Museen
Weserburg Bremen kämpft um Wege aus der Krise

Bremen (dpa) - Ai Weiwei, Mario Merz, Gerhard Richter, Rebecca Horn - die Ausstellungen in der Bremer Weserburg inszenieren Werke großer Gegenwartskünstler. Das 1991 als Europas erstes Sammlermuseum eröffnete Haus galt damals in der Kunstszene als wegweisend. Doch mittlerweile bangt die Weserburg um ihre Zukunft.

Dienstag, 14.04.2015, 15:17 Uhr aktualisiert: 14.04.2015, 15:39 Uhr

Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Ein Gutachten schlägt deshalb die Halbierung der Ausstellungsfläche und eine inhaltliche Neuausrichtung vor. Kann das die Weserburg retten?

Seit Jahren wird in Bremen darüber gestritten, wie eine tragfähige Zukunft für das chronisch unterfinanzierte Museum für moderne Kunst aussehen könnte. Der Stiftungsrat hatte den Münchner Kunsthistoriker und ehemaligen Museumsdirektor Helmut Friedel um ein Gutachten gebeten. Seine Empfehlung: Die Ausstellungsfläche soll von 4800 auf rund 2200 Quadratmeter schrumpfen und die Kunst des 21. Jahrhunderts zum Schwerpunkt des Hauses werden. Am Dienstag sollte der Kulturausschuss der Stadt über die Vorschläge beraten.

Doch der Streit kochte schon vorher hoch. Der Betriebsrat forderte den Rücktritt des Stiftungsratvorsitzenden Klaus Sondergeld , der auch Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen ist. Dieser vertrete eher die Interessen der Politik als die des Museums, lautete der Vorwurf. Sondergeld forderte ein Ende des Streits: «Ich versuche Wege zu finden, das Haus stabil für die Zukunft aufzustellen, unter den engen Rahmenbedingungen, die die Stadt hat», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Unstrittig ist, dass die alten Speicherhäuser auf der Weserhalbinsel dringend saniert werden müssen. Allein die Reparatur des Fundaments soll rund drei Millionen Euro kosten, wofür die Stadt nach eigenen Angaben aufkommen will. Das Museum muss weitere rund 6 Millionen Euro in die Sanierung der Gebäude stecken. 2012 hatte die Weserburg deshalb Teile des eigenen Tafelsilbers versteigern lassen, darunter Gerhard Richters Gemälde «Matrosen» - was für einen Aufschrei in der Kunstszene sorgte.

Die Konkurrenz für die Weserburg ist seit ihrer Gründung vor fast 25 Jahren größer geworden. Sammler wie Frieder Burda in Baden-Baden und das Ehepaar Brandhorst in München haben ihre Privatmuseen mit traumhaften Finanzpolstern ausgestattet. Das Bremer Haus hat hingegen den Vorteil, dass es aus vielen Privatsammlungen schöpfen kann, darunter zunehmend neue Kunst aus jungen Sammlungen.

Aktuell hat die Weserburg in der Themenschau «Land in Sicht» den Dialog zwischen alten Meistern und Gegenwartskünstlern inszeniert. Jetzt wünscht sich das Team auch in eigener Sache Land in Sicht: Es will sich jenseits finanzieller und politischer Streitigkeiten wieder ganz und gar auf die Kunst konzentrieren können. Doch die Mitarbeiter werden sich noch weiter gedulden müssen. Eine Entscheidung über die Zukunft der Weserburg wird es erst nach der Bürgerschaftswahl im Mai geben.

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