Museen
Die Gurlitt-Taskforce und «entartete» Kunst

Die Suche nach den ursprünglichen Besitzern und möglicher NS-Raubkunst aus der Gurlitt-Sammlung ist eine mühselige Kleinarbeit. Die Taskforce hat auch Erkenntnisse über die von den Nazis als «entartet» diffamierte Kunst in der Sammlung.

Mittwoch, 06.05.2015, 15:45 Uhr aktualisiert: 06.05.2015, 15:54 Uhr

Essen (dpa) - Die Taskforce «Schwabinger Kunstfund» hat bereits zahlreiche von den Nazis als « entartet » diffamierte Kunstwerke in der Gurlitt-Sammlung den einstigen Herkunftsmuseen zuordnen können.

Ein rechtlicher Anspruch der Museen auf Rückgabe dieser 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Werke bestehe aber nicht, sagte die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann am Mittwoch bei der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes in Essen. Hoffmann ist Mitglied der Taskforce zur Erforschung der Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt

Im Münchner Gurlitt-Bestand seien etwa 400 Werke und im Salzburger Teil rund 100 Werke der NS-Beschlagnahmeaktion von 1937 zuzuordnen, sagte Hoffmann. «Eindeutig» identifiziert seien bislang aus dem Schwabinger Fund rund 160 Werke und aus dem Salzburger Teil knapp 50. Die Arbeiten stammten etwa aus Museen in Berlin, Essen, Hagen, Saarbrücken oder Bielefeld. Als «entartete Kunst» hatten die Nazis zahlreiche Werke der Modernen Kunst diffamiert.

Aber auch diese Werke - zumeist Papierarbeiten - müssen laut Hoffmann auf Raubkunstverdacht geprüft werden. Nur wenn sie vor 1933 von den Museen erworben worden seien, könne ein verfolgungsbedingter Entzug ausgeschlossen werden. Einige Museen hatten Anspruch auf die Rückgabe von Werken aus ihren einstigen Sammlungen erhoben.

Cornelius Gurlitt, Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand mit seiner Sammlung von mehr als 1500 Bildern in München und Salzburg monatelang im Zentrum einer Debatte um Nazi-Raubkunst. Mehrere wertvolle Werke sind bereits als Raubkunst identifiziert.

Der Vater Hildebrand Gurlitt (1895-1956) hatte trotz jüdischer Herkunft im Auftrag Hitlers auch «entartete Kunst» gegen Devisen verkaufen dürfen. Hoffmann wies daraufhin, dass Gurlitt diese Werke alle zuvor selbst erworben und nicht in Kommission genommen habe. Acht Verträge Gurlitts mit den Nazi-Behörden seien bekannt. Gurlitt habe von den Nazis gebrandmarkte moderne Kunst aber auch direkt von den Künstlern gekauft.

Im Sammlungsteil «entartete Kunst» wurden nach Angaben Hoffmanns bisher nur zwei Gemälde, je eines von Otto Mueller und Joachim Ringelnatz, gefunden. Der Großteil seien Papierarbeiten wie Aquarelle und Zeichnungen, aber darunter seien «herausragende farbige» Werke, die «den Status von Originalwerken» hätten. Auch für Kunsthistoriker gebe es einige Überraschungen. So sei bei einem Aquarell von August Macke auf der Rückseite eine Übung zu einem Farbkreis von Robert Delaunay gefunden worden.

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