Kunst
Glossar zum Fall Gurlitt

Berlin (dpa) - Der Fall Gurlitt beschäftigt seit 2013 eine breite Öffentlichkeit. Einige zentrale Punkte und was dahintersteckt:

Montag, 24.11.2014, 10:21 Uhr aktualisiert: 24.11.2014, 10:27 Uhr

VATER UND SOHN GURLITT: Cornelius Gurlitt war der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895-1956). Dieser hatte wegen seiner jüdischen Wurzeln zwar unter den Nazis zu leiden, er gehörte aber nach Darstellung von Experten auch zu den zentralen Figuren des NS-Kunsthandels. Nach dem Tod seiner Eltern, erst des Vaters, 1968 auch der Mutter, war Sohn Cornelius Gurlitt (geboren 1932) für die Sammlung von mehr als 1500 Werken verantwortlich, darunter Arbeiten von Matisse, Picasso und Monet. Er hielt sie im Verborgenen. 2012 entdeckten Fahnder im Zuge von Zoll- und Steuerermittlungen einen Großteil der Bilder in seiner Münchner Wohnung. Die Werke wurden sichergestellt. Cornelius Gurlitt starb im Mai 2014. Er setzte das Kunstmuseum Bern als Alleinerben ein.

RAUBKUNST: Die Raubzüge der Nationalsozialisten haben viele Menschen um ihren materiellen Besitz gebracht. Die Nazis enteigneten unter anderem jüdische Sammler oder zwangen sie, ihre Kunstschätze unter Wert zu verkaufen. Die im Zuge der Verfolgung den Opfern abgenommenen Werke werden Nazi-Raubkunst genannt. Teile der Sammlung Gurlitt stehen unter Raubkunst-Verdacht.

SOGENANNTE ENTARTETE KUNST: Der Begriff «entartet» stammt aus der Nazi-Rassenlehre. Die Nationalsozialisten übertrugen ihn auf moderne Kunst, die nicht zu ihrem Kunstverständnis und Menschenbild passte. Als «entartet» diffamierte das NS-Regime unter anderem Werke des Expressionismus, Surrealismus und Kubismus. 1937 zeigten die Nazis in München die Propaganda-Schau «Entartete Kunst» mit zuvor beschlagnahmten Werken. Teile der Sammlung Gurlitts konnten nach Angaben der Datenbank Lostart dem Beschlagnahmegut der nationalsozialistischen «Aktion Entartete Kunst» zugeordnet werden.

PROVENIENZFORSCHUNG: Das Wort Provenienz bezeichnet die Herkunft, die Abstammung, den Ursprung. Bei der Provenienzforschung versuchen Experten, die Herkunft von Kunstwerken zu klären. Museen wollen zum Beispiel ausschließen, dass sich Nazi-Raubkunst in ihren Beständen befindet. Dazu prüfen die Fachleute etwa die Eingangsdaten und die Preise, zu denen Werke gekauft wurden. Die Suche ist oft mühsame Detektivarbeit, denn meist sind die fraglichen Bilder und Skulpturen durch mehrere Hände gegangen, wurden getauscht oder bei Auktionen verkauft.

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