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Andrea Sawatzki: Komödien sind «superwichtig»

Für Andrea Sawatzki waren die Dreharbeiten zu ihrem jüngsten TV-Film «Es kommt noch besser» eine ziemliche Herausforderung - denn in dieser ungewöhnlichen Komödie spielt sie eine Frau ohne Familie und ohne Arbeit.

Dienstag, 05.05.2015, 15:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2015, 22:06 Uhr

Hamburg/Berlin (dpa) - Ist die Komödie eine geeignete Form, um das Thema Arbeitslosigkeit anzupacken? Die Schauspielerin Andrea Sawatzki (52) spielt in dem ZDF-Film «Es kommt noch besser» an diesem Donnerstag eine Mittfünfzigerin auf Stellensuche.

Mit der Nachrichtenagentur dpa spricht die 52-Jährige darüber, wie ihre Filmfigur mit dem Schicksal umgeht und ob das Komödien-Genre dazu passt.

Frage: Frau Sawatzki, Sie spielen die Hauptrolle in einer Komödie über Arbeitslosigkeit. Diese Genre ist dafür doch eher unüblich, oder?

Antwort: Es ist sicher ein Wagnis, eine Komödie über Arbeitslosigkeit zu machen. Aber Komik entwickelt sich immer aus einem tragischen Kern. Man beobachtet Menschen bei ihrem Scheitern, bei ihren teilweise vergeblichen Bemühungen, sich wieder aufzurappeln. Da erkennt man sich selbst manchmal wieder und kann deshalb über absurde Situationen lachen. Komödien finde ich superwichtig.

Frage: Wie würden Sie diese Ina am ehesten beschreiben?

Antwort: Ina ist ein Mensch, der Querschläge oder kleinere Katastrophen nicht an sich heranlässt. Überzogenes Bankkonto? Nicht bei Ina. Das wird einfach erst mal ignoriert. Arbeitslosigkeit? Zumindest nicht bei Ina erkennbar. Sie kleidet und frisiert sich wie eh und je und hält die Fassade aufrecht. Sie ist sehr diszipliniert. Von außen betrachtet wirkt sie erfolgreich und souverän. Sie weiß, was sie will und achtet darauf, ihren Grundsätzen zu folgen.

Frage: Also macht sie weiter, als wäre nichts passiert. Und was ist mit der Realität?

Antwort: Manchmal wirkt sie wie in eine Form gepresst. Sich nur keine Gefühlsregungen anmerken lassen. Die Katastrophe des überraschenden Arbeitsplatzverlustes macht sie nach kurzer Zeit vergeblichen Widerstandes angreifbar. Anfangs wehrt sie sich auch hier, die Realität zu akzeptieren. Doch dann lässt sie los und gibt nach und nach sehr viel über sich zu erkennen. Das finde ich sehr fein beobachtet.

Frage: Und sie hat nun wirklich einen Haufen Probleme vor sich.

Antwort: Ja. Ina kommt natürlich schwer mit ihrer Arbeitslosigkeit klar. Zunächst gibt sie sich ja selbst die Schuld an dem Desaster, so wie sie bis dahin allen Betroffenen an ihrem Jobverlust die Schuld gegeben hat. Arbeitslose gehören nicht in ihr Leben und sie empfindet das als tiefe Schmach, jetzt selbst eine Betroffene zu sein. Sie möchte das einfach gar nicht wahrhaben. Dann brechen auch noch gleich vier Tabu-Themen über sie herein: Sie ist nicht mehr die Jüngste, sie ist arbeitslos, sie hat keinen Mann und sie ist absolut pleite und hochverschuldet.

Frage: Das reinste Horrorszenario! Am schlimmsten dabei ist doch wohl das Alleinsein?

Antwort: Ina hat keine Familie, keine Freunde - niemanden, mit dem sie reden kann. Ihre Firma war ihr Leben. Mehr soziale Kontakte hat sie nie gebraucht. Sie hätte gern Kinder gehabt, aber das hat nicht geklappt. Jetzt ist sie allein. Wenn man Kinder hat, ist es vermutlich einerseits katastrophaler, den Job zu verlieren. Andererseits trägt man eine hohe Verantwortung und muss versuchen, rasch wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Da rappelt man sich eventuell schneller wieder hoch als wenn man allein ist und in Depressionen verfällt.

Frage: Der Film hat ein hoffnungsvolles Ende. Ist das nicht etwas zu märchenhaft?

Antwort: Ich glaube, für Ina kommt es wirklich besser. Sie hat ja ihren ehemaligen Chef an ihrer Seite, und in dem neuen Beruf als Coach beim Arbeitsamt kann sie sich so richtig ausbreiten. Da mag sie auch richtig streng sein, aber das passt zu ihr. Am Ende des Films öffnen sich ungeahnte Perspektiven für sie - sie ist wirklich ein anderer Mensch.

ZUR PERSON: Die Schauspielerin Andrea Sawatzki (52) schreibt auch Romane. 2013 erschien ihr erstes Buch, im Oktober 2015 legt sie ihren Psychothriller «Der Blick fremder Augen» vor, mit einer Kommissarin um die 50 als Hauptfigur. Die Schauspielerin, Hörspielsprecherin und Buchautorin lebt seit 1997 mit ihrem Schauspielkollegen Christian Berkel (57) zusammen, sie heirateten im Dezember 2011. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne (15 und 12 Jahre alt) und wohnt in Berlin.

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