Spaziergänger auf unerlaubten Wegen
„Wildtiere brauchen Ruhe“

Borghorst -

Dietmar Mikolaiski kann es gut verstehen: Die Menschen zieht es raus in die Natur – gerade jetzt im Frühling und gerade auch in Corona-Zeiten. Doch der Leiter des Hegering Steinfurt appelliert, dabei auch auf den Wegen zu bleiben und etwaige tierische Begleiter an der Leine zu halten. Hintergrund: Bei den Wildtieren stellt sich jetzt der Nachwuchs ein, Störungen sind zu vermeiden.

Dienstag, 30.03.2021, 16:30 Uhr aktualisiert: 30.03.2021, 18:51 Uhr
Wildtiere flüchten erst, wenn eine bestimmte Distanz unterschritten wird
Wildtiere flüchten erst, wenn eine bestimmte Distanz unterschritten wird Foto: Dietmar Jeschke/ Marion Fenner

Enten und Fasane haben ihren Partner bereits gefunden und wollen sich nun, wie andere Bodenbrüter, der Familiengründung widmen. In ein paar Wochen erblicken junge Rehkitze das Licht der Welt. Damit Tierkinder in Ruhe aufwachsen können, sollten Menschen sich von ihnen fernhalten. „Doch oft tun sie es nicht“, weiß Dietmar Mikolaiski, Leiter des Hegerings Steinfurt.

Niemandem solle der Spaziergang durch den Wald oder auf Feldwegen verboten werden. Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie ziehe es die Menschen vermehrt nach draußen. Viele haben ihren Hund dabei. „Ich kann das verstehen“, sagt Mikolaiski, „auch ich bin gerne draußen, natürlich mit Hund.“

Doch allzu oft verlassen Mensch und Vierbeiner die Wege. Dann scheuchen sie das Wild unnötig auf“, erklärt Mikolaiski. Derzeit seien insbesondere Spaziergänger auf den gemähten Uferrandstreifen an den Gewässern und Gräben ein Problem. „Diese Streifen haben wir den Landwirten abgetrutzt, damit Wildtiere dort Schutz finden.“ Der Streifen werde nicht beackert, gedüngt oder mit Pestiziden behandelt. Er soll auch ein Beitrag zum Erhalt der Insekten leisten. Einmal im Jahr werde der Steifen gemäht, damit der Wasserdurchfluss weiter gewährleistet sei. Doch dann meinen Spaziergänger, das sei ein Weg genau für sie. Dass dieser Weg dann im Nichts, vor einem Graben oder in einem Privatgarten ende, schrecke nicht ab. „Dann wird kurzerhand über den Graben gesprungen und der Weg unvermittelt fortgesetzt.“ Gleich mit zwei Hunden war ein Spaziergänger in dieser Woche unterwegs, den Mikolaiski entdeckte. Zunächst habe der Mann ein Entenpaar und dann auch noch einen Fasan aufgescheucht. Auch er wählte den Weg über den Graben und durch den Garten eines Anwohners. „Diese Bereiche entlang der Wasserläufe, sollen grundsätzlich nicht betreten werden.“

„Im Wald lebende Tiere sind durchaus an Spaziergänger gewöhnt“, erklärt der Hegeringleiter. Sie lägen in der Deckung und beobachteten die Menschen und deren Tiere. Erst wenn eine gewisse Distanz unterschritten werde, insbesondere die Wege verlassen werden, flüchteten sie. Gerade in den Wintermonaten sei das für Rehwild ein Problem, weil es dann mehr Energie benötige. Die Tiere knabberten an den jungen Trieben der Bäume, und die Förster beklagten höhere Verbissschäden. Das Ganze sei ein Teufelskreis.

Ein weiteres sehr großes Problem für die Wildtiere und insbesondere am Boden brütende Vögel seien freilaufende Katzen. Mikolaiski hat gesehen, wie abends Stubentiger aus den Neubaugebieten zu ihren Streifzügen aufbrechen. Sie sind für Wildvögel wirklich gefährlich. „In Deutschland gibt es nach Schätzungen zwischen fünf und acht Millionen sogenannte Freigängerkatzen. Wenn jede nur täglich einen jungen Vogel fängt, lässt sich leicht erschließen, wie groß der Schaden ist“, erklärt der Leiter des Hegerings. Selbst der Naturschutzbund sei davon überzeugt, dass Katzen viel Schaden anrichten können.

Mikolaiski gönnt den Bürgern das Naturerlebnis, wünscht sich aber mehr Rücksicht ein gutes Miteinander zwischen Mensch und Tier. Dazu gehöre es, auf erlaubten Wegen zu bleiben, Hund und Katze nicht herumstromern zu lassen. Dann hat der Leiter des Heggerings noch einen dringenden Appell an Spaziergänger. Sie sollten auf keinen Fall junge Tierkinder mit nach Hause nehmen. „Die Elterntiere kümmern sich um ihren Nachwuchs, auch wenn er für Laien verlassen wirkt“, erklärt der Fachmann Für jedes Tier, egal ob Hase, Kaninchen, Reh oder Wildschwein, ende das Leben in Freiheit, sobald es in menschliche Obhut genommen wird. Die Aufzucht sei zudem nicht einfach, viele überlebten das gar nicht. In freier Wildbahn kommen sie jedenfalls nicht mehr zurecht.

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