Dietmar Schultz schreibt ein Corona-Lied für den Frauenchor „Good Vibes“
Sie hören nicht auf. . .

Steinfurt/Mesum -

Dietmar Schultz weiß es gar nicht mehr genau: War es eine Textzeile oder Teile der Melodie, die er zuerst im Kopf hatte? Egal, nach eineinhalb Wochen war der Song jedenfalls komplett geschrieben. Inklusive Partitur für seine Damen. Davon hat der Profi-Musiker, Dirigent und Chorleiter gleich an die 100. Dass es am Ende aber nur vier waren, mit denen er das Stück im Studio einsingen konnte, ist eine von vielen Gemeinheiten, die das hinterhältige Coronavirus angezettelt hat.

Mittwoch, 07.04.2021, 16:10 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 15:28 Uhr
Chorleiter Dietmar Schultz hat ein Lied zu Corona geschrieben.
Chorleiter Dietmar Schultz hat ein Lied zu Corona geschrieben. Foto: Axel Roll

Die Sängerinnen des Borghorster Frauenchores „Good Vibes“ lassen sich aber genau wie ihr Dirigent nicht unterkriegen. Dürfen sie auch nicht. Denn wie heißt es in dem Song, der jetzt über die Videoplattform Youtube viral gegangen ist? „Eines tun wir nicht, wir hören nicht auf.“

Der 90. Geburtstag der Mutter eines Musikerfreundes war es, der den 59-jährigen Wahl-Mesumer die ganze Dramatik der Pandemie vor Augen führte: „Wir durften ihr nicht persönlich im Altenheim gratulieren. Also haben wir ihr draußen ein Ständchen gebracht, sie durfte auf der Terrasse zuhören.“ Im Liedtext hat Schultz die Szene so verarbeitet: „Alle Menschen in den Heimen, die vor Einsamkeit nur weinen.“

Danach gab es den Abend bei einem Glas Rotwein, viele vollgekritzelte Zettel, die tagelang im Studio und im Wohnzimmer herumflogen und dann zu „Wir hören nicht auf“ zusammengeschrieben wurden. 

Die im Sommer geborene Idee, den Corona-Song mit allen „Good Vibes“ einzustudieren, ist ein Traum geblieben, der noch nicht ausgeträumt ist. „Nach der Pandemie machen wir das“, freut sich Dietmar Schultz auf die Proben. Der Song erfüllt aber jetzt schon seinen Zweck: Er macht Mut.

An erster Stelle den Chormitgliedern. „Sie haben etwas, das zusammenschweißt“, ist Dietmar Schultz überzeugt. Good-Vibes-Vorsitzende Elise Werner gibt dem Dirigenten recht: „Das Lied ist Hoffnung und Zuversicht, dass wir uns bald wiedersehen und mit Elan in die Zukunft des Chores gehen.“ Was keine Selbstverständlichkeit ist, wie Dietmar Schultz aus eigenem Erleben weiß: „Es gib mittlerweile schon viele Chöre, die aufgegeben haben.“ Bei dem ersten Borghorster Frauenchor sieht er diese Gefahr allerdings nicht: „Die halten zusammen.“ Nicht zuletzt durch viele Kleinig- und Nettigkeiten. So gibt es zum Beispiel zu den Probenterminen in Corona-Zeiten immer eine Mail vom Vorstand, um das gemeinsame Anliegen und Hobby in Erinnerung zu rufen.

Zurück zum Lied. So schnell wie Dietmar Schultz „Wir hören nicht auf“ aus der Feder geflossen war, so lange dauerte das Feintuning. Die Studioaufnahmen, die passende Musik, das Video – erst kurz vor Ostern konnte es auf Youtube hochgeladen werden – und hat mittlerweile über 1400 Klicks. „Obwohl es uns darauf gar nicht ankommt“, betont der Komponist. „Wir müssen alle am Ball bleiben.“ Wie heißt es dazu im Lied? „Alle Chöre singen, der Gesang die Welt belebt.“ Diese Spannung, da setzt Dietmar Schultz alles dran, die darf Corona nicht zerstören: „Alte Welten neu entdecken, die Musik sprengt alle Ketten.“ 

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