Kulturpolitik
«Intellektuelles Richtfest» am Humboldtforum

Genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung wird am 12. Juni die Richtkrone über dem wiederaufgebauten Berliner Schloss hochgezogen. Zuvor feierte Kulturstaatsministerin Grütters ihr «intellektuelles Richtfest» im Humboldtforum mit der Vorstellung der Intendanten.

Dienstag, 05.05.2015, 16:57 Uhr aktualisiert: 05.05.2015, 17:07 Uhr

Berlin (dpa) - Macht, Krieg, Flucht, Glaube, Tod - die großen Fragen der Menschheit neu darstellen und so zu Diskussionen anregen, das will das Humboldtforum in Berlin leisten. Darin waren sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die drei Gründungsintendanten am Dienstag einig. Aufgabe der Intendanten mit dem britischen Museumsexperten Neil MacGregor an der Spitze sowie dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp und dem Archäologen Hermann Parzinger sei es, dieses Konzept mit Leben zu erfüllen, sagte Grütters. Es gehe darum, «die gute Idee zu einem großen Ganzen aus einem Guss zu formen» und die Öffentlichkeit dabei mitzunehmen.

Die Einsetzung der drei Intendanten symbolisiere das «intellektuelle Richtfest », mit dem die inhaltlich konzeptionelle Arbeit ab Oktober beginnen könne, sagte Grütters. Im wiederaufgebauten Schloss in Berlins historischer Mitte stünden von 2019 an rund 20 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Etagen zur Verfügung. «Es ist das ambitionierteste deutsche Kulturvorhaben», sagte Grütters.

Auch MacGregor betonte, die Berliner Museen böten einzigartige Sammlungen und Schätze aus jeder Epoche der Menschheitsgeschichte, die in Gänze nie gezeigt werden konnten. «Seit 200 Jahren schaut das denkende Europa mit großen Augen nach Berlin», sagte der 68-jährige Schotte, der seit 2002 das British Museum in London leitet.

In Berlin hätten sich Kunst und Architektur sowie Kultur und Wissenschaft in herausragender Weise vereint. Bis 1933 habe Deutschland weltweit die meisten Nobelpreise eingeheimst. «Das Humboldtforum ruht auf den Fundamenten der deutschen Aufklärung ...Nur hier im Humboldtforum gibt es jetzt die Gelegenheit, die Geistesgeschichte der Menschheit immer wieder neu zu erzählen.»

Das Humboldtforum wolle einen Beitrag zum Verständnis der Prozesse liefern, sagte Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einer der drei künftigen Nutzer. «Es muss eine intellektuelle Baustelle werden, die nie fertig werden darf. Denn es stellen sich immer wieder neue Fragen», so Parzinger. Müller betonte, Berlin wolle sich an dieser spannenden Auseinandersetzung mit der Präsentation seiner Geschichte beteiligen und sei zu jeder Kooperation bereit.

Die drei Intendanten erhalten einen auf zunächst zwei Jahre befristeten Vertrag, dann werde Zwischenbilanz gezogen, sagte Grütters. Ihre Arbeit werde auf der operativen Ebene von einer neuen Stabsstelle Humboldtforum unterstützt. Sie wird von Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin geleitet. Außerdem werde das Trio von neun internationalen Wissenschaftlern und Kunstexperten beraten.

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