Blick in die Molkereigeschichte von Burgsteinfurt
Wachstum bis in die 1980er-Jahre

Burgsteinfurt -

Werner Leugering brachte die Milch noch in einer 20-Liter-Kanne mit dem Fahrrad zur Molkerei. Das ist nur eine Anekdote aus der Molkereigeschichte von Burgsteinfurt, die auch eine Molkereigenossenschaft umfasst. Diese musste 1990 ihre Pforten schließen und das Feld Großmolkereien wie Naarmann aus Neuenkirchen überlassen.

Sonntag, 11.04.2021, 19:22 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 15:20 Uhr
Hochbetrieb an der Molkerei-Rampe, als die Milchkannen teilweise noch mit Pferd und Wagen angeliefert wurden. Anfang 1950 verdrängten die „Dieselrösser“ nach und nach die Vierbeiner.
Hochbetrieb an der Molkerei-Rampe, als die Milchkannen teilweise noch mit Pferd und Wagen angeliefert wurden. Anfang 1950 verdrängten die „Dieselrösser“ nach und nach die Vierbeiner. Foto: Hagemann

Wer heutzutage in den Supermarkt geht, um Milch zu kaufen, findet Produkte in reicher Auswahl sogar aus ausländischer Produktion. Das war in Burgsteinfurt in den 1930er Jahren noch ganz anders. Einige Einheimische werden sich erinnern . . .

Bis 1934 haben die Bauern in Burgsteinfurt ihre Milchwirtschaft noch selbst betrieben und ihre Produkte vermarktet. Zunächst gab es zwei kleine Molkereibetriebe in Stemmert: Schulze Föcking, Sellen 34, und Schulze Veltrup, Leerer Straße 18. Um besseren Absatz zu erreichen, wurde von über 50 Bauern aus den drei Bauerschaften am 7. April 1934 beschlossen, gemeinsame Sache zu machen. Eine Molkereigenossenschaft mit einer Molkerei am Telghauskamp wurde gegründet. Anfangs lieferten die Bauern der Molkerei jährlich etwa 150 000 Liter Milch. Die Verarbeitung konnte ständig gesteigert werden. Schon vor dem Krieg wuchs sie auf zwei Millionen Liter an.

Täglich holten die angestellten Molkereimilchbauern die Rohmilch mit Pferd und Wagen von den Milcherzeugern ab. Einige Jahre später wurde auf diese Weise Vollmilch transportiert. Das Abholen, Sammeln und Entleeren der Kannen bot allerdings nur einen kleinen Nebenverdienst zur Landwirtschaft.

Anfang der 1950er-Jahre verdrängten die „Dieselrösser“ nach und nach die Ackerpferde. Der Transport der Milch durch Pferd und Wagen wurde teilweise auf Treckergespanne umgestellt. Auch aus den Bauerschaften von Leer wurden die Milchkannen angeliefert. Ebenso haben die Milchbauern aus den Welbergener Bauerschaften Brink und Bökerhook die Milch ihrer Kühe zur Verarbeitung nach Burgsteinfurt gebracht.

Die Qualitätsansprüche an das Produkt wurden immer höher und mit der Zeit auch aus arbeitswirtschaftlichen Gründen elektrische Kühlanlagen auf den Bauernhöfen angeschafft. Für die amtlichen Lebensmittelkontrollen war die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe in Münster zuständig.

Die Kannen sind schließlich nach und nach aussortiert und die Milchanfuhr 1971 auf Tankwagen umgestellt worden. Hans Arning, Hollich 30, und Gerhard Schnieder, Hollich 110, erhielten zu diesem Zeitpunkt von der Molkerei einen Milchanfuhrvertrag. Sie schafften sich zudem einen Milchtankwagen an. Den zweiten Milchtankwagen stellte die Molkereigenossenschaft.

Ab 6 Uhr waren die Tankwagen unterwegs zu den Höfen. Milch, die in den Milchküchen in gekühlten Tanks gelagert wurde, wurde abgesaugt und zur Molkerei Burgsteinfurt gebracht. Dort waren 14 Kräfte in der Verarbeitung beschäftigt.

Die Molkerei hat fast alle Milchprodukte selbst hergestellt. Nach einer Anlieferungsmenge von etwa 17 Millionen Liter Milch im Jahr 1983 musste die Anlieferung aufgrund der sogenannten Quotenregelung auf gut 13 Millionen Liter gedrosselt werden.

Werner Leugering in der Gaststege II war der letzte Ackerbürger und Bauer in der Stadt, der die Milch noch mit einer 20-Liter-Kanne mit dem Fahrrad zur Molkerei brachte.

Der Markt für die kleinen Molkereien wurde immer begrenzter, so dass die Molkereigenossenschaft Burgsteinfurt 1990 ihre Pforten schließen und das Feld Großmolkereien wie Naarmann aus Neuenkirchen überlassen musste. Zu dem Zeitpunkt gehörten 140 Bauern der Genossenschaft an, die rund 15 Millionen Liter Milch jährlich verarbeitete. Danach transportierte die Fahrgemeinschaft Gerhard Schnieder, Hollich 110, Hans Arning, Hollich 30, Rudolf Bocker, Sellen, und Heinrich Hoge, Haggarten, die Milch zur Großmolkerei Naarmann in Neuenkirchen.

Die Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft waren Christian Figge von 1934 bis 1969 und Philipp Hagemann von 1969 bis 1990.

Die Molkerei und das Gelände wurden 1993 verkauft. 1999 wurde die Molkereigenossenschaft Burgsteinfurt abgemeldet. „Ambulante“ Milchhändler in Burgsteinfurt waren: Günter Gieldon, Gerhard Rummeling, Günter Lammers, Josef Alfert, Josef Tetenborg und Hermann Kuhl (Friedenau).

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