Kulturforum ist in Corona-Zeiten digitaler geworden – es gibt aber auch Grenzen
Kein Ersatz, nur sinnvolle Ergänzung

Steinfurt -

Wie ist das Kulturforum bislang durch die Pandemie gekommen? Wie sehen die weiteren Perspektiven aus? Zu diesen und weiteren Fragen rund um die Situation der Lehrenden und Lernenden an der Weiterbildungseinrichtung bezog Direktorin Dr. Barbara Herrmann in einem Interview Stellung.

Montag, 19.04.2021, 18:42 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 18:50 Uhr
Zumindest für Schüler an allgemeinbildenden Schulen durfte die Musikschule auch während der Lockdowns Präsenzunterricht erteilen. Ensemble-und Orchesterproben indes fanden nicht statt.
Zumindest für Schüler an allgemeinbildenden Schulen durfte die Musikschule auch während der Lockdowns Präsenzunterricht erteilen. Ensemble-und Orchesterproben indes fanden nicht statt. Foto: pep

Es bildet einen Grundpfeiler der Weiterbildungseinrichtungen der Stadt: das Kulturforum, bestehend aus den Säulen Volkshochschule und Musikschule. Auf während der Lockdowns fehlende Präsenzkurse hat die Einrichtung mit einer Digitaloffensive reagiert. Welche weitergehende Perspektiven sich ergeben, darüber hat Redaktionsmitglied Ralph Schippers mit Direktorin Barbara Herrmann gesprochen.

 

Frau Dr. Herrmann, seit gut einem Jahr muss sich das Kulturforum der Coronakrise stellen – viele Veranstaltungen und Kurse konnten wegen der Kontaktbeschränkungen nicht durchgeführt werden. Die Weiterbildungseinrichtung hat mit dem Ausbau des Online-Angebots dagegengehalten. Wie hat sich das auf die Kurs- und Teilnehmerzahlen ausgewirkt?

 

Barbara Herrmann: Die Corona-Krise stellt sich in den beiden Abteilungen des Kulturforums unterschiedlich dar. Während die Volkshochschule bis auf ganz wenige Ausnahmen, zum Beispiel prüfungsrelevante Kurse, seit letztem Jahr vollständig auf Präsenzunterricht verzichten muss, konnte die Musikschule bis heute zumindest Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen Unterricht auch in Anwesenheit erteilen. In der Musikschule wird parallel seit langem erfolgreich Online-Unterricht erteilt, obwohl ich unterstreichen möchte, dass diese Unterrichtsform den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann. Den Teilnehmenden sowie den Lehrkräften der VHS fehlt der Präsenzunterricht ebenso. In Teilbereichen (EDV, Sprachen und Firmenkursen) konnte die VHS durch Online-Angebote gegensteuern. Mehr und mehr Kursleitende arbeiten sich in das neue Format ein. Wir wissen aus Rückmeldungen der Teilnehmenden, dass sehr viele auf den Präsenzunterricht und den Austausch miteinander warten. Wir hoffen, dass wir die meisten Teilnehmer nach der Pandemie wieder in unseren Kursen begrüßen können. Daher planen wir zurzeit auch wie immer unser neues Herbstangebot für beide Abteilungen.

Inwieweit konnten Sie coronabedingte Verluste im Haushalt bislang auffangen?

 

Herrmann: Die Landesregierung hat für die Volkshochschulen im Land einen Notfonds eingerichtet, über den ein gewisses Defizit aufgefangen werden kann. In der Musikschule besteht diese Möglichkeit nicht. Aufgrund des vermehrten, von vielen Eltern und Erwachsenen akzeptierten Online-Unterrichtes in der Musikschule konnten wir dem entstehenden Defizit etwas entgegenwirken.

Stichwort Ausbau des Online-Angebots: Wie sieht ihre Strategie für die Zukunft nach Corona aus?

Herrmann: Wir bauen derzeit die Digitalstruktur der Einrichtung aus, um nach der Pandemie für neue Unterrichte zum Beispiel in Hybridform noch besser vorbereitet zu sein. Zurzeit wird in der Hohen Schule ein digitales Klassenzimmer eingerichtet, das die Stadt Steinfurt finanziell unterstützt. Neben dem unbestritten wichtigen Präsenzunterricht, der auch die sozialen Kontakte fördert, bieten künftige Online-Angebote in beiden Abteilungen auch neue Chancen. In der Musikschule wird beispielsweise der geplante Schnuppertag im Mai pandemiebedingt zum ersten Mal online stattfinden.

Vielfach wurde die durch Corona erzwungene Digitalisierung in der Weiterbildung skeptisch gesehen. Aus ihrer Erfahrung nach gut einem Jahr heraus gesehen: Gibt es auch Vorteile, zum Beispiel der der Erschließung neuer Nutzerklientel?

 

Herrmann: So schlimm die Pandemie auch war und ist, sie hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, die Digitalisierung nach vorne zu treiben. Sicherlich hat sie viele auch motiviert, sich dieser Herausforderung überhaupt zu stellen. Wir sehen auch die Gewinnung einer neuen Teilnehmerklientel, die die Onlineangebote schätzen könnten, da sie sich vielleicht besser nach der Arbeit in den Wunsch nach Weiterbildung integrieren lassen.

Wo sehen Sie Grenzen des Online-Angebots?

 

Herrmann: In den meisten Angeboten des Kulturforum, in denen der soziale Kontakt, das sich treffen und sich austauschen sowie das gemeinsame Musizieren im Mittelpunkt stehen, können Online-Formate kein Ersatz, sondern nur eine sinnvolle Ergänzung sein. VHS und Musikschule auch künftig zu großen Teilen in Online-Formate zu schicken, ist nicht zielführend und der eigentlichen politischen und gesellschaftlichen Absicht, Menschen im Lernen und Musizieren einander näherzubringen, um gemeinsames Lernen zu fördern, nicht zuträglich.

Wie gut sehen Sie das Kulturforum für die weitere Coronazeit aufgestellt? Greift das Hygienekonzept?

 

Herrmann: Unser Hygienekonzept greift gut, wir haben alle notwendigen und wichtigen Hygienebausteine angeschafft, um unsere Lehrkräfte, Mitarbeitenden und Teilnehmende bestmöglich zu schützen. Dabei werden wir von den politisch Verantwortlichen und den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden unseres Zweckverbandes maßgeblich und unkompliziert unterstützt.

Wie schnell könnten sie bei einer entsprechenden Freigabe der Politik wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren? Halten die Honorarkräfte ihnen die Treue?

 

Herrmann: Das Herbstsemester wird zurzeit geplant, sobald wir eine politische Freigabe erhalten, können alle Kurse in der VHS und in der Musikschule beginnen. Die meisten Kursleitenden warten wie ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die liebgewonnen Kurse. In der Musikschule finden im Moment keine Ensemble-und Orchesterproben, kein gemeinsames Spielen statt. Das gemeinsame Musizieren in der Gruppe zu erleben und auch den Lehrer, die Lehrerin wieder zu treffen, darauf freuen sich die meisten unserer Kunden. Die Honorarlehrkräfte in der Musikschule sind dankbar, mithilfe des Online-Unterrichtes den Kontakt zu ihren Schülern halten zu können. Es gelingt ihnen, genau wie den festangestellten Kolleginnen und Kollegen, angesichts der außergewöhnlichen Situation, mit viel Kreativität qualitativ angemessene Unterrichte zu erteilen.

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