Literatur
Frederick Forsyth sieht sich als Außenseiter

Frederick Forsyth ist einer der erfolgreichsten Thrillerautoren. Mittlerweile 77 Jahre alt hat er in «Outsider» nun den Blick auf sein eigenes Leben gerichtet.

Dienstag, 22.09.2015, 15:27 Uhr aktualisiert: 22.09.2015, 15:32 Uhr
Frederick legt seine Autobiographie vor.
Frederick legt seine Autobiographie vor. Foto: Britta Gürke

Berlin (dpa) - «Der Schakal», «Die Akte Odessa », «Das vierte Protokoll» - das sind die bekanntesten der vielen Politthriller, mit denen der Brite Frederick Forsyth weltweit erfolgreich geworden ist.

Sein Name ist dabei schon fast zum Selbstgänger geworden, zur Marke. Wer zu einem Forsyth greift, kann sich darauf verlassen, eine spannende Handlung präsentiert zu bekommen, eingebettet in eine präzise dargestellte politische Krise.

Der Autor selbst ist weit weniger bekannt als seine Titel. Dabei haben seine persönlichen Erfahrungen einen erheblichen Einfluss gehabt auf seine Romane. Was er erlebte, schildert Forsyth nun in seinen Memoiren: «Outsider - Die Autobiografie». Wie der Titel andeutet, sieht Forsyth sich als Außenseiter.

Zum einen, weil ihn die Umstände seines Lebens zum Einzelgänger gemacht haben, zum anderen, weil ihm die Perspektive des Außenseiters beim Schreiben hilft: «Ein Autor sollte immer auf Distanz bleiben», analysiert er. «Wie ein Vogel auf dem Geländer beobachten, aufschreiben, nachforschen, kommentieren.»

Dabei war die Schriftstellerei lange Zeit kein Thema für den jungen Mann, der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Südengland geboren wurde. Schon als kleiner Junge träumte er davon, Pilot zu werden. Plastisch und detailliert, so wie man es von ihm gewohnt ist, beschreibt Forsyth, wie er es schaffte, zum jüngsten Piloten der britischen Luftwaffe zu werden. Eine berufliche Perspektive bot sich ihm trotzdem nicht.

Also griff er auf sein Sprachtalent zurück. Wie er Französisch und Deutsch in der Schule lernte, beschreibt Forsyth mit vielen Anekdoten. Wirklich spannend wird es, als ihm seine Kenntnisse zu einem Posten als Nachwuchskorrespondent im Pariser Büro einer Nachrichtenagentur verhalfen.

Auf seine Zeit in Frankreich folgte ein abenteuerliches Jahr als Reporter in Ost-Berlin mitten im Kalten Krieg. Was er dort unternahm, um seine Überwacher auszutricksen und seine Reportagen in den Westen zu schicken, hat in Forsyths Erzählungen größten Unterhaltungswert.

Weniger unterhaltsam, dafür aber umso spannender war seine Zeit als Reporter im nigerianischen Biafra Ende der sechziger Jahre. Eingezwängt zwischen offizieller politischer Linie und den genau entgegengesetzten persönlichen Erfahrungen steuerte Forsyth scheinbar unausweichlich auf sein persönliches Scheitern zu.

Nach Europa zurückgekehrt, machte er aus diesem Scheitern den Anfang seines Erfolgs. Ohne die Abläufe des Literaturbetriebs zu kennen, schrieb er einen Roman - basierend auf seiner Arbeit als Reporter im Umfeld des französischen Präsidenten. Wieder einmal kamen ihm glückliche Zufälle zu Hilfe, und das aus der Not entstandene Buch «Der Schakal» wurde zum Welterfolg. Diese Herangehensweise blieb Forsyths Erfolgsrezept: Immer waren persönliche Erfahrungen die Basis seiner Romane.

In «Outsider» enthüllt Forsyth erstmals, was schon länger spekuliert worden war: Seit seiner Zeit in Afrika war er immer wieder für den britischen Geheimdienst tätig. Details verrät er nicht, aber er deutet an, welchen Nutzen der Schriftsteller aus der Tätigkeit des Agenten zog.

Der Mensch Frederick Forsyth bleibt hinter diesen Erzählungen erstaunlich blass. Hier wahrt er die gleiche Distanz wie in seinen Romanen. Zwar erzählt er einige spannende und manche anrührende Anekdoten aus mehreren Jahrzehnten, mehr als die Figur in einer Handlung ist Forsyth in den späteren Teilen seiner Autobiografie aber nicht.

- Frederick Forsyth: Outsider - Die Autobiografie, C. Bertelsmann Verlag, München, 379 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-570-10266-4

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