TV-Tipp
Unter anderen Umständen: Im finsteren Tal

Seit 2006 holt die ZDF-Krimireihe «Unter anderen Umständen» regelmäßig viele Zuschauer. Im 15. Fall trifft ihr Titel ganz besonders zu - denn Natalia Wörner und ihr Kollege Martin Brambach ermitteln diesmal nicht an der Ostsee, sondern in Österreich.

Montag, 21.01.2019, 00:01 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 00:04 Uhr
Jana Winter (Natalia Wörner) versucht ihrem Kollegen Brauner (Martin Brambach) beizustehen, der auf einem Waldweg angeschossen wurde.
Jana Winter (Natalia Wörner) versucht ihrem Kollegen Brauner (Martin Brambach) beizustehen, der auf einem Waldweg angeschossen wurde. Foto: Marco Nagel

Berlin (dpa) - Imposant und wunderschön wirkt die Bergwelt um den einstigen österreichischen Nobel-Thermalkurort Bad Gastein - aber auch schon mal düster, eng und sehr gefahrvoll.

Genau dorthin zieht es den schleswig-holsteinischen Kripomann Arne Brauner (Martin Brambach, «Willkommen bei den Honeckers»), um die Enttäuschung über die Wahl seiner früheren Untergebenen Jana Winter (Natalia Wörner, «Die Diplomatin») zu seiner neuen Chefin besser verarbeiten zu können. Zugleich will Brauner im längst von eher morbidem Charme umwehten «Monaco der Alpen», in dem schon Kaiserin Sissi zu Gast war, sein Alkoholproblem in den Griff bekommen.

Vergebens. Versoffen «Happy Birthday to me» lallend, wankt der Endfünfziger gleich zu Anfang durch die Hohen Tauern. Um plötzlich eine im Bergbach treibende Frauenleiche zu entdecken. Kurz darauf wird er angeschossen - gerade noch schafft es Brauner in den Ort und landet im Krankenhaus.

Wahrlich «Unter anderen Umständen» geht es in der 15. Episode der beliebten gleichnamigen ZDF-Krimireihe mit dem Titel «Im finsteren Tal» (Montag, 21. Januar, 20.15 Uhr als «Fernsehfilm der Woche») zu. Eigentlich an der deutschen Ostseeküste angesiedelt, bekommen es Brauner und seine neue Vorgesetzte, die an Ort und Stelle eilt, um ihm zu helfen, hier mit einer völlig neuen Umgebung zu tun. Was sich auch auf ihr Verhältnis auswirkt, das nun zwischen Professionalität und Momenten echter Freundschaft schwankt.

Nach dem Drehbuch von André Georgi sowie einer Vorlage von Gwendolyn Bellmann und Marianne Wendt erzählt die Regisseurin Judith Kennel (60, «Blauwasserleben») recht spanungsreich und vielschichtig von diesen Geschehnissen in der österreichischen Provinz. Die verdichten sich bald zum Familiendrama ungeheuren Ausmaßes. Denn eine Spur führt die Ermittler und ihren lokalen Kollegen Robanegg (Cornelius Obonya) in ein von der Pleite bedrohtes Grandhotel, in dem die Tote abgestiegen war. Seniorchef Peter Kroll (Klaus Pohl), zufällig der Schwiegervater Robaneggs, scheint ein sexueller Wüstling zu sein, der vor 30 Jahren unter den Seinen schweres Unglück angerichtet hat. Dessen Sohn Georg (Manuel Rubey), vom Vater als labiler Schwuler verachtet, möchte die Herberge gern an einen Investor aus England (Felix Everding) verkaufen.

Damit kommt eine weitere Verdachtskette ins böse Spiel, denn die Tote aus dem Bergbach war die Gattin des Verfassers eines zweifelhaften geologischen Gutachtens, von dessen Ergebnis auch der Verkaufswert des Krollschen Hotels abhängt. Hatte die Frau ihren Mann etwa erpresst? Trotz der Fülle der Handlungsstränge, an deren Ende mehrere Leichen liegen, wirkt dieser Kriminalfall nicht überfrachtet. Die Geschichte fesselt vielmehr dank ihres ungewöhnlichen Schauplatzes von vergangener Pracht sowie mit ausdrucksstarken Darstellern, unter denen die deutsche Burgtheatergröße Klaus Pohl (66, in «Hannah Arendt» im Kino) als furchterregend schleimiger Macho von gestern nicht die geringste Rolle einnimmt.

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