Theater
Wer bekommt den Mülheimer Dramatikerpreis?

Das Rennen um den begehrten Mülheimer Dramatikerpreis ist eröffnet. Mindestens genauso spannend wie die Auswahl der Stücke ist dieses Jahr auch, wer nicht dabei ist.

Mittwoch, 02.03.2016, 08:55 Uhr aktualisiert: 02.03.2016, 09:36 Uhr
Vorhang auf für die besten Stücke im Theater an der Ruhr in Mülheim.
Vorhang auf für die besten Stücke im Theater an der Ruhr in Mülheim. Foto: Roland Weihrauch

Mülheim (dpa) - Bei der Auswahl für den renommierten Mülheimer Dramatikerpreis setzt die Jury dieses Jahr auf weitgehend etablierte Autoren. Nicht ins Rennen schafften es aber Zugpferde wie Peter Handke und Ferdinand von Schirach.

Sieben Stücke konkurrieren bei den Mülheimer Theatertagen im Mai um die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung. Ausgewählt wurden neue Werke von Sibylle Berg, Wolfram Höll, Yael Ronen, Felicia Zeller, Fritz Kater und Ferdinand Schmalz. Erstmals dabei ist Thomas Melle mit dem in Bonn uraufgeführten Missbrauchsstück «Bilder von uns».

Das Erfolgsstück «Terror» von Ferdinand von Schirach, das an zahlreichen Bühnen gespielt wird, wurde dagegen nicht eingeladen. Nach Ansicht des Auswahlgremiums sei es ein «ziemlich schlechtes Theaterstück», das auf «offene Erregung» ziele, das aber im Text nicht einhalte, sagte Jury-Sprecher Franz Wille am Dienstag in Mülheim. Auch das erst vor wenigen Tagen in Wien uraufgeführte Stück «Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße» von Peter Handke sei «einstimmig» durchgefallen.

Dagegen ist mit «The Situation» erstmals ein nicht deutschsprachiges Werk in der Auswahl. Das Stück von Yael Ronen in der Inszenierung des Berliner Maxim Gorki Theaters ist auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Es lässt die Feinde im Nahost-Konflikt in einem Integrationssprachkurs in Deutschland aufeinandertreffen. Gesprochen wird Arabisch, Hebräisch und Englisch - und alles auf Deutsch übertitelt.

Insgesamt waren rund 100 neue Stücke in der Auswahl. Das Flüchtlingsthema spiegele sich noch nicht so stark wider, da zum Zeitpunkt des Beginns der Krise im September 2015 die Spielpläne an den Bühnen bereits lange fertig gewesen seien, sagte Wille.

Die ausgewählten Stücke drehen sich auch um Existenz- und Identitätskrisen. Sibylle Berg ist mit «Und dann kam Mirna» (Maxim Gorki Theater) vertreten - ein Stück über Erfolgsfrauen, die Mütter werden. Wolfram Höll, Mülheimer Preisträger von 2014, wurde mit «Drei sind wir» (Leipzig) eingeladen. Es dreht sich um eine Familie mit einem behinderten Kind, das nicht mehr lange zu leben hat. Außerdem sind «Buch (5 ingredientes de la vida)» von Fritz Kater (Autorenpseudonym des Stuttgarter Schauspielintendanten Armin Petras) sowie das satirische Stück «dosenfleisch» des Österreichers Ferdinand Schmalz und «Zweite allgemeine Verunsicherung» von Felicia Zeller in der Auswahl.

Die Stücke werden bei den 41. Mülheimer Theatertagen vom 7. bis 28. Mai aufgeführt. Am Ende kürt die fünfköpfige Jury in einer öffentlichen Debatte den Preisträger. Bewertet werden neue Stücke, nicht die Inszenierungen.

Um den mit 10 000 Euro dotierten Kinderstücke-Preis konkurrieren fünf Werke von Carsten Brandau, Finn-Ole Heinrich, Nora Mansmann, Jens Raschke und Thilo Reffert.

Vergangenes Jahr hatte der österreichische Autor Ewald Palmetshofer den Dramatikerpreis gewonnen. Zu den früheren Preisträgern zählen auch Peter Handke, Botho Strauß und Elfriede Jelinek.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3841352?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686136%2F2686170%2F
Nachrichten-Ticker