24-jähriger Burgsteinfurter Marc Janßen arbeitet als Freiwilliger in Orthopädiewerkstatt in Uganda
Wegbereiter für ein neues Leben

Burgsteinfurt/Mukono -

Er ist 24 Jahre alt, kommt aus Burgsteinfurt und engagiert sich für Hilfsbedürftige in einem der ärmsten Länder Schwarzafrikas: Seit Jahresanfang unterstützt Marc Janßen das Team der deutschen Hilfsorganisation Pro Uganda in der eigens errichteten Orthopädiewerkstatt in der 50000-Einwohner-Stadt Mukono bei der Anfertigung von Prothesen für Versehrte. Davon gibt es viele in dem Entwicklungsland, das lange unter einem brutalen Bürgerkrieg litt.

Dienstag, 09.03.2021, 17:25 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 17:30 Uhr
Marc Janßen bei der Anfertigung eines Gipsabdrucks für die spätere Prothese. Nach einer erfolgreichen Behandlung beginnt für den Versehrten ein neues Leben.
Marc Janßen bei der Anfertigung eines Gipsabdrucks für die spätere Prothese. Nach einer erfolgreichen Behandlung beginnt für den Versehrten ein neues Leben. Foto: privat

Den von vielen als selbstverständlich angenommenen Wohlstand einer westlichen Gesellschaft gegen das einfache Leben in einem Entwicklungsland tauschen, neue Erfahrungen sammeln und Kulturen kennenlernen und dabei auch noch einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Menschen, die das Schicksal getroffen hat, wieder am Leben teilnehmen können: Der 24-jährige gelernte Orthopädietechnik-Mechaniker Marc Janßen ist diesen Schritt ganz bewusst gegangen. Seit Jahresanfang lebt der Burgsteinfurter für den Verein Pro Uganda in der nördlich des Viktoriasees gelegenen 50 000-Einwohnerstadt Mukono in dem zentralafrikanischen Land. Seine Aufgabe: Das dort tätige Team der deutschen Hilfsorganisation in einer eigens zu diesem Zweck errichteten Orthopädie-Werkstatt bei der Anfertigung von Prothesen zu unterstützen.

Das Engagement des jungen Mannes ist hochwillkommen. Gibt es doch in dem hoch verschuldeten Entwicklungsland, in dem zwei Jahrzehnte blutiger Bürgerkrieg herrschte, auch heute noch zahlreiche Landminen, die dafür sorgen, dass Menschen Gliedmaßen verlieren oder noch schwerere Verletzungen erleiden. Auch unbehandelte Krankheiten und Unfälle führen zu vielen Amputationen. Da es kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt, sind die Versehrten auf externe Hilfe angewiesen, damit sie wieder ins Alltagsleben integriert, arbeiten gehen und und in vielen Fällen auch wieder mit dazu beitragen können, ihre Familien zu versorgen.

Auf die Idee gebracht, einen solchen Auslandsaufenthalt anzugehen, hat Marc Janßen seine Freundin. Sie, auch vom Fach, hatte sich nach ihrer Ausbildung ganz ähnlich entschieden und dabei viele positive Erfahrungen gesammelt. Im Sommer vergangenen Jahres wurde es für den Gesellen der Borghorster Firma Kosow Prothetik dann konkret. „Da meine Freundin mit ihrem Studium im Sommer fertig wird und wir auch noch nicht zusammen wohnen, war es der perfekte Zeitpunkt für mich“, erinnert sich der Burgsteinfurter. Und er ergänzt: „Ich wusste, falls ich es nicht jetzt mache, würde ich es wohl nie tun. Man wird schließlich älter und setzt irgendwann andere Prioritäten.“ Auch die Pandemie und die Unsicherheit, ob er nach seiner Rückkehr wieder an seinem angestammten Arbeitsplatz wird arbeiten können, hielten ihn nicht auf – zumal auch seine Familie sein Vorhaben unterstützte.

Und so hob Anfang Januar, nachdem er alle Modalitäten mit Pro Uganda geklärt hatte, der Flieger nach Afrika ab – ein Aufbruch in eine andere Welt. In der Vereinswerkstatt arbeitet er seitdem im Team mit drei Einheimischen und dem aus Deutschland stammenden Leiter zusammen. „Es macht viel Spaß, sich mit den einheimischen Technikern auszutauschen und voneinander zu lernen“, gibt der 24-Jährige seine Eindrücke wieder. Man müsse sehr viel improvisieren, fast jede Versorgung stelle eine besondere Anforderung dar, berichtet er. Eine Bestellung auf Rezept wie in Deutschland gebe es nicht, es müsse mit dem gearbeitet werden, was vorhanden ist. Da sich die meisten Menschen in Uganda keine Transportkosten leisten können, habe der Verein ein Patientengebäude errichtet, dass die Versorgung sicherstellt. „Im besten Fall fährt der Patient mit einer Prothese wieder nach Hause und kann ein neues Leben beginnen“, sagt der Burgsteinfurter. Es sei ein sehr erfüllendes Gefühl, dazu mit seinem Können einen Beitrag leisten zu können.

Beeindruckt ist Marc Janßen, den sie in Mukono alle nur „Musungu“ (suahelisch für weißer Mann) nennen, von der Herzlichkeit und Fröhlichkeit der Einheimischen. „Ich bin gleich zu Beginn sehr gastfreundlich empfangen worden und fühle mich hier sehr wohl“, schildert er seine Eindrücke. Vielleicht hat dies auch dazu beigetragen, dass der Orthopädie-Mechaniker kein Heimweh bekommen hat, sondern im Gegenteil seinen ursprünglich bis Ende April vorgesehenen Aufenthalt noch bis Juli verlängern will. Auf eigene Kosten, wohlgemerkt. „Ich bin mir sicher, dass diese Reise meine Einstellung zu vielen Dingen ändern wird“, sagt er und ergänzt: „Ich kann nur jedem empfehlen, einmal in ein Entwicklungsland wie Uganda zu reisen.“

Marc Janßen bittet für seine und die Arbeit des Vereins Pro Uganda um Spenden. Dafür hat er eine Online-Aktion beim Bezahldienstleister Pay Pal eingerichtet. Stand Anfang der Woche betrug die Höhe der dort eingegangenen Zahlungen mehr als 3700 Euro. „Ich habe mir vorher keine Gedanken gemacht, wie viel Geld zusammenkommt“, sagt der Burgsteinfurter. Mit dieser Summe habe er indes nie und nimmer gerechnet. „Es freut mich sehr, dass ich den Verein auch noch auf diese Weise unterstützen kann“, so sein Resümee.

www.paypal.com/pools/ c/8wZa60g3lB

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