Kunst
Romantischer Expressionist: 100. Todestag von Franz Marc

Franz Marc hatte nicht viel Zeit, um sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu ermalen. Nur 36 Jahre wurde er alt. Vor 100 Jahren fiel der «Romantiker unter den Expressionisten» im Ersten Weltkrieg.

Donnerstag, 03.03.2016, 08:12 Uhr aktualisiert: 03.03.2016, 08:16 Uhr
Franz Marc, Blaues Pferd, 1911.
Franz Marc, Blaues Pferd, 1911. Foto: Oliver Berg

München (dpa) - Franz Marc war kein Pazifist. Er gehörte zu den Deutschen, die den Ersten Weltkrieg begrüßten. «Mein Herz ist dem Krieg nicht böse, sondern aus tiefem Herzen dankbar», schrieb er im November 1914 an seinen Kollegen Wassily Kandinsky.

«Es gab keinen anderen Durchgang zur Zeit des Geistes, der Stall des Augias, das alte Europa konnte nur so gereinigt werden.» Eineinhalb Jahre später war Marc tot - bei einem Erkundungsritt getroffen von einem Granatsplitter in der Schlacht von Verdun. Am Freitag (4. März) jährt sich sein Todestag zum 100. Mal.

Marc wurde nur 36 Jahre alt, hatte nur wenig Zeit, das Werk zu schaffen, das heute fest verankert ist im Malerei-Kanon der Deutschen. Er hinterließ 244 Ölgemälde sowie 261 Zeichnungen und Aquarelle. Das bunte Tier war sein Leitmotiv - angeführt vom berühmten blauen Pferd, das der Künstlervereinigung «Blauer Reiter» mit Kandinsky, Paul Klee und dem ebenfalls im Krieg gefallenen August Macke ein Gesicht gab.

Die Titel einiger seiner bekanntesten Werke: «Rehe im Schnee», «Tiger», «Stier» und «Kühe - rot, grün, gelb». «Franz Marc dachte, dass Tiere Dinge viel besser machen als Menschen», sagte Matthias Mühling, Direktor des Münchner Lenbachhauses, dessen «Blaue Reiter»-Sammlung weltberühmt ist, der dpa.

Wegen seiner Tiermotive und der knallbunten Farben zuweilen zu Unrecht verniedlicht, gehört Franz Marc zu den populärsten Künstlern der Moderne. «Romantiker unter den deutschen Expressionisten» wird er genannt. Die Nationalsozialisten ließen im Jahr 1937 insgesamt 130 seiner Werke aus deutschen Museen beschlagnahmen und als «entartet» brandmarken.

Als Sohn eines Malers und Akademieprofessors am 8. Februar 1880 in München geboren, kam Marc früh mit der Kunst in Kontakt. Trotzdem wollte er - unter dem Einfluss seiner streng calvinistischen Mutter - eigentlich Theologie studieren und fühlte sich auch stark zur Literatur hingezogen. So begann er in München ein Philosophiestudium, bevor er an die Münchner Kunstakademie wechselte.

Der kehrte er aber schnell den Rücken, nachdem er bei einer Reise nach Paris die Impressionisten für sich entdeckt hatte. Zurück in München suchte er abseits der Hochschule nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, betrieb auf einer Alm bei Kochel am See, wo seit 1986 ihm zu Ehren ein Museum steht, Zeichenstudien. Das oberbayerische Museum zeigt vom 6. März an eine Ausstellung, in deren Mittelpunkt Marcs Werk «Das arme Land Tirol» steht, eines seiner wichtigsten Gemälde, das im Franz-Marc-Jahr aus dem Guggenheim Museum in New York nach Kochel am See zurückkehrt. Titel der Ausstellung: «Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse».

Zum 100. Todestag ist nun das Buch «Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen» auf den Markt gekommen. Es sind die Aufzeichnungen seiner zweiten Ehefrau Maria Franck über «Mein Leben mit Franz Marc». Von seiner ersten Ehefrau Marie Schnür wurde Marc nach nur einem Jahr geschieden. Sein Bild «Zwei Frauen am Berg» von 1906 zeigt die beiden Frauen, mit denen er den Sommer in Kochel am See verbrachte.

Die Herausgeberin Brigitte Roßbeck hat die handschriftlich verfassten Erinnerungen Maria Marcs mit diesem Buch erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Maria Marc schreibt vom Hang ihres Mannes zur Melancholie und seinen Selbstzweifeln, die ihn dazu brachten, zahlreiche seiner frühen Werke mit eigener Hand zu zerstören. «Es galt für ihn nicht allein, ein guter Maler zu werden, sondern ein ganzer Mensch. Dies war wohl die Aufgabe seines Lebens, die ihm das Schicksal stellte.»

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