Musik
Wagner und Bayreuth - Ein Für und Wider

Richard Wagner schenkte der Musikwelt große Opern und neue Ideen. Aber er war auch ein Antisemit. Die Frage, ob man sein Werk bewundern darf, treibt viele Menschen noch heute um.

Donnerstag, 23.07.2015, 09:13 Uhr aktualisiert: 23.07.2015, 09:20 Uhr
Verehrt und verdammt: Richard Wagner.
Verehrt und verdammt: Richard Wagner. Foto: Jan Woitas

Bayreuth (dpa) - Seine Opern sind große Kunst. Seine Festspielidee war verwegen. Er hat glühende Anhänger - leider gehörte dazu auch Adolf Hitler .

Richard Wagner (1813-1883) gilt als Erneuerer des Musiktheaters, aber auch als übler Antisemit. In Israel ist seine Musik bis heute verpönt. Die Nationalsozialisten bedienten sich seiner Werke. Und trotzdem gehört Wagner heute zu den bekanntesten deutschen Komponisten.

Eine Auswahl von Gründen, Wagner, sein Werk und die Bayreuther Festspiele (25.7. bis 28.8.2015) zu lieben oder aber abzulehnen:

PRO WAGNER, SEIN WERK UND SEINE WIRKUNG:

- Die Ouvertüren: Man muss sich gar nicht in die stundenlangen Werke Wagners vertiefen, um seiner Musik zu erliegen. Es genügen die Vorspiele. So viel Kraft und Macht, so viel mitreißender Pathos, so viel Abgründiges - ja, Wagners Musik fesselt.

- Seine Leidenschaft: Er war kein Wunderkind, Wagner musste sich seine Erfolge erkämpfen und immer wieder Rückschläge hinnehmen. Die Anerkennung flog ihm nicht zu. Er hatte Gönner und Förderer. Dass er diese gnadenlos ausnützte, liegt wohl auch in der Natur des Künstlers begründet, der alles der Kunst unterordnet.

- Die Familie Wagner: Sie ist in Deutschland fast ein kleiner Ersatz für das fehlende Königshaus geworden. Skandale, Intrigen und Geschichten liefern die Nachkommen des Musikgenies verlässlich.

KONTRA WAGNER, SEIN WERK UND SEINE WIRKUNG:

- Antisemitismus: Wagners Aufsatz «Das Judentum in der Musik» ist ein übles Dokument seiner Judenfeindlichkeit. Für den Regisseur Hans Neuenfels, der in Bayreuth « Lohengrin » inszeniert, ist «kein anderer großer Künstler in eine derartige Schlangengrube gefallen». Wagners «widerliche, dreckige Schrift» sei unverzeihlich, sagt Neuenfels.

- Hitler: Adolf Hitler verehrte Wagners Musik, der Diktator war regelmäßig Gast in Bayreuth und wurde vom Wagner-Clan umschwärmt. Bei den Reichsparteitagen in Nürnberg ließ Hitler «Die Meistersinger» aufführen, weil das Werk für ihn die deutsche Nationaloper schlechthin war. Darf man diese Nazi-Verstrickung ignorieren?

- Die Länge der Opern: Kunst sollte nicht zur körperlichen Anstrengung verkommen. Das lässt sich bei Wagner aber nicht vermeiden. Die Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» kommt auf etwa 16 Stunden Aufführungsdauer, die Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» auf etwa fünf Stunden. Und der Wagner-Gesang strengt meist sehr an.

PRO BAYREUTHER FESTSPIELE:

- Das Festspielhaus: Ein Haus, in dem das Publikum überall die gleichen Bedingungen vorfindet und es keine besseren oder schlechteren Plätze gibt - Wagners Idee war die eines nahezu demokratischen Kunstgenusses. Die Akustik des Hauses gilt als einmalig. Er gab sich nicht mit dem Komponieren zufrieden, sondern konzipierte auch eine bis heute gültige Festspielidee.

- Die Wagnerianer in Bayreuth: Man kann sie lieben oder hassen, unterhaltsam sind sie allemal, wenn sie mit ernsten Gesichtern und in ihren festlichen Roben ins Opernhaus schweben und in den Pausen die legendäre Festspiel-Bratwurst mit einem Hundert-Euro-Schein bezahlen.

KONTRA BAYREUTHER FESTSPIELE:

- Das Festspielhaus: Man kann lange Wagner-Werke auf gut gepolsterten Stühlen in Opernhäusern auf der ganzen Welt verfolgen. Man kann sie aber auch im Festspielhaus in Bayreuth hören. Die Sitze sind dort allerdings kaum gepolstert und sehr eng - und spätestens im zweiten Akt verschlechtert sich die Luftqualität im Haus erheblich. Es gibt bis heute keine Klimaanlage. Das ist schweißtreibend.

- Die Wagnerianer in Bayreuth: Es geht recht steif zu am Grünen Hügel. Nicht ganz so festlich gekleidete Menschen können geringschätzige Blicke ernten. Wegen der Hitze verschafft sich mancher Zuschauer mit einem Fächer Abkühlung oder fächelt sich mit der Festspielkarte notdürftig Luft zu - allerdings findet das dann mancher Sitznachbar störend.

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