Medien
WDR-Doku über 70 Jahre NRW

NRW wird in diesem Jahr 70 Jahre alt - und schleppt ziemlich viele Geschichten mit sich rum. Der WDR hat sie ausgegraben. «Unser Land» zeigt NRW mit Pathos und Augenzwinkern. Und mit einer prominenten Sprecherin, die zu ihrem Heimatland so ihre eigenen Gedanken hat.

Freitag, 19.08.2016, 12:38 Uhr aktualisiert: 19.08.2016, 12:42 Uhr
Annette Frier führt durch die Doku zu 70 Jahren NRW.
Annette Frier führt durch die Doku zu 70 Jahren NRW. Foto: Marius Becker

Köln (dpa) - Annette Frier ist zwar die Stimme von Nordrhein-Westfalen, aber nicht die Beschwörerin seiner Einheit. «Es gibt kein richtiges NRW-Bewusstsein», stellt sie direkt klar. «Wir sind Kölner, Dortmunder oder gar Dülmener», sagt sie. Und ein Ostwestfale habe mit dem Süd-Kölschen nun wirklich erstmal nix gemeinsam.

Der Schauspielerin («Danni Lowinski», «Die Wochenshow», «Nur eine Handvoll Leben») - geboren und wohnhaft in Köln - geht es bei ihrem neuen Job erkennbar nicht darum, ein Hymne auf die Einheit ihres Heimatlandes zu singen. Das wird im Gespräch mit ihr bei einem Pressetermin ziemlich schnell deutlich - und macht Friers neue Aufgabe zu einem ziemlich interessanten Unterfangen.

Denn ab Freitag (19. August, 20.15 Uhr, WDR ) ist Frier die Stimme, die die Zuschauer durch «Unser Land» im WDR führen wird. In der sechsteiligen Reihe wird mit eine Fülle von Archivmaterial die Entwicklung Nordrhein-Westfalens nachgezeichnet - von den 50ern bis in das neue Jahrtausend. Anlass ist der 70. Geburtstag des Bundeslandes am 23. August. Frier ist die Erzählerin dieser Geschichte.

Es ist tatsächlich keine leichte Aufgabe, die sich der WDR da gestellt hat. Was heißt überhaupt «Unser Land»? Je nachdem, wen man in NRW fragt, dürfte es ziemlich unterschiedliche Antworten geben.

Die Antwort der Doku liegt in einer Mischung aus etwas Pathos und einigem Augenzwinkern, für das die Comedy-erprobte Frier die richtige Besetzung ist. Das Pathos ist etwa in den Eröffnungssequenzen der jeweiligen Teile nicht ganz zu verleugnen. «In sieben Jahrzehnten wurde Großes bewegt. Für die Zukunft gebaut. Und Neues erschaffen», heißt es gleich zu Beginn der ersten Folge über die 50er, die den Untertitel «Wie Phoenix aus der Asche» trägt. Der Schriftzug «Unser Land» wird mit sehnsuchtsvollen Klängen unterlegt.

Danach blättert sich eine Art Bilderbuch aus NRW-Köpfen, Geschichten und Anekdoten auf. Mehr als 2500 Stunden Archivmaterial wurden nach Angaben des WDR gesichtet. Die unschönen Seiten werden dabei nicht ausgelassen, etwa Umweltskandale. Aber vieles wird anhand von Menschen erzählt. Johannes Rau, Götz George als Duisburger Kommissar Schimanski, Popstar Nena aus Hagen, sie alle kommen vor.

Die mühsame Archivarbeit fördert dabei einige echte Perlen zu Tage. Etwa Bilder des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Meyers (CDU, 1958-1966), der im gestreiften Bademantel an einem Pool entlang tigert - und die Wertvorstellungen der 60er damit ziemlich greifbar macht. Wie in der Doku zu erfahren ist, gab es im selben Jahrzehnt offenbar auch eine WDR-Sendung namens «Mit den Augen der Frau», in der sich phlegmatische Herren gesellschaftlichen Fragen wie «Ziehen Sie eine junge adrette oder eine ältere adrette Sekretärin vor?» widmeten. Eine Antwort: Sie sollte mindestens 22 Jahre alt sein.

Sprecherin Annette Frier ist Jahrgang 1974, auch sie kann über so etwas herzhaft lachen. «Wenn man die Filme schaut, erinnert man sich plötzlich wieder an so viel», sagt sie. «Dieses Bundesland ist in sich mit den verschieden Städten und Regionen so unterschiedlich. Ein bisschen wie Deutschland und seine Bundesländer, das sind doch auch lauter Widersprüche. Und darin sehe ich das Salz in der Suppe», sagt sie. «Es geht nicht darum, eine aalglatte Hymne auf das Land zu singen und zu schunkeln: Wir sind alle NRW.»

Übrigens machte sich auch der bereits angesprochene Ministerpräsident Meyers so seine Sorgen über das Einheitsgefühl. Er sinnierte über einen neuen Landesnamen ohne Bindestrich - und ließ Vorschläge sammeln. Rheinfalen? Westfranken? Sachsofrankonien? So unlieb hatten die Einwohner ihr Bindestrich-Land dann aber doch nicht.

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