Erklärung zur Segnung von homosexuellen Paaren in Gottesdiensten verlesen
St. Nikomedes zeigt Flagge

Steinfurt -

St. Nikomedes zeigt Flagge gegen das Verbot des Vatikan, homosexuelle Paare zu segnen. Dabei will es der Pfarreirat aber nicht belassen. In den Gottesdiensten wird eine Erklärung verlesen, in der sich das Leitungsgremium gegen Ausgrenzung wendet. Und im Mai will die Gemeinde ein richtig deutliches Zeichen setzen.

Samstag, 27.03.2021, 18:38 Uhr aktualisiert: 27.03.2021, 18:40 Uhr
Ralf Uhlenbrock, Daniela Baving und Küsterin Elisabeth Bussmann (v.l.)hissten die Regenbogenfahne am Samstagnachmittag vor der Nikomedeskirche.
Ralf Uhlenbrock, Daniela Baving und Küsterin Elisabeth Bussmann (v.l.)hissten die Regenbogenfahne am Samstagnachmittag vor der Nikomedeskirche. Foto: Axel Roll

Es ist eine häufig verwandte Redewendung, deswegen vielleicht ein bisschen abgegriffen. In diesem Fall passt aber keine besser: Die Pfarrgemeinde St. Nikomedes zeigt Flagge. Vor allen drei katholischen Kirchtürmen der Stadt weht seit Samstag die Regenbogenfahne, in allen Gottesdiensten verlesen Mitglieder des Pfarreirates eine am Mittwoch einstimmig verabschiedete Erklärung, mit der sie lautstark und offen gegen den Vatikan protestieren. Der hatte am Montag vor zwei Wochen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare abgelehnt. Daraufhin war nicht nur Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld in Opposition gegangen, sondern zahlreiche Priesterkollegen ebenfalls.

Und jetzt der Steinfurter Pfarreirat. Wie Sprecher Ralf Uhlenbrock ankündigt, wird es nicht bei den Erklärungen bleiben. „Wir wollen Taten folgen lassen“, so das Pfarreiratsmitglied. Konkret: Im Mai soll eine Segensfeier für alle Paare stattfinden. Das Leitungsgremium ist sich darüber im Klaren, dass so eine Aktion durchaus Folgen haben kann. „Wir wollen es aber nicht bei dem Aufhängen von Fahnen belassen“, gibt Ralf Uhlenbrock die Meinung des Pfarreirates wieder.

„Nach der Stellungnahme der Glaubenskongregation des Vatikan mussten wir erst einmal alle den Schock verdauen“, erzählt Ralf Uhlenbrock. Dann sei aber ziemlich schnell klar gewesen, dass die Gemeinde diese Äußerungen so nicht stehenlassen konnte. „Wir haben den exakten Wortlaut des Vatikans an alle Mitglieder verschickt, damit sie sich umfassend auf die Pfarreiratssitzung vorbereiten konnten“, so Uhlenbrock. Die hat dann am Mittwoch online stattgefunden. Dabei sei auch noch einmal bekräftigt worden, dass die Pfarrei St. Nikomedes für jeden Menschen da sei. Gleichermaßen und bedingungslos.

An diesem Wochenende werden die Mitglieder des Pfarreirates in jedem Gottesdienst die am Mittwoch erarbeitete Stellungnahme verlesen. Kernpunkt des Textes: Die Gemeinde ist der Überzeugung, dass „Gott dort sein will, wo er geliebt wird. Gott ist die Liebe“. Als Zeichen der Liebe zu den Menschen habe Gott in der Arche-Noah-Erzählung den Regenbogen gewählt. „Er sagt uns damit: Mensch, ich nehme dich an – ohne Bedingungen.“ Darum greife die Gemeinde dieses Zeichen der Zuneigung in Form der Regenbogenfahne auf. Damit wolle die Kirchengemeinde zum Ausdruck bringen, dass „bei uns alle willkommen sind. Niemand wird ausgeschlossen“. Wenn die Mitglieder der Pfarrgemeinde Redebedarf haben oder Gedanken zum Thema austauschen möchten, bieten sich die Pfarreiratsmitglieder zum Gespräch an.

Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld hatte schon wenige Tage nach der Stellungnahme des Vatikan mit einer Antwort bei Facebook reagiert. In der Wochenendausgabe dieser Zeitung vom 20. März hatte er seine Kritik noch einmal konkretisiert. „Die Würde des Menschen ist das wichtigste, und die sehe an dieser Stelle verletzt“, hatte es Reidegeld an Deutlichkeit nicht vermissen lassen. Die Kirche sei nicht in der Position, sich auf einen Richterstuhl zu setzen und die sexuelle Orientierung von Menschen zu beurteilen und zu verurteilen.

Das Team um Ralf Uhlenbrock hatte die zuvor bestellten Fahnen („Wir hatten schon Angst, sie würden nicht rechtzeitig bei uns eintreffen“) am Samstagmorgen rundgebracht zu St. Johannes Nepomuk in Burgsteinfurt, St. Marien und St. Nikomedes. Am Nachmittag wurden sie dann mit Hilfe des Küsters an den Türmen aufgehängt. Bei dem Sturm übrigens kein leichtes Unterfangen. „Ich hoffe, sie halten bei dem Wetter“, unkte Ralf Uhlenbrock.

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