Ausstellungen
Milliardär Pinault holt Berliner Kunstszene nach Venedig

Der französische Milliardär François Pinault gilt als einer der bedeutendsten Käufer zeitgenössischer und moderner Kunst. Nun bespielt der Sammler sein Museum in Venedig mit Künstlern aus Berlin.

Mittwoch, 06.05.2015, 17:42 Uhr aktualisiert: 06.05.2015, 17:48 Uhr

Paris/ Venedig / Berlin (dpa) - Jeff Koons, Damien Hirst und Takashi Murakami: Der französische Milliardär François Pinault sammelt internationale Hype-Künstler. Seit geraumer Zeit interessiert sich der 78-Jährige auch für Kunst aus Deutschland.

Nach dem Düsseldorfer  Thomas Schütte holt der Unternehmer - Gründer des Luxuskonzerns Kering mit Marken wie Gucci und Puma - nun gefragte Gegenwartskünstler aus Berlin nach Venedig, wo er gleich zwei Museen besitzt. 

«Slip oft the Tongue» heißt die neue Ausstellung in der Punta della Dogana am Beginn des Canal Grande. Pinault, dessen Privatsammlung moderner und zeitgenössischer Kunst mit schätzungsweise bis zu 4000 Werken als eine der größten weltweit gilt, hat die ehemalige Zollstation aus dem 15. Jahrhundert für rund 20 Millionen Euro renovieren lassen. Seit 2009 bespielt er den Prachtbau vorwiegend mit seinen Werken. Der Titel, der übersetzt Versprecher bedeutet, geht auf die ausgreifende Rauminstallation von Nairy Baghramian zurück: mehrere in Vitrinen und an der Wand lehnende Elemente aus Polystyrolbeton und Silikon, die an erschlaffte Penisse erinnern.

Die iranisch-deutsche Künstlerin, die seit 1984 in Berlin lebt und arbeitet, hat sich in den vergangenen Jahren in die erste Liga der Kunstszene gespielt. Zuletzt wurde die 1971 in Isfahan geborene Bildhauerin mit dem begehrten deutschen Arnold-Bode-Preis gewürdigt. Die Auszeichnung, die nach dem Gründungsvater der documenta benannt ist, haben vor ihr auch Gerhard Richter und Thomas Schütte erhalten, dessen Werke Pinault schon seit Jahren kauft.

Die Kunstszene in der deutschen Hauptstadt sei international und dynamisch - so erklärt der Direktor der Pinault-Sammlung, Martin Bethenod, die Tendenz seines Bosses. Pinault, der seit 1998 auch Besitzer des Versteigerungshauses Christie’s ist, beobachte seit Jahren schon die Szene, sagt Bethenod. So habe man auch Danh Võ vor Jahren in einer Berliner Galerie entdeckt.

Võ, 1975 in Vietnam geboren und in Kopenhagen und Frankfurt ausgebildet, gehört seit ungefähr fünf Jahren zu den In-Künstlern. Heute lebt Võ zwischen Berlin, New York und Mexico City. Von ihm sind mehr als 20 Arbeiten zu sehen, darunter Postkarten von exekutierenden französischen Missionaren sowie Kartons, auf denen er in Blattgold unter anderem das Logo von Coca Cola überarbeitet. Võ, der zudem die Ausstellung kuratiert hat, behandelt in seinen Arbeiten Themen wie Exil und Heimat.

Fast die Hälfte der ausgestellten Werke des Künstlers - er war 2014 einer der Kuratoren der 8. Berlin Biennale - gehören Pinault. Leonor Antunes und Henrik Olesen sind weitere Berliner Kunstschaffende, die in Venedig bis zum 31. Dezember ausgestellt sind.

Wie sehr sich Pinault für Deutschland interessiert, zeigt sein Bemühen um eine Ausstellung seiner Werke in einem deutschen Museum. Die Gespräche darüber scheinen im vollen Gang zu sein. Bald schon wisse man mehr, verspricht Bethenod. 

In Pinaults zweitem Museum in Venedig, dem Palazzo Grassi, ist bis Ende November Martial Raysse zu sehen - mit mehr als 300 Exponaten die bisher größte Retrospektive des französischen Malers und Praemium Imperiale-Preisträgers außerhalb seiner Heimat. 

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