erhalten.

Mensch, da habe ich ja auch noch was Neues erfahren. Habe ich gar nicht gewusst, dass es so etwas in Steinfurt geben soll.

Telgmann: Ja, diese Zentren sollen für kostenlose Tests der Bevölkerung eingerichtet werden.

Mich interessiert jetzt erst einmal, wie Du zu Deiner blauen Uniform gekommen bist. Warst Du auch einer von den Jungs, die mit Feuerwehrautos gespielt haben und dann später auch live welche fahren wollten?

Telgmann: Nee, so war das nicht bei mir. Ich wollte gar nicht zur Feuerwehr, sondern Rettungswagen fahren. So bin ich über das Rote Kreuz, die Bundeswehr, wo ich den Rettungssanitäter gemacht habe, später zur Feuerwehr gekommen. Gelernt habe ich übrigens Krankenpfleger. Als bei der Stadt ein Rettungssanitäter gesucht wurde, habe ich mich beworben. Und so hat man es halt lieben gelernt.

Feuerwehrmann war in meiner Jugend, ich vermute in Deiner auch noch, neben Pilot ein echter Traumjob. Ist das nach Deinen Beobachtungen heute noch so?

 

Telgmann: Auch wenn die Jugendlichen heute ganz andere Möglichkeiten haben als wir, steht Feuerwehrmann auf der Beliebtheitsskala nach wie vor ganz oben. Und das, wie ich finde, völlig zu Recht. Der Beruf ist vielseitig, Du bekommst ganz viel zurück, Du musst im Team arbeiten und bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeitest Du mit einem Querschnitt aus der gesamten Bevölkerung zusammen. Unterm Strich hast Du für jeden Schadensfall eine Lösung parat.

Du siehst aber auch oft Dinge bei Deinen Einsätzen, die nicht so schön sind.

Telgmann: Das ist richtig. Da muss dann drüber geredet werden. Entweder mit Freunden oder der Familie, am besten aber noch in der Wache. Und in ganz schlimmen Fällen haben wir schon seit vielen Jahren spezielle Teams, die für solche Dinge geschult sind. Aber vom Prinzip ist das richtig. Wenn zum Beispiel ein Kind reanimiert werden muss, dann geht das einem schon sehr nahe.

Wie reagiert eigentlich Deine Familie, wenn Du Heiligabend bei der Bescherung weg musst, weil irgendwo ein brennender Weihnachtsbaum die ganze Wohnung abfackelt?

Telgmann: Die leben damit. Das gehört bei uns einfach dazu. Außerdem habe ich ja einen Stellvertreter, mit dem ich mich dienstplanmäßig absprechen kann, wenn ich einen wichtigen privaten Termin habe. Allerdings wirkt der Feuerwehr-Job auf meine Töchter wohl so abschreckend, dass sie partout nicht auf diese Schiene wollten.

Hast du einen Tipp gegen Schlafstörungen?

Telgmann: Nein, habe ich nicht. Früher hatte ich da weniger Probleme, nach einem Einsatz wieder einzuschlafen. Heute bleibe ich wach und trinke einen Kaffee.

Feuerwehr und Privatleben, kann man das eigentlich trennen?

Telgmann: Ich glaube, ich bekomme das ganz gut hin. Wenn wir im Urlaub im Hotel sind, schaue ich allerdings als erstes nach den Fluchtwegen und nach dem Feuerlöscher.

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