Kunst
Wie Deutschland sich in Venedig präsentiert

Berlin (dpa) - Deutschland hat als einziges Land bisher drei Mal den Goldenen Löwen für seinen Auftritt bei der Kunstbiennale in Venedig gewonnen.

Sonntag, 03.05.2015, 09:31 Uhr aktualisiert: 03.05.2015, 09:40 Uhr

Dieses Jahr bespielen auf Vorschlag von Kurator Florian Ebner insgesamt fünf Künstler den deutschen Pavillon - darunter ein internationales Künstlerduo aus Kairo . Alle Arbeiten sind speziell für Venedig  entstanden und werden dort zum ersten Mal gezeigt. Wer macht was?

1. HITO STEYERL: Die Berliner Medienkünstlerin Hito Steyerl (48) zeigt die Videoinstallation «Factory of the Sun », die reale Figuren in digitale Bilder verwandelt. Dafür nutzt sie die sogenannte Motion-Capture-Technik, bei der hochempfindliche Sensoren jede Bewegung eines Menschen in Daten übersetzen. «Das Digitale besteht für mich aus einer Art permanentem Scheitern», sagt Steyerl. 1966 in München geboren, machte sich die Künstlerin vor allem mit essayistischen, gesellschaftskritischen Dokumentarfilmen («Lovely Andrea», «Red Alert») einen Namen. Seit 2011 ist sie Professorin für Neue Medien an der Universität der Künste Berlin.

2. TOBIAS ZIELONY: Die Arbeit des Berliner Fotografen Tobias Zielony (41) hat bittere Aktualität. Für sein dokumentarisches Fotoessay begleitete er über längere Zeit afrikanische Flüchtlinge in Hamburg und Berlin. Vor allem geht es um die Frage, wie mit Hilfe von Bildern die Isolation in der Fremde durchbrochen werden kann. «Ich wurde eingeladen unter der Prämisse, kein Video zu machen, weil es schon so viele gibt», verriet er. Zielony, 1973 in Wuppertal geboren, lernte als Meisterschüler von Timm Rautert in Leipzig. Bekannt wurde er mit seinen Porträts jugendlicher Randgruppen und Gangs unter anderem in England, Frankreich und Italien.

3. OLAF NICOLAI: Der Berliner Konzeptkünstler Olaf Nicolai (52) nutzt das Dach des Pavillons für eine sieben Monate dauernde Aktion. Seine Protagonisten sollen dort einer rätselhaften Tätigkeit nachgehen, eine «Schattenökonomie unter gleißender Sonne». Der Zuschauer unten weiß nicht so genau, was passiert und füllt die Leerstellen mit seiner eigenen Fantasie. «Es geht um das Verhältnis von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Dokumentation und Imagination», sagt Nicolai. 1962 in Halle geboren, hatte der Künstler zunächst Germanistik studiert. Er schafft aus unterschiedlichsten Materialien teils verstörende Installationen. Seit 2011 ist er Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, zwei Mal nahm er an der documenta teil.

4. JASMINA METWALY/PHILIP RISK: Das in Kairo lebende Künstlerpaar Jasmina Metwaly (32) und Philip Rizk (33) stellt in seinem Film «Out on the Street» ein experimentelles Kammerspiel vor. Ägyptische Arbeiter wurden eingeladen, auf dem verlassenen Dach eines Hochhauses Szenen von der Abwicklung ihrer Fabrik nachzuspielen. Die polnische Malerin Metwaly und der aus Zypern stammende Filmemacher Rizk arbeiten seit 2010 in Kairo zusammen. Im Ägyptischen Frühling gehörten sie zu den Mitbegründern der Bloggergruppe Mosireen, die über die Geschehnisse auf dem Tahrir-Platz informierte. «Ihre Arbeit bringt eine künstlerische Haltung in den Pavillon ein, die jenseits des westlichen etablierten Kunstmarkts entstanden ist», sagt Kurator Florian Ebner.

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